Atommüll Französische Demonstranten stoppen den Castor-Transport

Im Kreis Lüchow-Dannenberg kamen am Sonntag mehrere Tausend Demonstranten und ein massives Polizeiaufgebot in den Genuss einer "absolut friedlichen" Demo-Veranstaltung mit Fahrradtouren. Die Atommüllbehälter, gegen deren Transport demonstriert werden sollte, wurden bereits in Frankreich zeitweilig gestoppt.


Greenpeace-Aktivist mit nicht amtlichen Castor-Verbotsschildern: Dannenberg erlebte ein Demo-Wochenende
AP

Greenpeace-Aktivist mit nicht amtlichen Castor-Verbotsschildern: Dannenberg erlebte ein Demo-Wochenende

Dannenberg/Nancy - Der Castor-Transport nach Gorleben hat Verspätung. Bereits in Frankreich hatten sich bei Nancy zwei Aktivisten mit Rohren an die Gleise gekettet und so den Schienentransport vorübergehend zum Anhalten gezwungen. Außerdem gebe es in Nancy selbst eine Demonstration gegen den Transport, sagte Francis Althoff, Sprecher der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg. Am frühen Nachmittag konnte der Zug seine Fahrt nach Informationen der Anti-Atomkraft-Initiative "X-tausendmal quer" fortsetzen. Sechzehn Menschen seien in Gewahrsam genommen worden. Der Zug habe bereits zweieinhalb Stunden Verspätung.

Der Atommülltransport mit zwölf Castorbehältern aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague war am Samstagabend in Frankreich gestartet und sollte ursprünglich am Sonntagnachmittag die deutsch-französische Grenze passieren. Nach Einschätzung von Atomkraftgegnern könnten die Castoren am Montag am Verladebahnhof in Dannenberg eintreffen. Dort werden sie auf Tieflader verladen, um die letzten 20 Kilometer zum Zwischenlager Gorleben auf der Straße zurückzulegen.

Nach Angaben von Anti-Atom-Initiativen ist der Transport falsch deklariert. Die zwölf Castoren enthielten laut Deklaration schwach radioaktive "abgebrannte Brennelemente", tatsächlich aber handele es sich um Glaskokillen aus hochradioaktivem Atommüll. Das Gefährdungspotenzial sei somit deutlich größer als amtlich bescheinigt.

Kostenpunkt Bahnwache: Wegen des Sabotagerisikos muss die Bahntrasse der Castoren aufwendig überwacht werden
REUTERS

Kostenpunkt Bahnwache: Wegen des Sabotagerisikos muss die Bahntrasse der Castoren aufwendig überwacht werden

Im Landkreis Lüchow-Dannenberg protestierten am Sonntagmorgen erneut mehrere hundert Atomkraftgegner mit verschiedenen kleineren Aktionen gegen die Atommülllieferung. Unter anderem beteiligten sie sich an einer polizeilich wohl behüteten Fahrradtour von der Castor-Umladestation in Dannenberg zum Gorlebener Endlagerbergwerk, an einer weiteren Fahrradrallye in der Nähe der Bahnstrecke von Lüneburg nach Dannenberg oder an einer Demonstration hoch zu Ross zwischen den beiden Straßenstrecken, auf denen Castor-Behälter von Dannenberg nach Gorleben gebracht werden können.

Auf der nördlichen Straßenstrecke demonstrierten am Samstagabend nach der Auftaktdemonstration zudem 60 Landwirte mit Traktoren. Nach Polizeiangaben waren die Proteste erneut "absolut friedlich". Im Verlauf des Samstags hatten bereits rund 4.500 (nach Polizeiangaben) bis 6.000 (nach Angaben der örtlichen Bürgerinitiative) Atomkraftgegener ohne Zwischenfälle protestiert.

Für die nächsten Tage kündigten Atomkraftgegner weitere Demonstrationen an. So planen die Gruppen "WiderSetzen" und "X-tausendmal quer" zwei große Sitzblockaden auf der Straßentransportstrecke in Langendorf und Groß Gusborn. Die Blockaden sollen beginnen, sobald der Castortransport den Verladebahnhof Dannenberg erreicht hat.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.