Atommüll Niedersachsens Regierung will an Gorleben festhalten

Die niedersächsische Landesregierung will das atomare Endlager Gorleben vorerst nicht aufgeben. Bundesumweltminister Gabriel hält den Standort dagegen für tot.
Erkundung im Salzstock Gorleben: Für die Landesregierung in Hannover ist das Aus noch nicht besiegelt

Erkundung im Salzstock Gorleben: Für die Landesregierung in Hannover ist das Aus noch nicht besiegelt

Foto: ddp

Berlin - Die schwarz-gelbe Koalition in Hannover hält an Gorleben fest. Man müsse das atomare Endlager "zu Ende erkunden", sagte Landesumweltminister Hans-Heinrich Sander der "Berliner Zeitung". Dann müsse unter internationaler wissenschaftlicher Beteiligung geprüft werden, ob der Standort geeignet sei.

Sander widersprach damit Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, der das Lager vor dem Aus sieht. Gabriels Äußerungen kritisierte Sander als kurzfristige Wahlkampfmanöver. "Es ist schon erstaunlich, was der Bundesumweltminister vier Wochen vor der Wahl so zu Tage fördert. Er sollte besser ein Moratorium beim Erkunden seiner Akten einlegen", sagte Sander.

Der Umweltminister hatte zuvor in Berlin erklärt, der Standort Gorleben sei als Endlager "tot". Sozialdemokrat Gabriel begründete dies unter anderem damit, dass in der Regierungszeit von Kanzler Helmut Kohl kein Standortvergleich gemacht wurde und sich die Regierung über fachliche Bedenken hinweggesetzt habe. Gegen Gorleben spreche auch, dass die Verträge mit den Grundstückseigentümern zur weiteren Erkundung des Salzstocks bis 2015 befristet sind.

Auch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) dringt auf eine neue Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll. "Gorleben hatte immer einen Geburtsfehler", sagte BfS-Präsident Wolfram König der "Süddeutschen Zeitung". Der Standort sei juristisch angreifbar.

Empört hat die Atomindustrie auf die Aussage Gabriels reagiert. Das Deutsche Atomforum hält am Standort Gorleben fest und will den niedersächsischen Salzstock schnell zu Ende erkunden. Die Arbeiten ließen sich bis zum Ablauf der Nutzungsverträge mit den Grundbesitzern vor Ort Ende 2015 abschließen, "wenn man es nur will", erklärte das Deutsche Atomforum.

"Ob der Salzstock geeignet ist oder nicht, lässt sich erst nach Abschluss der Resterkundung feststellen", sagte der Präsident des Atomforums, Walter Hohlefelder. "Daher bleibt es dabei: Die Erkundung muss so schnell wie möglich zu Ende geführt und auf Basis dieser Untersuchungen ergebnisoffen entschieden werden."

ler/AFP/AP
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