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28. November 2011, 15:56 Uhr

Atommüll-Transport

Castor-Gegner blockieren die letzte Etappe

Nur noch wenige Kilometer muss der Castor-Transport zurücklegen, dann ist Gorleben erreicht. Das Verladen der elf Atommüll-Behälter von der Schiene auf Lkw ist abgeschlossen. Hunderte Atomkraftgegner protestieren auf der Straße zum Zwischenlager: Greenpeace-Aktivisten haben sich im Asphalt verankert.

Gorleben - Der größte Teil des Weges ist geschafft - aber der Protest noch lange nicht gebrochen. Der Castor-Transport mit hochradioaktivem Atommüll steht vor seiner letzten Wegstrecke: Am Montag wurden die elf Atommüllbehälter im Verladebahnhof Dannenberg im niedersächsischen Wendland auf Lkw umgeladen. Von dort aus geht es rund 25 Kilometer über eine Landstraße ins Atommüllager Gorleben.

Auch für die letzten Kilometer des Transports haben Castor-Gegner diverse Störaktionen geplant. Greenpeace-Aktivisten blockierten eine von zwei denkbaren Strecken ins Zwischenlager. Sie parkten am Vormittag auf der sogenannten Südstrecke über die Landstraße 256 in Klein Gusborn einen Kleintransporter quer zur Fahrtrichtung und verankerten einen Betonblock auf der Fahrbahn. In dem Transporter hätten sich zudem zwei Männer und zwei Frauen an den Betonblock gekettet, sagte eine Sprecherin der Umweltschutzorganisation. Ein Sprecherin der Polizei in Dannenberg bestätigte die Blockade. Am Nachmittag räumte die "Einheit technische Lösungen" den Transporter samt Betonblock von der Straße.

In Gorleben, das die Lastwagen passieren müssen, um ins nahe gelegene Zwischenlager zu kommen, haben sich rund tausend Atomkraftgegner für eine Sitzblockade versammelt. Die Organisation X-tausendmal quer rechnet mit weiterem Zulauf. Die Polizei hat inzwischen mit der Räumung begonnen, rechnet mit bis zu vier Stunden, die sie dafür benötigt. Nach Angaben von Aktivisten sind auch 30 Traktoren unterwegs zum Ort Splietau auf der L 256.

Die Einsatzleitung der Polizei stellt sich nach eigenen Angaben auf einen schwierigen letzten Abschnitt ein. Er rechne mit "intelligenten Blockaden", sagte der Polizeipräsident von Lüneburg, Friedrich Niehörster.

Neun von elf Castoren bis zum Mittag verladen

Die Polizei machte bisher keine Angaben über den voraussichtlichen Start des Castor-Transports in Dannenberg. Für die beiden möglichen Strecken von Dannenberg nach Gorleben haben die Sicherheitskräfte ein Demonstrationsverbot erlassen. Die Umladeaktion war nach Angaben der Betreiberfirma Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) am Nachmittag beendet.

In der Nacht zum Montag war der Zug mit den elf Castor-Behältern in Dannenberg im niedersächsischen Wendland angekommen. Zuvor hatte die Polizei wenige Kilometer vor dem Verladebahnhof eine Sitzblockade von rund 800 Atomkraftgegnern aufgelöst. Davor hatten eine Frau und drei Männer nach 14 Stunden eine Blockade der Schienen beendet. Sie hatten sich mit einer Betonpyramide im Gleisbett festgekettet.

Die regulären Zwischenstopps, die der Castor-Transport bis ins Wendland eingelegt hat, sind der Polizei entgegengekommen. Die Einsatzleitung erklärte am Montag bei einer Zwischenbilanz in Dannenberg, Pausen wie die in Maschen südlich von Hamburg hätten Personalwechsel ermöglicht und "eine extreme Überforderung der Beamten vermieden", sagte Thomas Osterroth für die Bundespolizei. Die Beamten hätten damit letztlich auch Blockaden von Aktivisten "zeitlich auffangen" und für Sicherheit sorgen können.

Mit dem Start des Konvois mit den Castor-Behältern wird frühestens am späten Nachmittag gerechnet. Durch die andauernden Verzögerungen ist dies der am längsten dauernde Atommülltransport ins Wendland: Am Mittwoch war der Transport um 16.00 Uhr in Valognes in der Normandie gestartet. Nach 109 Stunden erreichte er die Verladestation Dannenberg. Den bisherigen Spitzenwert hielt der Castor von 2010, der für die Strecke 92 Stunden benötigte.

ler/Reuters/dapd/AFP

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