Atommüll-Transport nach Lubmin Castoren schaffen es ins Ziel

Lubmin ist erreicht: Der Castor-Zug mit hochradioaktivem Atommüll aus Karlsruhe hat es ins Zwischenlager an der Ostsee geschafft. Nach rund 28-stündiger Fahrt erreichte der Transport am Donnerstagmorgen das Gelände des stillgelegten Kernkraftwerks. Bis zuletzt hatte es Blockaden gegeben.

Castor-Gegner an der Strecke: Sie konnten den Atommüll-Transport nicht aufhalten
DPA

Castor-Gegner an der Strecke: Sie konnten den Atommüll-Transport nicht aufhalten


Berlin/Lubmin - Die Verspätung war auf mehrere Stunden angewachsen - aber nun ist der Castor-Zug angekommen: Der Atommüll-Transport aus der stillgelegten Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe erreichte am Donnerstagmorgen das Zwischenlager Nord bei Lubmin. Auf seiner letzten Etappe durch Mecklenburg-Vorpommern war der Zug von Atomkraftgegnern noch mehrfach zu außerplanmäßigen Stopps gezwungen worden. Insgesamt dauerte die Fahrt rund 28 Stunden.

Die Polizei hatte den Transport der fünf Castor-Behälter quer durch Deutschland mit mehreren tausend Beamten gesichert. Nach Angaben der Energiewerke Nord (EWN) sollen die fünf Castorbehälter mit 140 Glaskokillen in den nächsten Stunden in das atomare Zwischenlager (ZLN) rangiert werden.

Der früher als "Atomsuppe" bezeichnete stark strahlende Müll aus der stillgelegten Wiederaufarbeitungsanlage war in Karlsruhe verglast worden, um ihn in festem Zustand transportfähig zu machen. Die Lagerung in Lubmin ist heftig umstritten. Das von den EWN betriebene Zwischenlager war ursprünglich nur für Atommüll aus den ostdeutschen Atomanlagen in Lubmin und Rheinsberg vorgesehen.

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Castor-Transport: Atomkraftgegner verzögern die Fahrt
In der Nacht hatten Atomkraftgegner unter anderem bei Ludwigslust, in Schwerin, bei Ribnitz-Damgarten und nahe Stralsund mit Blockadeaktionen den Transport mehrfach aufgehalten. Auch auf dem letzten Streckenabschnitt zwischen Greifswald und Lubmin hatten mehr als 50 Menschen an vier Stellen die Gleise besetzt. Die Polizei schritt dagegen ein.

Bereits am Mittwoch verhinderten Aktivisten der Umweltorganisation Robin Wood mit einer Abseilaktion von einer Brücke bei Schkopau in Sachsen-Anhalt die Weiterfahrt. Eine Sprecherin der Initiative "Lubmin niX da" sagte, die Polizei sei gegen Mahnwachen und Sitzblockaden in der Nähe des Zwischenlagers teilweise "rabiat" vorgegangen und habe Pfefferspray eingesetzt.

Es handelte sich um den zweiten Castor-Transport innerhalb von zwei Monaten und nach Angaben der EWN um den vorerst letzten nach Lubmin. Mitte Dezember waren vom französischen Cadarache vier Castoren mit rund 2500 hochradioaktiven Brennelementen aus dem Kernforschungszentrum Karlsruhe und vom Atomschiff "Otto Hahn" ins 1997 in Betrieb genommene und von EWN betriebene Zwischenlager gebracht worden.

flo/dpad/dpa/AFP

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w3rx11 17.02.2011
1. Sinn für Ironie
... haben die Demonstranten ja schon: "Sicher ist nur das Risiko". Dafür sorgen sie ja schließlich selbst in ausreichendem Maße.
wilde Socke 17.02.2011
2. Volkssport.
Diese Blockaden scheinen zu einer Art Volkssport zu werden, zu dem man mit Kind und Kegel pilgert. Sehr schön! Lasst uns weiter Sand ins Getriebe der Atommafia werfen. Polizei: Schon mal Urlaubssperre ausrufen für den Herbst (Gorleben) oder vernünftigerweise den Auftrag ablehnen, sofern selbständiges Denken im Wachsen begriffen ist. Ich erinnere an das sportliche Ziel für Gorleben: den Castor mehr als 100 Stunden aufhalten.
df7si 17.02.2011
3. Castor Behälter ist ...
etwas für jemand mit einem Sprachfehler: CASTOR = "cask for storage and transport of radioactive material", also dann haben wir hier einen Behälter für einen Behälter für den Transport von radiaktivem Material. Warum brauchen wir denn einen doppelten Behälter?
Robert Rostock, 17.02.2011
4. Wozu?
Zitat von wilde SockeDiese Blockaden scheinen zu einer Art Volkssport zu werden, zu dem man mit Kind und Kegel pilgert. Sehr schön! Lasst uns weiter Sand ins Getriebe der Atommafia werfen. Polizei: Schon mal Urlaubssperre ausrufen für den Herbst (Gorleben) oder vernünftigerweise den Auftrag ablehnen, sofern selbständiges Denken im Wachsen begriffen ist. Ich erinnere an das sportliche Ziel für Gorleben: den Castor mehr als 100 Stunden aufhalten.
Ich wiederhole meine Frage: Wieviele Tonnen Atommüll werden dadurch verhindert? Zusatzfrage: Wenn (hoffentlich bald) die AKWs alle abgeschaltet sind, wird es weiterhin (oder erst recht) viele Castor-Transporte geben müssen. Werden Sie diese dann auch blockieren?
atomkraftwerk, 17.02.2011
5. .
Die Castoren werden es immer ins Ziel schaffen, die Vernunft wird am Ende immer obsiegen, das ist allein schon evolutonär begründbar. Diesen Gammlern und Störenfrieden sofort das H4 kürzen. Wer zuviel Langeweile und überschüssige Kräfte hat um stets und ständig den öffentlichen Verkehr zu stören oder Schienenwege zu beschädigen kann auch eingesetzt werden um Straßengräben zu säubern oder im Steinbruch Pflaster herzustellen. Und wie dumm diese Kriminellen sind äußert sich ja auch in dem Ziel mehr als 100h Verzögerung zu erreichen. Also Endlager auf der Schiene.
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