Atommüll-Transport Polizei setzt Hunderte Castor-Gegner fest

Fünf Castor-Transportbehälter sind auf dem Weg von Karlsruhe nach Lubmin - schon vor dem Start kam es zu Protesten: Die Polizei nahm rund 300 Atomkraftgegner in Gewahrsam.

dpa

Karlsruhe - Bevor der Zug mit dem hochradioaktiven Atommüll gegen 3.40 Uhr in Karlruhe seine Fahrt aufnehmen konnte, musste die Polizei einschreiten: Gegner des Castor-Transports hatten im Stadtteil Neureut die Gleise blockiert. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurden etwa 300 Atomkraftgegner vorläufig in Gewahrsam genommen.

Vor und beim Abtransport kam es zu kleineren Rangeleien zwischen Aktivisten und Beamten, wobei nach Angaben der Demonstranten auch Tränengas eingesetzt wurde. Ein Polizist erlitt durch einen Schlag eine Gehirnerschütterung. Auf Seiten der Demonstranten gab es nach Polizeiangaben keine Verletzten. Mehrere hundert Demonstranten hatten die Transportstrecke am späten Dienstagabend im Rahmen einer sogenannten Nachttanzblockade besetzt, an der nach Polizeiangaben etwa 400 Menschen teilgenommen hatten. Die Veranstalter sprachen von rund 700 Menschen auf den Schienen. Die Blockade sei ein Erfolg gewesen, die Abfahrt des Castor-Transport habe sich um mehrere Stunden verzögert, erklärten sie.

Bereits am frühen Dienstagmorgen waren rund 30 Greenpeace-Aktivisten zu den Ausfahrtstoren der ehemaligen Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) vorgedrungen und hatten sich an Tore und Gleise gekettet. Die Blockade konnte ebenfalls erst nach Stunden aufgelöst werden. Atomkraftgegner haben entlang der Transportstrecke zu weiteren Protestaktionen aufgerufen.

Der Castor-Transport soll den hochradioaktiven Müll von Karlsruhe ins Zwischenlager Nord in Mecklenburg-Vorpommern bringen. Der Zug wird für Donnerstag im Zwischenlager nahe Lubmin erwartet, das von der bundeseigenen Energiewerke Nord GmbH (EWN) betrieben wird.

Kurz nach dem Start legte der Transport einen Stopp ein. Die Waggons wurden auf dem Güterbahnhof rangiert. Später setzte der Zug seine Fahrt fort und erreichte gegen 6.30 Uhr nach Polizeiangaben den Enzkreis in Baden-Württemberg.

Von Karlsruhe aus sind grundsätzlich zwei Routen denkbar: Über Mannheim, Darmstadt, Aschaffenburg, Fulda nach Thüringen bis Mecklenburg-Vorpommern. Alternativ ist die Strecke über Bietigheim-Bissingen, Heilbronn, Würzburg nach Thüringen und dann in den Norden möglich.

In den fünf Castoren sind 56 Tonnen radioaktiver Abfall aus der vor zwei Jahrzehnten stillgelegten WAK. Der früher als "Atomsuppe" bezeichnete stark strahlende Müll wurde verglast, um ihn transportfähig zu machen.

Die Castor-Gegner stören sich vor allem daran, dass der Atommüll aus Baden-Württemberg nicht dort gelagert werden soll, wo er anfällt. Die Aktivisten zeigten sich zufrieden, dass sie die Gleise über Stunden besetzen konnten. "Richtig zufrieden sind wir aber erst, wenn alle Atomkraftwerke abgeschaltet sind."

hen/dpa/AFP/dapd



insgesamt 113 Beiträge
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pommer79 16.02.2011
1. Wie bitte?
"...Vor und beim Abtransport kam es zu kleineren Rangeleien zwischen Aktivisten und Beamten, wobei nach Angaben der Demonstranten auch Tränengas eingesetzt wurde. Ein Polizist erlitt durch einen Schlag eine Gehirnerschütterung..." Da der Polizist eine Gehirnerschütterung davon getragen hat, wird es ja wohl ein Schlag gegen den Kopf gewesen sein. Dieser ist auch mit einer enstprechenden Energie ausgeführt worden, dass es zu einer solchen Verletzung kommen konnte. In diesem Zusammenhang von "kleineren Rangeleien" zu sprechen finde ich fast schon obszön. Der Beamte ist dort aus dienstlicher Notwendigkeit im Einsatz gewesen und ist, da er in diesem Moment das Gewaltmonopol des Staates durchsetzen muss, angegriffen und verletzt worden. Es war kein Unfall in der Freizeit. Ich finde es sehr verstörend, dass bei Demonstranten jeder blaue Fleck oder der Einsatz von Pfefferspray (keine Folgeschäden) als Erschütterung unserer demokratischen Grundfesten interpretiert wird, aber wenn ein Polizist verletzt wird, ist das alles halb so wild... Auch wenn Polizisten, vor allem bei solchen Einsätzen, das Gewaltmonopol des Staates repräsentieren, handelt es sich doch um atmende, fühlende Menschen und keine Sachen bei denen es egal ist, ob sie etwas eingedellt werden... Das ist kein Umgang zwischen zivilisierten Menschen! mfg Pommer
der andere 16.02.2011
2. Na
Zitat von sysopFünf Castor-Transportbehälter sind auf dem Weg von Karlsruhe nach Lubmin - schon vor dem Start kam es zu Protesten: Die Polizei nahm rund 300 Atomkraftgegner in Gewahrsam. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,745820,00.html
Watt ne Leistung, die Abfahrt um mehrere Stunden verzögert als Erfolg zu bezeichnen... tja, mehrere zigtausende Euronen für den Polizeieinsatz verbraten zu haben, ist wirklich ein Erfolg! Und dann beschweren sich die gleichen Leute oder Leute gleicher Coleur darüber, dass die Kommunen die Kindergärten nicht bezahlen können!
wilde Socke 16.02.2011
3. Freude
Ich freue mich über das Engagement der Menschen! Im Herbst läuft dann wieder der original Gorleben-Castor, diesmal mit dem dem Ziel, ihn über 100 Stunden zu verzögern.
Bernd_1961 16.02.2011
4. Tja,
wie ich in einem anderen Thread schon mal geschreiben habe: Die Personilien der Festgesetzten aufnehmen und dann die Kosten der Polizeieinsätze durch die Anzahl der Personen geteilt und jedem ne Rechnung zukommen lassen, zahlbar innerhalb 14 Tage. Bei Nichtzahlung 1-2 Jahre Knast (ohne Bewährung natürlich). In der Knastzeit können die ja dann nen Job lernen. Da tun sie auch was sinnvolles. Ich als arbeitender, steuerzahlender Bürger sehe nicht ein, die Polizeieinsätze, verursacht durch linksradikale, arbeitsscheue Öko-Faschisten zu finanzieren.
pommer79 16.02.2011
5.
Zitat von Bernd_1961wie ich in einem anderen Thread schon mal geschreiben habe: Die Personilien der Festgesetzten aufnehmen und dann die Kosten der Polizeieinsätze durch die Anzahl der Personen geteilt und jedem ne Rechnung zukommen lassen, zahlbar innerhalb 14 Tage. Bei Nichtzahlung 1-2 Jahre Knast (ohne Bewährung natürlich). In der Knastzeit können die ja dann nen Job lernen. Da tun sie auch was sinnvolles. Ich als arbeitender, steuerzahlender Bürger sehe nicht ein, die Polizeieinsätze, verursacht durch linksradikale, arbeitsscheue Öko-Faschisten zu finanzieren.
Polemik bringt keine Unterhaltung weiter...
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