Atommüll Widerstand bis zuletzt gegen den Castor

In der Nacht brach die letzte Phase an: Der Castor-Transport rollte Richtung Dannenberg, von wo die Behälter mit Atommüll die Strecke Richtung Gorleben auf Tiefladern zurücklegen sollten. Auf diesem Abschnitt hatte es in der Vergangenheit immer heftige Proteste gegeben.


Hamburg - Der mit hoch radioaktivem Atommüll beladene Sonderzug aus Frankreich ist am Sonntagabend nach einem Aufenthalt im niedersächsischen Lüneburg zur Verladestation nach Dannenberg gefahren. Dies berichteten Anti-Atom-Initiativen in Gorleben. Auf dieser Strecke hatten Demonstranten bereits tagsüber und auch am Abend im Schutz der Dunkelheit immer wieder die Gleise blockiert. Angaben zur voraussichtlichen Ankunft im Verladebahnhof Dannenberg wollte die Polizei aus taktischen Gründen nicht machen.

Dort sollen die Behälter dann auf Tieflader umgehoben werden und die letzten 20 Kilometer bis nach Gorleben im äußersten Nordosten von Niedersachsen auf der Straße zurücklegen. Traditionell kam es auf diesem Abschnitt bei vorausgegangenen Castor-Transporten zu den stärksten Protesten.

Eine der beiden möglichen Straßenstrecken für den Transport nach Gorleben hatten Landwirte aus dem Kreis Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen bereits am Sonntagabend mit ihren Traktoren blockiert. In der Ortschaft Quickborn versperrten die Bauern mit rund 40 Schleppern die Straße. Quickborn liegt auf halber Strecke zwischen dem niedersächsischen Zwischenlager Gorleben und Dannenberg.

In den Wäldern entlang des letzten Stücks der Bahnstrecke zwischen Lüneburg und Dannenberg kam es wiederholt zu Schienenblockaden mit mehreren hundert Teilnehmern, auf den Gleisen wurden Strohballen angezündet. Immer wieder kam es zu Zusammenstößen, bei denen die Polizisten Schlagstöcke und Tränengas einsetzten. Dabei wurden mehrere Menschen verletzt.

Demonstranten kletterten auf den Castor-Transport

Am Abend gelang es drei Aktivisten, auf einen der Transportbehälter zu klettern. Der Zug habe bei Leitstade halten müssen, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage der Agentur ddp. Diese Gelegenheit hätten drei Atomkraftgegner genutzt und seien auf den ersten Castorbehälter des Zuges gestiegen. Einsatzkräfte der Polizei hätten sie nach kurzer Zeit wieder heruntergeholt.

Auch am Sonntag hatten Demonstranten mittels Blockaden den Transport zeitweise aufgehalten. Zwei Personen hatten sich nach Polizeiangaben gegen 17 Uhr Uhr an den Gleisen bei Eichdorf in Niedersachsen festgemacht. Erst nach rund zweieinhalb Stunden konnten die Einsatzkräfte die Bahntrasse räumen. Bei Protestaktionen gegen den Transport wurden unterdessen nach Polizeiangaben mehrere Beamte durch Steinwürfe verletzt. Genaue Zahlen lagen zunächst nicht vor.

16.000 Polizisten schützen den Transport

Bereits am Sonntagmittag war es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Der Strom der Demonstranten an der Einfahrt zum Zwischenlager Gorleben schwoll nach Angaben der Castor-Gegner am Sonntag auf zeitweilig tausend Menschen an. Dort sehe man im Moment keinen Grund, gegen die Blockade vorzugehen, sagte ein Polizeisprecher.

Bundesweit schützen gut 16.000 Polizisten den Transport, 10.000 davon allein in Niedersachsen. Bei dem stark strahlenden Atommüll in elf Behältern handelt es sich um nicht wiederverwertbare Überreste alter Brennelemente aus deutschen Atomkraftwerken.

fsc/ddp/AP/dpa/Reuters



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