Atommülllager Asse-Räumung hat im Umweltministerium oberste Priorität

Abgeordnete aller Fraktionen sind sich einig: Der radioaktive Müll soll aus dem maroden Endlager Asse geborgen werden. Auch für Umweltminister Röttgen steht die Rückholung an erster Stelle, heißt es. Allerdings wird noch diskutiert, wie die 126.000 Fässer rausgeholt werden sollen.

Schachtanlage Asse: Zusammenbruch des Bergwerks ist offenbar auszuschließen
dapd

Schachtanlage Asse: Zusammenbruch des Bergwerks ist offenbar auszuschließen


Berlin - Die Bundesregierung und die niedersächsische Landesregierung wollen die radioaktiven Abfälle so schnell wie möglich aus dem maroden Atommülllager Asse bergen. "Wir wollen, dass die Abfälle aus der Asse herauskommen", versicherte Niedersachsens neuer Umweltminister Stefan Birkner (FDP) am Freitag im Bundestag. "Wir werden alles daran setzen, schnellstmöglich Klarheit darüber zu erlangen, ob und inwieweit es auch tatsächlich möglich ist."

Ursula Heinen-Esser (CDU) aus dem Bundesumweltministerium ergänzte: "Für uns hat die Rückholung der radioaktiven Abfälle aus der Asse absolut oberste Priorität." Einhellig haben sich auch Abgeordnete aller Fraktionen im Bundestag zu einer Bergung des radioaktiven Mülls bekannt. Uneinig zeigten sich die Parlamentarier allerdings hinsichtlich der Frage, wie die rund 126.000 Fässer mit radioaktiven Abfällen am schnellsten geborgen werden können.

In der nächsten Sitzungswoche sollten die Gesetzesvorschläge besprochen werden. Heinen-Esser stellte ein Sondergesetz zur Rückholung der Fässer, eine "Lex Asse", in Aussicht. Birkner hatte dies zuvor ebenso gefordert wie Vertreter der Opposition. Der frühere Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) begrüßte Birkners Bekenntnis zur Asse-Räumung. Dies bedeute eine "180-Grad-Wendung" der niedersächsischen Landesregierung. Unter Birkners Amtsvorgänger Hans-Heinrich Sander (FDP) sei das Land noch der "große Bremser" gewesen, sagte der SPD-Vorsitzende.

Kurz vor Weihnachten war ein interner Vermerk aus der Behörde an die Öffentlichkeit gelangt. Darin hatte sich ein Abteilungsleiter skeptisch geäußert, ob die Bergung bei dem bisherigen langsamen Fortgang des Verfahrens noch zu realisieren sei. Sander hatte aus den Angaben im Memorandum geschlossen, dass es kaum noch Chancen für eine Rückholung des Müllsaus dem Bergwerk gebe.

Im Atommülllager Asse nahe Wolfenbüttel lagern seit 1978 rund 126.000 Fässer mit schwach und mittel radioaktivem Atommüll. Weil das Bergwerk einzustürzen und vollzulaufen droht, sollen nun die Fässer geborgen werden. Seit Ende der achtziger Jahre fließen täglich rund 12.000 Liter Wasser in das Bergwerk. Die Nachbarschächte Asse I und Asse III waren schon früher abgesoffen.

lgr/dpa/dapd

insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ANDIEFUZZICH 11.02.2012
1. Lex Asse
Zitat von sysopdapdAbgeordnete aller Fraktionen sind sich einig: Der radioaktive Müll soll aus dem maroden Endlager Asse geborgen werden. Auch für Umweltminister Röttgen steht die Rückholung an erster Stelle, heißt es. Allerdings wird noch diskutiert, wie die 126.000 Fässer rausgeholt werden sollen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,814558,00.html
Klasse, die haben gerade einen neuen Wahlkampfschlager kreirt, hoffentlich vergessen sie darüber nicht die Fässer und wohin sie die dann bringen wollen. Dann man Butter bei die Fische oder so, aufi geht's.
wkdw 11.02.2012
2. Absichtserklärungen
Zitat von sysopdapdAbgeordnete aller Fraktionen sind sich einig: Der radioaktive Müll soll aus dem maroden Endlager Asse geborgen werden. Auch für Umweltminister Röttgen steht die Rückholung an erster Stelle, heißt es. Allerdings wird noch diskutiert, wie die 126.000 Fässer rausgeholt werden sollen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,814558,00.html
Soll, muss aber nicht? Oder besser: Es ist nicht möglich, den strahlenden Müll aus der Asse zu holen. Das wäre eine ehrliche Aussage, aber die hört man von unseren gewählten Politclowns ja nicht. Was für ein Aktionismus. Es wird also diskutiert, wie die Fässer herausgeholt werden. Warum fragt sich eigentlich keiner, WER die Dinger bergen soll. Menschen, die wissen, dass ihre Lebenszeit stark begrenzt ist? Oder werden Leute "zwangsverpflichtet"? Ein-Euro-Jobs von der der ARGE? Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, das sich geistig halbwegs vernünftige Menschen auf so ein Himmelsfahrtskommando einlassen.
wkdw 11.02.2012
3. Umlagern
Zitat von ANDIEFUZZICHKlasse, die haben gerade einen neuen Wahlkampfschlager kreirt, hoffentlich vergessen sie darüber nicht die Fässer und wohin sie die dann bringen wollen. Dann man Butter bei die Fische oder so, aufi geht's.
Soll der Müll nicht einige Kilometer weiter in den ebenso supersicheren Schacht Konrad gebracht werden? Aber es soll ja ein "Endlagersuchgesetz" erlassen werden. Wenn es nicht so traurig wäre....
Sammi 11.02.2012
4. Sicherheit
Zitat von wkdwSoll, muss aber nicht? Oder besser: Es ist nicht möglich, den strahlenden Müll aus der Asse zu holen. Das wäre eine ehrliche Aussage, aber die hört man von unseren gewählten Politclowns ja nicht. Was für ein Aktionismus. Es wird also diskutiert, wie die Fässer herausgeholt werden. Warum fragt sich eigentlich keiner, WER die Dinger bergen soll. Menschen, die wissen, dass ihre Lebenszeit stark begrenzt ist? Oder werden Leute "zwangsverpflichtet"? Ein-Euro-Jobs von der der ARGE? Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, das sich geistig halbwegs vernünftige Menschen auf so ein Himmelsfahrtskommando einlassen.
Man darf wohl davon ausgehen dass hier hohe Sicherheitsstandards gelten. Es wird viel mit Maschinen/Robotern gearbeitet werden. Das kostet zwar mehr als Menschen, sollte dem Steuerzahler aber wert sein ;)
hubertl 11.02.2012
5. Echten Sachstand...
...erfährt man ja leider nicht. Also dass diskutiert wird und nachgedacht und Absichtererklärungen veröffentlicht, das sehe ich wie andere Foristen auch eher skeptisch und zum Fenster rausgeredet, wenn dann festgestellt wird nach einem weiteren Jahr des Nachdenkens, dass die Kammern eingestürzt und unter Wasser stehen, welches Kontakt und Diffusionsaustausch mit dem Grundwasser "draußen" hat, dann ist die irreparable Katastrophe da! *Mich würde jetzt interessieren*, ob Spezialroboter produzierende Firmen schon Aufträge haben, welche Tests zurzeit laufen und wie weit die gediehen sind, übrigens kann ich mir gut vorstellen, dass solche Technologie ein weltweiter Exportschlager für deutsche Spitzentechnik werden kann. *Liebe Redaktion! Gibt's vom Spiegel dazu mal einen guten Rechercheartikel?*
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.