Atommülllager Bundesumweltministerium will Asse schneller räumen

Zuletzt gab es immer mehr Zweifel an der Räumung des Bergwerks Asse. Jetzt will das Bundesumweltministerium die Rückholung der Abfälle beschleunigen. Ein spontaner Zusammenbruch der Schachtanlage ist offenbar auszuschließen.

Schachtanlage Asse: Zusammenbruch des Bergwerks ist offenbar auszuschließen
dapd

Schachtanlage Asse: Zusammenbruch des Bergwerks ist offenbar auszuschließen


Braunschweig - Es geht um Zehntausende Fässer mit radioaktiven Substanzen: Der Atommüll, der im Bergwerk Asse bei Wolfenbüttel in Niedersachsen lagert, soll offenbar aus der Schachtanlage geborgen werden. Am Donnerstag bekannte sich das Bundesumweltministerium klar zur Rückholung der radioaktiven Abfälle.

"Für Minister Norbert Röttgen hat die Rückholung absolute Priorität", sagte Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser (CDU) am Donnerstag in Braunschweig im Anschluss an eine Klausurtagung zur Asse. Damit unterstützt das Bundesumweltministerium das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bei seinen Plänen zur Sanierung des maroden Atommüllagers.

Heinen-Esser bekräftigte, es sollten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, die Räumung zu beschleunigen. Das Bundesumweltministerium werde die vorliegenden Diskussionsbeiträge zeitnah bewerten und gegebenenfalls eigene Vorschläge dafür machen. Abstriche bei den Schutzzielen sowie der Sicherheit von Beschäftigten und Anwohnern werde es dabei nicht geben, sagte die CDU-Politikerin weiter.

Bei der Konferenz hatten rund 80 Experten aus Ministerien und Behörden zwei Tage lang unter anderem über Möglichkeiten diskutiert, das stockende Verfahren bei der Rückholung zu beschleunigen. Ob dafür der Gefahrenabwehrparagraf des Atomgesetzes zur Anwendung kommt, wie es etwa die SPD fordert, oder ein vom neuen niedersächsischen Umweltminister Stefan Birkner (FDP) befürwortetes Sondergesetz ("Lex Asse"), sei in dem betreffenden Arbeitskreis allerdings offen geblieben, sagte BfS-Präsident Wolfram König.

Kein spontaner Zusammenbruch der Asse

In einem weiteren Arbeitskreis beschäftigten sich Fachleute mit der Geomechanik und Hydrogeologie des Bergwerks, das davon bedroht ist, einzustürzen und mit Wasser vollzulaufen. "Eine zentrale Aussage war, dass ein spontaner Zusammenbruch der Asse auszuschließen ist", berichtete König. Wegen möglicher weiterer "Lösungszutritte" sollten die Untersuchungen des Deckgebirges jedoch forciert werden.

Seit Ende der achtziger Jahre fließen täglich rund 12.000 Liter Wasser in das Bergwerk. Die Nachbarschächte Asse I und Asse III waren schon früher abgesoffen. König kündigte an, dass vor Beginn der Rückholung ein weiterer Schacht (Asse V) in das Bergwerk getrieben werden soll.

Das BfS hatte sich vor zwei Jahren nach einem Vergleich verschiedener Schließungsvarianten für die Rückholung der rund 126.000 eingelagerten Fässer mit schwach und mittelradioaktivem Atommüll entschieden. Nur so sei langfristig die Sicherheit der Bevölkerung und der Umwelt zu gewährleisten. Mit Probebohrungen in zwei Einlagerungskammern will sich das Bundesamt zunächst einen Überblick über den Zustand der Fässer verschaffen. Das Umweltministerium in Hannover hatte die Bohrungen im April genehmigt, den Bescheid aber mit mehr als 30 Auflagen versehen, die das BfS bislang nicht vollends erfüllen konnte.

Kurz vor Weihnachten war ein interner Vermerk aus der Behörde an die Öffentlichkeit gelangt. Darin hatte sich ein Abteilungsleiter skeptisch geäußert, ob die Bergung bei dem bisherigen langsamen Fortgang des Verfahrens noch zu realisieren sei. Niedersachsens derzeitiger Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) hatte aus den Angaben im Memorandum geschlossen, dass es kaum noch Chancen für eine Rückholung des Mülls aus dem Bergwerk gebe.

bos/dapd

insgesamt 3 Beiträge
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felisconcolor 19.01.2012
1. das niedersächsische Umweltministerium
---Zitat--- Das Umweltministerium in Hannover hatte die Bohrungen im April genehmigt, den Bescheid aber mit mehr als 30 Auflagen versehen, die das BfS bislang nicht vollends erfüllen konnte. ---Zitatende--- Jahrzehnte lang hat man schön weg geschaut. Jetzt gibt man sich gönnerhaft und erlaubt die Rückholung. Und über die Auflagen wirft man dem Amt so viele Knüppel zwischen die Beine, das nachher keine andere Option übrig bleibt als den Müll dort unten einzuschliessen. Und alle Welt zeigt dann auf das "ach so unfähige BfS" Ich nenne sowas hinterfotzig Und damit stehe ich mit meiner Meinung nicht allein
HolyGhost 20.01.2012
2. Wer´s glaubt...
Zitat von sysopZuletzt gab es immer mehr Zweifel an der Räumung des Bergwerks*Asse. Jetzt*will das Bundesumweltministerium die Rückholung der Abfälle beschleunigen. Ein spontaner Zusammenbruch des Schachts ist offenbar auszuschließen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,810246,00.html
...wird selig. Wenn man sich die Bilder vor Augen hält, wie die Fässer zu guter Letzt nur noch in den Schacht "verkippt" wurden, den müssen zwangsläufig arge Zweifel an der Durchführbarkeit einer Rückholung überkommen. Es ist davon auszugehen, dass etliche dieser Fässer beschädigt wurden und inzwischen stark korrodiert sind. Vermutlich ist der "Point of no Return" diesbezüglich längst überschritten.
herr_kowalski 20.01.2012
3. Ankündigungsministerium Nr. 2
Zitat von HolyGhost...wird selig. Wenn man sich die Bilder vor Augen hält, wie die Fässer zu guter Letzt nur noch in den Schacht "verkippt" wurden, den müssen zwangsläufig arge Zweifel an der Durchführbarkeit einer Rückholung überkommen. Es ist davon auszugehen, dass etliche dieser Fässer beschädigt wurden und inzwischen stark korrodiert sind. Vermutlich ist der "Point of no Return" diesbezüglich längst überschritten.
Wie will man den Inhalt geborstener oder korrodierter Fässer "umlagern" ?
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