Atommülltransport Französische Aktivisten blockieren Castor-Gleise

Wenige Stunden vor Start des Castor-Transports ist es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten gekommen: Berichten zufolge wurden mehrere Aktivisten festgenommen, Hunderte Atomkraftgegner mit Tränengas zurückgedrängt. Am Nachmittag sollen sich die Waggons in Bewegung setzen.


Paris - Kurz vor dem Start des Castor-Zuges vom französischen La Hague nach Gorleben haben Aktivisten die Gleise an der Verladestation Valognes blockiert. "Mehrere Dutzend Atomkraftgegner befinden sich seit dem frühen Morgen direkt auf den Gleisen", berichtet Philippe Guitier von der Zuggewerkschaft SUD Rail der Nachrichtenagentur dapd.

Die Generalversammlung des Aktionscamps mit rund 500 Teilnehmern hätte zuvor beschlossen, die Zugfahrt "friedlich zu behindern". Doch dann spitzte sich die Lage mehreren Berichten zufolge zu: Nach Angaben der französischen Anti-Atom-Organisation "Sortir du nucléaire" sei die Polizei mit brutaler Gewalt gegen die Demonstranten vorgegangen. Sieben Menschen seien festgenommen worden.

Bereitschaftspolizisten hielten nach diesen Angaben mehrere hundert Atomkraftgegner mit Tränengas von den Bahngleisen fern. Augenzeugen berichteten von einem wahren Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die Gegner Lücken in den Reihen der zahlreich aufmarschierten Sicherheitskräfte suchten. Die Behörden hatten auf beiden Seiten der Bahngleise eine Art Sperrzone eingerichtet.

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Castor-Proteste in Frankreich: Aufstand im Morgengrauen
Atomkraftgegner hatten sich in den vergangenen Tagen nahe der nordfranzösischen Kleinstadt getroffen, um den Transport zu blockieren. An der Verladestation verhandelten Greenpeace-Aktivisten mit der Polizei über die Möglichkeit, Thermografie-Aufnahmen des Zuges zu machen.

1200 Kilometer Atommülltransport

Gerüchte über einen vorgezogenen Start des Transports konnten sie nicht bestätigen: "Aus unserer Sicht gibt es keine Bestätigung dafür - und wir denken, dass wir recht gute Quellen haben", sagte Greenpeace-Mitarbeiter Andree Böhling der Nachrichtenagentur dpa.

Der Castor-Transport soll sich nach Informationen der Atomkraftgegner an diesem Nachmittag um 14.36 Uhr in Bewegung setzen. Er wird nach 1200 Kilometern Wegstrecke am Wochenende im Wendland erwartet. Entlang der Strecke planen Anti- Atomkraft-Initiativen zahlreiche Proteste.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) rief die Demonstranten gegen den Castor-Transport zu einem friedlichen und besonnenen Verhalten auf. "Es gibt ein Recht auf Demonstrationsfreiheit, es gibt aber kein Recht auf Gewalt", sagte er am Mittwoch in Berlin. "Gewalttätigkeiten sind kein Mittel der politischen Auseinandersetzung".

Im Vorjahr war es den Atomkraftgegnern immer wieder gelungen, den Zug zu stoppen oder Nachschubwege für die Einsatzkräfte zu blockieren. Mit den Castoren wird deutscher Atommüll aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague nach Gorleben gebracht.

amz/dpa/dapd



insgesamt 25 Beiträge
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Der Meyer Klaus 23.11.2011
1. Auf Thema antworten
Warum eigentlich die Polizeieskorte? Wenn die Strecke blockiert wird können sie den Transporter doch einfach stehen lassen bis die wieder weggehen. Und wenn sie nicht gehen hat man ein neues Endlager. Problem gelöst.
ostap 23.11.2011
2. Grund zu Optimismus
Zitat von sysopWenige Stunden vor Start des Castor-Transports ist es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten gekommen:*Berichten zufolge wurden mehrere Aktivisten*festgenommen,*hunderte Atomkraftgegner mit Tränengas zurückgedrängt. Am Nachmittag sollen sich die Waggons in Bewegung setzen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,799423,00.html
Nach Belgien wird nun auch Frankreich grün! Welch eine optimistische Zukunftsvision.
chico 76 23.11.2011
3. Mit
Zitat von sysopWenige Stunden vor Start des Castor-Transports ist es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten gekommen:*Berichten zufolge wurden mehrere Aktivisten*festgenommen,*hunderte Atomkraftgegner mit Tränengas zurückgedrängt. Am Nachmittag sollen sich die Waggons in Bewegung setzen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,799423,00.html
Tränengas gegen illegale Gleisblockierer, das sollten sich unsere Verantwortlichen mal als Beispiel nehmen. Anstatt von Polizisten zu verlangen, diese Dummköpfe zu hunderten wegzutragen. Es ist unser Müll, wer seinen Transport durch Anketten, Schottern etc. behindert, handelt gegen geltendes Recht. Der Meinung war Trittin zumindest damals, als Minister. Auszug aus anti-atom-aktuell "Nationalistische" Anti-AKW-Bewegung? Bundesumweltminister Jürgen Trittin hatte im Februar während eines Besuchs bei der BI Lüchow-Dannenberg die Anti-AKW-Bewegung kritisiert. Wer sich bei den möglicherweise noch in diesem Jahr anstehenden Rücktransporten von Atommüll aus der Wiederaufarbeitung aus Frankreich ins Gorlebener Zwischenlager quer stelle, verhalte sich nationalistisch. Deutschland sei für den Atommüll in Frankreich verantwortlich: "Diesen Müll müssen wir zurücknehmen", so Trittin." Geht auch anders, wendehals ääh- wendlandmässig. http://www.tagesspiegel.de/meinung/soll-der-castor-transport-blockiert-werden-aber-nein/1974374.html Kurzlebig, unsere Zeit.
ZiehblankButzemann 23.11.2011
4. Sehr Gut ! Vive La France!
Sehr gut Ihr lieben französischen Freunde. Ihr habt ja auch fast 60 Atomkraftwerke in Eurem im Verhältnis dazu relativ kleinem Land. Darum ist es immer gut wenn Menschen auf potentielle Gefahren aufmerksam machen und zur Not auch mit Einsatz ihrer eigenen Gesundheit versuchen für viele Millionen Menschen schlimmeres zu verhindern. Wir Deutschen danken es Euch!
zulthak 23.11.2011
5. .
Ich frage mich ob auch in Deutschland der Castor wieder Probleme bekommt. Eigentlich dürfte dies nicht der Fall sein, der Atomausstieg ist gesetzt. Da wird man mal sehen das es eigentlich nur um Krawall geht und um nichts anderes...
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