Atommülltransporte Castor-Parade ohne ungebetene Besucher

Die Castoren rollten, die Umweltaktivisten blieben zu Hause. Mehrere Züge mit großen Mengen an Atommüll fuhren ohne größere Zwischenfälle durch die vergangene Nacht.


 Drei Castoren aus Niederbayern bei der Ankunft in Regensburg: Laut Greenpeace der größte weiß-blaue Atommülltransport seit mehr als zwei Jahrzehnten
DPA

Drei Castoren aus Niederbayern bei der Ankunft in Regensburg: Laut Greenpeace der größte weiß-blaue Atommülltransport seit mehr als zwei Jahrzehnten



Stade / Essenbach / Neckarwestheim - Die Transporte umfassen mindestens 13 Castor-Behälter. Ziel der abgebrannten Brennelemente sind die Wiederaufarbeitungsanlagen im französischen La Hague und im britischen Sellafield. Castor-Behälter aus niedersächsischen Kernkraftwerken sollen in Rheinland-Pfalz mit Atommülltransporten aus Bayern und Baden-Württemberg zusammengekoppelt werden.

Kurz vor Mitternacht hatten zwei Züge mit Atommüll nach Angaben des Bundesgrenzschutzes Niedersachsen in Richtung Nordrhein-Westfalen verlassen. "Die Transporte laufen planmäßig", sagte ein Kölner BGS-Sprecher am frühen Mittwochmorgen. Aus dem niederbayerischen Isar-Kraftwerken in Essenbach-Ohu startete mit drei Behältern der laut Greenpeace größte Transport Bayerns seit mehr als 20 Jahren. Doch selbst dieser Vorfall zog wenige Umweltaktivisten des Nachts auf die Bahnhöfe.

Lichtsignal sorgte für kurzen Stillstand

Lediglich auf der Strecke Rheine-Münster kam es zu einem größeren Zwischenfall: Gegen 1.20 Uhr brachten sechs Castor-Gegner den Transport durch ein irreführendes Lichtsignal auf der Strecke Rheine-Münster für knapp 25 Minuten zum Stehen. Die vier Männer und zwei Frauen wurden nach BGS-Angaben vorläufig festgenommen.

Französische Atomkraftgegner wollen einem Bericht der "tageszeitung" zufolge heute gemeinsam mit deutschen Aktivisten den Bahnübergang nach Frankreich bei Metz blockieren und auf dem Metzer Bahnhof demonstrieren, wenn der Zug dort eintrifft.

Die Zeitung zitiert einen Bericht des World Information Service on Engergy (Wise). Demnach rollen pro Jahr 450 Ladungen mit Atomschrott durch Frankreich, die insgesamt 40 Tonnen Plutonium umfassen - das 4000-fache Gewicht der Atombombe "Fat Man", die 1945 Nagasaki zerstörte.

Hartwig Berger, Sprecher der Bündnisgrünen Arbeitsgruppe Energie, hat die Kritik seiner Partei am Atomstrom und seinen Auswirkungen vor diesem Hintergrund bekräftigt: "Die Wiederaufbereitungstechnik verwandelt Frankreich zur nuklearen Geisterbahn Europas."



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