Atomprogramm Bei israelischem Nuklearangriff will Teheran massiv zurückschlagen

Bluff oder echte Gefahr? Nach einem Bericht der "Sunday Times" plant Israel einen Angriff mit Mini-Atombomben auf Irans Nuklearanlagen. Zwar dementiert Jerusalem, doch Teheran hat bereits einen harten Gegenschlag angekündigt.


Teheran - Der Reaktion kam prompt und, wie zuletzt bei ähnlichen Berichten über angebliche Angriffsplanungen gegen Iran, mit harschen Worten: "Jeglicher Angriff auf Iran würde eine schlagkräftige Reaktion nach sich ziehen", sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Mohammed-Ali Hosseini heute in Teheran. Zuvor hatte die britische Zeitung "Sunday Times" über einen angeblichen Geheimplan Israels berichtet. Danach soll ein Angriff mit Atomwaffen auf eine Uran-Anreicherungsanlage im Iran ausgearbeitet worden sein. Piloten der israelischen Luftwaffe, so das Blatt weiter, würden bereits proben. Doch in Jerusalem wurde der Zeitungsbericht dementiert.

Iranisches Raketenmanöver im November 2006 südlich von Teheran: "Schlagkräftige Reaktion"
REUTERS/ FARS NEWS

Iranisches Raketenmanöver im November 2006 südlich von Teheran: "Schlagkräftige Reaktion"

Der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Mark Regev, betonte, der Bericht sei unwahr. Israel unterstütze "hundertprozentig die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft, mit Hilfe des Sicherheitsrats einen Stopp des iranischen Atomprogramms zu erreichen".

Die "Sunday Times" hatte berichtet, die israelische Luftwaffe bereite sich mit sogenannten Bunker brechenden Waffen auf einen Nuklearangriff vor, bei dem dann unterirdisch Atombomben gezündet werden könnten. Mögliches Ziel sei die Uran-Anreicherungsanlage von Natans, etwa 220 Kilometer südöstlich von Teheran.

Die Sonntagszeitung stützte sich bei ihrem Bericht auf israelische Militärkreise. Demnach könnte der Angriff mit lasergesteuerten konventionellen Raketen beginnen, die die Anlage "aufbrechen". Anschließend würden unter der Erde sogenannte Mini- Atombomben zur Explosion gebracht, wodurch die radioaktive Verseuchung begrenzt werden könnte. Die Sprengkraft der "Minibomben" wurde mit einem Fünfzehntel der Atombomben angegeben, die die USA im August 1945 auf Hiroschima und Nagasaki abwarfen.

Nach Informationen der "Sunday Times" wurde dieses Szenario bereits von zwei Staffeln der israelischen Luftwaffe auf Langstreckenflügen geübt. Das Blatt zitiert namentlich nicht genannte Militärvertreter mit den Worten: "Sobald es Grünes Licht gibt, wird das iranische Nuklearprojekt mit einer Mission und einem Schlag zerstört." Der Angriff sei jedoch nur letztes Mittel, wenn eine Attacke mit konventionellen Waffen ausgeschlossen werde und sich die USA gegen ein Eingreifen im Iran entschlössen.

Der nun in der "Sunday Times" vorgestellte Plan ähnelt einem vom US-Magazin "New Yorker" im April beschriebenen angeblichen Vorhaben der USA. Das Weiße Haus hatte den Bericht zurückgewiesen, den US-Starjournalist Seymour Hersh damals verfasst hatte. Auch damals hatte es harsche Reaktionen aus Teheran gegeben.

sev/dpa/rtr



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