Atomstreit gegen Iran Opposition fordert Distanz zu Chirac

Angela Merkel will heute in Versailles mit Jacques Chirac über die EU und die Irankrise diskutieren. Die Opposition fordert die Kanzlerin auf, sich beim französischen Staatschef deutlich von dessen Nuklearplänen zu distanzieren.


Berlin - "Frau Merkel muss endlich klar sagen, dass die französische Atomdrohung in Deutschland nicht gebilligt wird", sagte der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Fritz Kuhn, der "Berliner Zeitung". Mit nuklearer Kraftmeierei könne man im Kampf gegen den Terrorismus keinen Blumentopf ernten. Auch die Lage in Iran werde sich so nur verschärfen, kritisierte Kuhn.

Merkel und Chirac: Kanzlerin soll Klartext reden
AP

Merkel und Chirac: Kanzlerin soll Klartext reden

Ähnlich äußerte sich auch die FDP. "Die Bundeskanzlerin ist gut beraten, dafür zu sorgen, dass Frankreich im Hinblick auf die Atomgespräche mit Iran keine Sondertouren fährt", sagte der außenpolitische Sprecher der Liberalen, Werner Hoyer. Die Wiederholung der altbekannten französischen Nuklearposition vergangene Woche sei nicht hilfreich gewesen, da diese eher zu einer Verhärtung der Haltung des Iran beitrage.

Der französische Präsident hatte einen gezielten Atomschlag angedroht, falls ein Staat einen Terrorangriff auf sein Land verüben sollte. Die Äußerung war international auch als indirekte Drohung gegen Iran interpretiert worden.

Die Linkspartei.PDS forderte Merkel auf, in Paris Klartext zu reden. "Wir erwarten, dass Frau Merkel die französische Nuklearpolitik laut und hörbar zum Thema macht", sagte Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch. Die Kanzlerin müsse ihren Einfluss nutzen, um Chirac die deutsche Position in der Friedenspolitik zu verdeutlichen.

Angesichts der Irankrise sei es völlig verfehlt, mit Atomwaffen zu drohen, weil dies den Iran ermutige, noch stärker auf die nukleare Karte zu setzen. Die anti-jüdischen und anti-westlichen Ausfälle des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad nannte Bartsch zugleich "völlig inakzeptabel".



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