Atomstreit Irans Führung lobt Steinmeier

Zweifelhafte Anerkennung für Frank-Walter Steinmeier: Die Regierung in Teheran lobte, dass sich der deutsche Außenminister in der Atomkrise für eine diplomatische und gegen eine militärische Lösung aussprach. Der Kreml forderte das Mullah-Regime zur Zusammenarbeit auf.


Teheran - "Die Deutschen gehen den richtigen Weg, und das ist gut so und zeigt deren korrekte Einschätzung der heiklen Lage", sagte Irans Regierungssprecher Gholam-Hussein Elham in Teheran. Berlin sollte aber darüber hinaus auch die international anerkannten Rechte von Staaten respektieren und anerkennen, sagte der Sprecher.

Außenminister Steinmeier: Lob aus Teheran
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Außenminister Steinmeier: Lob aus Teheran

Steinmeier hatte sich gestern in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" zu dem Atomkonflikt mit Iran geäußert und dabei für eine diplomatische Lösung plädiert. Steinmeier hatte "vor einer Militarisierung des Denkens" im Atomkonflikt gewarnt. "Wir sollten sehen, dass wir die diplomatischen Lösungen, die immer noch zur Verfügung stehen, nach Kräften nutzen und ausschöpfen", schlug der Außenminister vor. Zur Diskussion über einen Militäreinsatz gegen Iran sagte er: "Wir arbeiten daran, dass diese Eskalation nicht stattfindet."

Die Iran-Krise wird heute auch auf der Tagesordnung stehen, wenn Kanzlerin Angela Merkel sich in Versailles mit Frankreichs Staatschef Jacques Chirac trifft.Der Präsident hatte einen gezielten Atomschlag angedroht, falls ein Staat einen Terrorangriff auf sein Land verüben sollte. Die Äußerung war international auch als indirekte Drohung gegen Iran interpretiert worden.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow forderte Iran unterdessen zu Kompromissbereitschaft auf. "Wir hoffen, dass unsere iranischen Freunde eine Haltung wählen werden, die den Abbau der Spannungen und die Wiederaufnahme der Verhandlungen erleichtert", sagte Lawrow nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax.

Er äußerte sich zum Auftakt eines Treffens mit dem stellvertretenden iranischen Außenminister Mehdi Safari. Lawrow betonte die gemeinsamen Interessen Russlands und Irans. Als Beispiele nannte er die regionale Stabilität im Nahen Osten, sowie die Probleme mit Drogenschmuggel und Terroristen, wie die Nachrichtenagentur Ria-Novosti berichtete. Teheran und Moskau unterstützten einen Dialog in dem Konflikt um das iranische Atomprogramm, sagte Safari.

Russland unterhält enge Beziehungen zu Iran und baut den ersten iranischen Atomreaktor. Trotzdem nähert sich Moskau im Streit um das iranische Atomprogramm immer mehr an den Westen an und bemüht sich um einen Kompromiss.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) will am 2. Februar darüber entscheiden, ob der Fall dem Uno-Sicherheitsrat vorgelegt werden soll.



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