Atomstreit Irans Uranpläne empören den Westen

Im Atomstreit setzt Iran auf Provokation statt auf Kompromisse: Präsident Ahmadinedschad hat die Produktion von hochangereichertem Uran angekündigt - der Westen ist entsetzt. Teheran schlage die "ausgestreckte Hand" weg, wettert Verteidigungsminister Guttenberg.

Irans Präsident Ahmadinedschad: Auftrag zur Anreicherung von Uran
REUTERS

Irans Präsident Ahmadinedschad: Auftrag zur Anreicherung von Uran


München/Teheran - Die jüngste Provokation Irans wurde vom Staatsfernsehen übermittelt: Präsident Mahmud Ahmadinedschad kündigte im TV die Anreicherung von Uran an: "So Gott will wird die 20-Prozent-Anreicherung beginnen", um Irans Bedarf zu decken.

Bei einem Treffen mit dem Chef der iranischen Atombehörde, Ali Akbar Salehi, sagte er am Sonntag weiter: "Herr Salehi, beginnen Sie die Produktion von 20 Prozent" angereichertem Uran.

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) reagierte erbost auf die Ankündigung des iranischen Präsidenten. Dies zeige, dass die ausgestreckte Hand des Westens von Iran "nicht nur nicht ergriffen, sondern weggeschlagen wird", sagte Guttenberg am Sonntag am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. Iran habe lang genug ein "Schauspiel" aufgeführt. Nun sei der Uno-Sicherheitsrat gefragt, darauf zu reagieren. Dabei könne es auch sein, "dass die Sanktionsschraube angezogen werden muss".

Guttenberg appellierte an Russland und China, sich notwendigen Maßnahmen im Uno-Gremium nicht zu verweigern. Iran müsse "deutlich gemacht werde, dass die Geduld nun wirklich am Ende ist", sagte der CSU-Politiker.

Der Leiter der Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, sagte zu Ahmadinedschads Ankündigung: "Ich interpretiere das als eine Drohung." Damit mache Iran einen Schritt weg von einer Lösung des Streits über das Atomprogramm des Landes auf dem Verhandlungsweg.

"Größte Bedrohung" für die internationale Sicherheit

US-Verteidigungsminister Robert Gates forderte die internationale Gemeinschaft am Sonntag zu mehr Härte auf. Die Welt müsse "gemeinsam Stellung beziehen, um Druck auf die iranische Regierung auszuüben", sagte Gates in Rom. Teheran habe "zahlreiche Gelegenheiten" gehabt, sein Atomprogramm transparent zu machen. Der Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama, General James Jones, sagte in München, die iranischen Atompläne seien die derzeit "größte Bedrohung" für die internationale Sicherheit.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow betonte das Recht Irans auf ein friedliches Atomprogramm. Allerdings müsse Iran "einige Fragen" der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) "klar beantworten", sagte Lawrow. Es sei "absolut inakzeptabel", dass ein weiteres Land in den Besitz von Atomwaffen komme.

Irans Außenminister Manutschehr Mottaki hatte am Samstag auf der Sicherheitskonferenz in München Bedingungen gestellt, aber auf konkrete Vorschläge für ein Treffen zu Verhandlungen verzichtet - und damit Vertreter des Westens enttäuscht.

Die Sorge des Westens vor iranischen Atomwaffen

Die IAEA hatte Iran im Oktober vorgeschlagen, Uran mit niedrigem Anreicherungsgrad nach Frankreich und Russland zu exportieren. Dort sollte das Material stärker angereichert und dann nach Iran zurückgeliefert werden. Anders als der Westen will Iran dagegen einen zeitgleichen Austausch seines niedrig angereicherten Urans gegen höher angereichertes Material auf iranischem Boden vollziehen.

Das auf 20 Prozent angereicherte Uran will Iran für seinen Forschungsreaktor in Teheran nutzen, der unter anderem für medizinische Zwecke genutzt wird. Um Uran waffenfähig zu machen, ist ein Anreicherungsgrad von rund 90 Prozent nötig. Der Westen verdächtigt Iran, heimlich an Atomwaffen zu bauen. Teheran betont dagegen den rein zivilen Charakter seines Atomprogramms.

Mottakis kurzfristige Teilnahme an der Münchner Sicherheitskonferenz hatte Hoffnungen auf ein mögliches Einlenken Teherans geweckt, nachdem Ahmadinedschad wenige Tage zuvor bereits gesagt hatte, sein Land habe "kein Problem" mit Anreicherung von iranischem Uran im Ausland.

hen/dpa/ddp/AFP

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spieglfechter 16.12.2009
1.
Zitat von sysopMit Raketentests und einer harten Haltung im Atomstreit provoziert Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad den Westen. Trotz Sanktionsdrohungen rückt er nicht von seinem Nuklearprogramm ab - auf jeden diplomatischen Fortschritt scheint ein Rückschlag zu folgen. Wie groß ist die Gefahr wirklich?
Es besteht tatsächlich die Gefahr, daß Israel sein nukleares Monopol verliert. Diese mögliche Veränderung der Machtbalance kann Israel natürlich nicht gefallen. War sonst noch was ?
sayada.b. 16.12.2009
2.
Zitat von sysopMit Raketentests und einer harten Haltung im Atomstreit provoziert Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad den Westen. Trotz Sanktionsdrohungen rückt er nicht von seinem Nuklearprogramm ab - auf jeden diplomatischen Fortschritt scheint ein Rückschlag zu folgen. Wie groß ist die Gefahr wirklich?
Leider kann es wohl niemand so genau einschätzen, wie groß die Gefahr weiklich ist, da Herr A. jedes gegebene Wort und jede Zusage in kürzester wieder zurück nimmt und mit genau dem Gegenteil droht. Siehe Urananreicherung im Ausland... Somit tendiert die Glaubwürdigkeit des gegenwärtigen Regimes gegen Null. Und wer will schon A-Waffen in den Händen dieses Fanatikers sehen?
lebenslang 16.12.2009
3.
wenn es vorher ausgeschaltet wird, ist es nicht gefährlich, soviel ist sicher.
sayada.b. 16.12.2009
4.
Zitat von lebenslangwenn es vorher ausgeschaltet wird, ist es nicht gefährlich, soviel ist sicher.
Durch Verhandlungen? Gut! Durch Zerstörung? Sehr bedenklich! Gewalt erzeugt wieder Gewalt...
Axel Warburg, 16.12.2009
5. Gewalt erzeugt Gewalt
Zitat von sayada.b.Durch Verhandlungen? Gut! Durch Zerstörung? Sehr bedenklich! Gewalt erzeugt wieder Gewalt...
sayada, die Kombination aus den Drohgebährden und der Entwicklung von Nuklearwaffen IST Gewalt und wird Gewalt erzeugen. Wenn einer Dir erklärt, dass Du bald tot sein wirst, die Waffe zieht, und nicht bereit ist, sie augenblicklich abzulegen, dann ist Deine Gewalt gegen ihn als Notwehr gedeckt, z.B. wenn Du die Waffe aus seiner Hand wegschießt.
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