Atomstrom Grüne wollen AKW Brunsbüttel sofort abschalten

Nach dem jüngsten Prüfbericht fordern die Grünen, das Atomkraftwerk Brunsbüttel unverzüglich abzuschalten. Umweltminister Sigmar Gabriel wartet auf den Bericht von Vattenfall. Können die Betreiber die Sicherheit des AKW nachweisen, soll es bis 2009 am Netz bleiben.


Berlin - Der letzte Prüfbericht weise für den Meiler in Schleswig-Holstein mehr als 200 zum Teil erhebliche Sicherheitsmängel auf, erklärten Grünen-Fraktionschefin Renate Künast und ihre Stellvertreterin Bärbel Höhn. "Damit ist Brunsbüttel einer der größten Schrottreaktoren in Deutschland und definitiv nicht mehr auf dem Stand der Technik." Bundesumweltminister Sigmar Gabriel müsse endlich für die Abschaltung sorgen. Nach der Atomausstieg-Vereinbarung soll die Anlage eigentlich 2009 vom Netz gehen.

Badespaß vor dem AKW Brunsbüttel: Vattenfall muss Sicherheit beweisen
AP

Badespaß vor dem AKW Brunsbüttel: Vattenfall muss Sicherheit beweisen

Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums stellte unterdessen in Berlin klar, Gabriel habe nicht die Absicht, "aus Willkür heraus" eine Abschaltung durchzusetzen, solange es eine gültige Betriebsgenehmigung gebe. Wenn der Betreiber Vattenfall nachweise, dass das Atomkraftwerk sicher sei, könne es auch bis 2009 betrieben werden.

Gabriel hatte Vattenfall aufgefordert, bis Montagabend nachzuweisen, dass das Atomkraftwerk sicher ist. Sein Sprecher sagte, die Unterlagen würden beim zuständigen Sozialministerium in Kiel eingehen. Er gehe davon aus, dass die dortige Atomaufsicht auch eine Bewertung liefern werde.

Nach dem Störfall im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark, das ebenfalls von Vattenfall betrieben wird, hatte die Reaktorsicherheitskommission (RSK) in Deutschland auch für Brunsbüttel neue Sicherheitsfragen aufgeworfen. Danach sei das AKW Brunsbüttel bei Ausfall des Batterie betriebenen Notstromsystems auf Wechselstrom angewiesen, wodurch die Stromversorgung für die Steuerung der Anlage nur noch eingeschränkt zur Verfügung stünde. Es könnte damit ein ähnliches Problem wie in Forsmark auftreten, hatte das Ministerium am Freitag erläutert. Im Interview mit der "taz" hatte Gabriel betont, dass Brunsbüttel nicht sicherheitsoptimiert sei wie neuere Kraftwerke, und dass es sinnvoll und nach dem Atomgesetz möglich sei, Reststrommengen von älteren auf neuere Anlagen zu übertragen.

agö/dpa/AFP



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