Atomtransport nach Gorleben Polizei räumt Lager der Castor-Gegner

Die Castor-Behälter mit radioaktivem Müll sind immer noch nicht auf ihrer letzten Etappe: Hunderte Demonstranten versperren die Zufahrt zum Atommüll-Zwischenlager in Gorleben. Die Polizei hat mit der Räumung begonnen - doch der Einsatz zieht sich hin.

Aus Gorleben berichtet SPIEGEL-TV-Reporterin


Gorleben - Der Atomtransport ins Zwischenlager Gorleben ist in der heißen Phase: Elf Castor-Behälter aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague warten darauf, überführt zu werden. Doch noch weiß niemand, wann der Atommüll das Lager erreichen wird.

Denn erst einmal müssen die Polizisten die Zufahrtsstraße nach Gorleben räumen - und das kann Stunden dauern. Die über tausend Aktivisten haben vor den Toren Gorlebens ein Protestcamp errichtet, und sie wissen: Die Behälter mit hoch radioaktivem Atommüll werden erst passieren können, wenn die letzte Blockade aufgelöst ist.

Die Speziallastwagen mit dem radioaktiven Müll sollten am Nachmittag den Verladebahnhof in Dannenberg verlassen. Aber trotz der massiven Polizeipräsenz stockt die Räumungsaktion. Es sind zu viele Demonstranten, zwei von ihnen sind sogar auf Laternenpfähle geklettert und haben ein Transparent zwischen die Leuchten gespannt. Gewaltsamen Widerstand gibt es bislang kaum, aber immer wieder werden Sprechchöre laut, mit denen die Atomgegner von den Polizisten fordern, ihre Schutzhelme abzunehmen.

Gegen Mittag hatte die Polizei die Demonstranten aufgerufen, das Areal zu verlassen. Dreimal blieb es bei mündlichen Warnungen, dann begannen die Beamten mit der Räumung. Mittlerweile entfernen die Polizisten im Minutentakt Atomgegner von der Castor-Strecke. Einige werden ruhig aufgefordert und problemlos abgeführt - andere müssen von den Beamten an den Armen gepackt und hinter eine stark gesicherte Absperrung gezogen werden.

Und dann gibt es noch die Protestler, die mit allen Mitteln sitzenbleiben wollen, so lange es geht. Hier auf dem strohbedeckten Boden, nur wenige hundert Meter vom Zwischenlager entfernt, harren sie seit Samstag aus, um den umstrittenen Transport zu stoppen. Ein Aktivist in Regenjacke wird von vier Polizisten kurzerhand an Armen und Beinen gepackt und hinter die Metallgitter getragen.

Eine Nachricht, die sich durch die SMS-Kette der Anti-Atom-Initiativen rasend schnell verbreitet, befeuert den Protest: Laut Greenpeace setzen die französischen Atommüllbehälter deutlich mehr Neutronenstrahlung frei als die alten Castor-Behälter. Die Strahlung sei eigenen Messungen zufolge um 40 Prozent höher als beim Castor-Transport 2005.

Friedlicher Protest und "hohe Gewaltbereitschaft"

Der ursprüngliche Zeitplan für die Castor-Behälter ist ohnehin nicht mehr einzuhalten: Der Transport hat mittlerweile eine Verspätung von 14 Stunden, weil sich am Samstag drei Demonstranten an der deutsch-französischen Grenze an die Gleise angekettet hatten.

Am Sonntag hatte es zum Teil heftige Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und großen Gruppen von Blockierern auf dem Schienenweg Lüneburg-Dannenberg gegeben, mit Schlagstockeinsatz, brennenden Barrikaden und Verletzten auf beiden Seiten.

Noch sei es rund um Gorleben weitgehend friedlich, sagte der Gesamteinsatzleiter der Bundespolizei, Thomas Osterroth. Allerdings seien Demonstranten teils mit krimineller Energie vorgegangen - etwa beim Unterhöhlen von Gleisen. "Das sind Vorgänge, die nicht akzeptabel sind." Noch bevor der Zug in Dannenberg eingetroffen sei, sei mit Signalmunition auf Polizeihubschrauber geschossen worden. "Das zeigt die hohe Gewaltbereitschaft Einzelner", sagte Osterroth.

Mit Material von dpa und AP

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Klo, 10.11.2008
1.
Zitat von sysopDie Atomenergie ist wieder intensiv in der Diskussion. Der Castor-Transport mit Atommüll aus dem französischen La Hague bot Anlass zu heftigen Aktionen der Atomgegner. Was bringen die Proteste? Wie soll künftig mit der Atomenergie umgegangen werden?
Die Proteste sind eindeutig gerechtfertigt. Da die Transport- und Endlagerproblematik noch auf viele Jahre nicht gelöst sein wird und die derzeitigen Entsorgungskonzepte in allen Punkten mangelhaft sind, ist der beschlossene Ausstieg aus dieser Technologie nur folgerichtig. Die Kosten für den Steuerzahler für diese Art der Stromproduktion sind einfach zu hoch und es kommt deutlich billiger, einen Umbau der Energiewirtschaft jetzt zu finanzieren, den man früher oder später ohnehin finanzieren muß.
schlob 10.11.2008
2.
Zitat von KloDie Proteste sind eindeutig gerechtfertigt. Da die Transport- und Endlagerproblematik noch auf viele Jahre nicht gelöst sein wird und die derzeitigen Entsorgungskonzepte in allen Punkten mangelhaft sind, ist der beschlossene Ausstieg aus dieser Technologie nur folgerichtig. Die Kosten für den Steuerzahler für diese Art der Stromproduktion sind einfach zu hoch und es kommt deutlich billiger, einen Umbau der Energiewirtschaft jetzt zu finanzieren, den man früher oder später ohnehin finanzieren muß.
Viele wackere leute protestieren in Gorleben gegen die Einlagerung des deutschen Mülls,der von der Wiederaufarbeitung aus Frankreich vertragsgemäss zurückkommt.- Wenn der Müll nicht in Deutschland gelagert werden soll, wo dann?- -Wir können das Zeug ja nicht einfach in den Strassengraben kippen.-Vermeiden geht nicht mehr-der Müll ist da.- Ich schlage vor,dass wir mit Russland einen Vertrag schliessen. Russland hat aus Jahrzehnten Atombomben-Produktion der SU,der Produktion von Atom-U-Booten,aus Kernwaffentests und eigenen Kraftwerken vom Typ Tchernobyl sowieso gewaltige Berge an radioaktivem Müll- hundertmal grössere als Deutschland.- Der Einwand: Wir stehlen uns aus der Verantwortung, darf natürlich nicht gelten.Wir müssen dies Abkommen an Bedingungen knüpfen,dass dieser unser Müll- und der russische sicherer gelagert werden als bisher.-Und wir müssen dies kontrollieren können. -Das geht durchaus.- Schon die SU hat Wirtschaftsverträge immer korrekt eingehalten.- Damit hat dann hat die Sicherheit für beide Völker zugenommen.-In Deutschland haben wir gar keinen Endmüll mehr- in Russland werden die bisherige Müllberge besser gesichert.- Es ist unsinnig,diese Probleme heute national lösen zu wollen.Ebenso unsinnig,wie ein Alleingang beim CO2 wäre. Radioaktive Wolken halten sich nicht an Grenzen.- Wenn Deutschland seinen Müll absolut sicher lagert- und in Russland bleibt der Müll ziemlich schlecht gesichert,ist hiervon die Sicherheit beider Völker bedroht.- Im übrigen lassen wir ja schon unseren Müll in Frankreich aufarbeiten,weil die Grünen Wackersdorf verhindert haben.- Wir schicken also unseren gefährlichen Müll sowieso schon ins Ausland. - Trotzdem wäre wohl eine Änderung des sowieso überholten Atom-Gesetz nötig.- Wer ein besseres Konzept hat,möge sich melden.
diefreiheitdermeinung 10.11.2008
3. Diktat der Ungewaehlten
die ganze Sache ist n ur ein weiterer Beweis, dass das was in Deutschland laeuft oder nicht laeuft immer mehr von ungewaehlten Minderheitsgruppen bestimmt wird. Waehrend wir auf eine teure Energie- und Wirtschaftskrise zusteuern faellt ein paar tausend Exremisten nichts Besseres ein als mehr als 15000 Polizeukraefte zu binden. Wer uebernimmt die Kosten ? Natuerlich der Steuerzahler ? Es ist an der Zeit die Diktatur der Minderheiten zu brechen und diese mit Umlage der verursachten Kosten zu belasten. Nochwas: die Medien scheinen sich darin einig, dass immer die Polizei an dem angeblichen Debakel schuld sei. Was schlaegt sie denn vor ? Rueckzug und Eingehen auf die Forderungen der Minderheit ? Wattebaeusche werfen ?
Ernst August 10.11.2008
4.
Zitat von sysopDie Atomenergie ist wieder intensiv in der Diskussion. Der Castor-Transport mit Atommüll aus dem französischen La Hague bot Anlass zu heftigen Aktionen der Atomgegner. Was bringen die Proteste? Wie soll künftig mit der Atomenergie umgegangen werden?
Die Zahl der aktiven Demonstranten ist dieses Mal wieder enorm hoch. Getrieben sind sie wahrscheinlich durch die Ereignisse um Hessen und durch die Klimakatastrophe. Sie wollen den Wechsel (nicht nur) in der Energiepolitik. Das Change aus den USA macht sie "Yes wir können" wie lange nicht. Sie haben die Zeichen der Zeit erkannt und sie kämpfen für eine bessere Welt - und zwar zuerst in ihrer Heimat. Wo sonst!
luri80 10.11.2008
5.
Zitat von KloDie Proteste sind eindeutig gerechtfertigt. Da die Transport- und Endlagerproblematik noch auf viele Jahre nicht gelöst sein wird und die derzeitigen Entsorgungskonzepte in allen Punkten mangelhaft sind, ist der beschlossene Ausstieg aus dieser Technologie nur folgerichtig. Die Kosten für den Steuerzahler für diese Art der Stromproduktion sind einfach zu hoch und es kommt deutlich billiger, einen Umbau der Energiewirtschaft jetzt zu finanzieren, den man früher oder später ohnehin finanzieren muß.
Proteste? Was hier abgeht hat doch nichts mehr mit Protest zu tun, das sind kriminelle Krawallmacher die allesamt auf Schadensersatz verklagt gehören, für die dutzende Millionen Euro Schaden den sie dem Steuerzahler verursachen. Atomstrom kann mit Abstand am günstigsten hergestellt werden und dabei wird noch nicht einmal CO2 in die Atmosphäre gepumpt. Umstieg ja, aber bitte nicht in Zeiten globaler Wirtschaftsflaute und bitte auch nicht um jeden Preis.
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