Pressekonferenz zur Attacke in Frankfurt Schweizer Polizei suchte Tatverdächtigen seit Tagen

Innenminister Seehofer und die Spitzen der Sicherheitsbehörden haben über die Ermittlungen zur tödlichen Attacke von Frankfurt informiert: Demnach wurde der Verdächtige nach einem Angriff auf seine Schweizer Nachbarin gesucht.

Fabrizio Bensch/ REUTERS

Der mutmaßliche Täter von Frankfurt wurde in der Schweiz seit dem vergangenen Donnerstag von der Polizei gesucht. Der Mann habe seine Nachbarin mit einem Messer bedroht, eingesperrt und sei dann geflohen. Daraufhin sei er in der Schweiz zur Festnahme ausgeschrieben gewesen, sagte Bundespolizeipräsident Dieter Romann bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und BKA-Präsident Holger Münch. "Er war auch im Vorfeld mit entsprechenden Delikten bereits in der Schweiz auffällig."

Am Montag soll der Mann einen achtjährigen Jungen vor einen einfahrenden ICE gestoßen haben. Nach Behördenangaben hatte der Verdächtige zunächst auch die Mutter des Kindes ins Gleisbett gestoßen - und dies ebenfalls bei einer älteren Frau versucht. Die Mutter des Kindes konnte sich retten, die 78 Jahre alte Frau einen Sturz vermeiden. Der mutmaßliche Täter wurde von Passanten festgehalten (Lesen Sie hier mehr zu den bisherigen Erkenntnissen über den Verdächtigen.).

Seehofer sprach nun bei der Pressekonferenz von einem "kaltblütigen Mord" und einem "grässlichen Verbrechen". Weiter sagte er: "Ein solches Ereignis macht uns alle fassungslos und trifft uns mitten ins Herz". Man werde nun "alles tun, dass der mutmaßliche Täter einer gerechten Bestrafung zugeführt wird".

Am Dienstagnachmittag wurde der Mann dem Haftrichter vorgeführt. Er muss nun in Untersuchungshaft, wie die Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur sagte. Ihm wird Mord und versuchter Mord in zwei Fällen vorgeworfen.

Verdächtiger galt als gut integriert

Der Mann stammt ursprünglich aus Eritrea. Der verheiratete Vater dreier Kinder war laut den Behörden im Jahr 2006 unerlaubt in die Schweiz eingereist. Im Jahr 2008 wurde ihm Asyl gewährt. Nach Angaben der Bundespolizei galt er eigentlich als gut integriert und sogar vorbildlich. Er sei einer festen Arbeit nachgegangen.

Der mutmaßliche Täter war den deutschen Behörden offenbar zuvor nicht bekannt. Auf seiner Reise von der Schweiz nach Deutschland wurde er nach bisherigem Erkenntnisstand nicht kontrolliert. Zu den möglichen Motiven des Mannes äußerte sich Romann nicht. Die Schweizer Ermittler teilten kurz nach der Pressekonferenz in Berlin mit, sie gingen von einer psychischen Erkrankung des Tatverdächtigen aus.

Seehofer will Sicherheit an Bahnhöfen verbessern

Seehofer sagte, es sei nun "unmöglich, zur Tagesordnung überzugehen". Man müsse nun über Konsequenzen nachdenken. Der CSU-Politiker kündigte neue Gespräche über die Sicherheit an Bahnhöfen zwischen seinem Ressort, dem Verkehrsministerium und der Bahn an. Es sollen nun alle personellen und technischen Möglichkeiten mit den Fachleuten diskutiert werden - "vorurteilsfrei", sagte Seehofer. Auf Nachfrage wollte er nicht ausschließen, über Schranken vor Bahnsteigen zu diskutieren - trotz der hohen Kosten. "Wenn es um Menschenleben geht, gefällt mir das Argument mit dem Geld überhaupt nicht", sagte er.

Seehofer erneuerte auch seine Forderung nach einer stärkeren Videoüberwachung im öffentlichen Raum. Generell forderte der Innenminister mehr Personal für die Sicherheitsbehörden. "Wir brauchen dringend mehr Polizeipräsenz", so Seehofer. Zudem wolle er Grenzen besser kontrollieren - und grundsätzlich über eine "Werteerosion" sprechen.

kev/dpa

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