Attacken auf Flugzeuge Koalition will Laserpointer verbieten

Ein Alptraum für jeden Piloten: Ausgerechnet im Landeanflug wird er von einem Laser geblendet und kann nichts mehr sehen - und solche Attacken häufen sich in letzter Zeit. Koalitionspolitiker wollen jetzt aktiv werden und Laser aus dem Verkehr ziehen. Doch das ist nicht so einfach, wie es klingt.

Flugzeug auf Landeanflug in Hannover-Langenhagen: Immer mehr Laser-Angriffe
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Flugzeug auf Landeanflug in Hannover-Langenhagen: Immer mehr Laser-Angriffe

Von Andreas Niesmann


Berlin - Autofahrer, die häufig auf dunklen Landstraßen unterwegs sind, kennen das Gefühl der Hilflosigkeit gut: Wer vom Fernlicht eines entgegenkommenden Wagens geblendet wird, sieht einen Moment lang gar nichts mehr. Neuerdings müssen sich auch Piloten immer häufiger mit diesem Problem auseinandersetzen. Anders als im Straßenverkehr ist aber nicht etwa die Unachtsamkeit einzelner Autofahrer daran schuld, sondern eine vorsätzliche und brandgefährliche Störung des Luftverkehrs: Jugendliche attackieren Flugzeuge mit starken Laserpointern.

"Wir beobachten solche Blendattacken seit Sommer 2009", sagt Kristina Kelek von der Deutschen Flugsicherung (DFS). Vor allem in der Startphase oder beim Landeanflug würden Flugzeuge immer häufiger zur Zielscheibe. Dabei gehe es keinesfalls um "Dumme-Jungen-Streiche": "Die Angriffe sind vergleichbar mit Steinwürfen von einer Autobahnbrücke", sagt Kelek.

Und sie werden ähnlich hart bestraft. Wer mit Lasern oder Scheinwerfern einen Piloten während des An- oder Abflugs zu einem Flughafen blendet, riskiert laut Luftverkehrsordnung ein Bußgeld in Höhe von bis zu 50.000 Euro. Für gefährliche Eingriffe in den Flugverkehr sieht das Strafgesetzbuch darüber hinaus Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren vor.

Polizei jagt Täter mit Wärmebildkameras

Das Risiko erwischt zu werden, ist hoch. Im vergangenen Jahr hatten ein 18- und ein 19-jähriger Mann vier Flugzeuge und einen Helikopter im Landeanflug auf den Hamburger Flughafen mit einem Laserpointer "unter Feuer" genommen. Dabei trafen sie den Piloten einer aus Mallorca kommenden Maschine mit ihrem Lichtstrahl. Der alarmierte die Polizei, die mit einer Wärmebildkamera ausrückte und die beiden Männer auf frischer Tat erwischte. Das Amtsgericht Hamburg verurteilte die beiden Angreifer am Mittwoch zu Jugendarrest und Arbeitsstunden.

Doch Strafen und die Gefahr aufzufliegen reichen offensichtlich nicht aus, um die meist jungen Täter abzuschrecken. Eine offizielle Statistik zu den Laser-Attacken gibt es zwar nicht, doch alle verfügbaren Zahlen deuten darauf hin, dass das Problem immer gravierender wird. Registrierte die Deutsche Flugsicherung von Juli bis September 2009 insgesamt 118 Laser-Angriffe, waren es im Jahr 2010 bereits 393. Noch dramatischer ist die Steigerungsrate laut Berechnungen des Luftfahrtbundesamtes, bei dem alle deutschen Fluggesellschaften Laser-Angriffe auf ihre Maschinen melden müssen. Von 36 Vorfällen im Jahr 2009 schoss die Zahl der Attacken auf 273 im vergangenen Jahr in die Höhe - und stieg damit beinahe um den Faktor acht.

Das Luftfahrtbundesamt registriert nur Fälle, bei denen deutsche Fluggesellschaften betroffen sind. Angriffe auf Jets ausländischer Airlines tauchen in der Statistik nicht auf. Die Flugsicherung wiederum bekommt Attacken nur mit, wenn sie vom Piloten an den Fluglotsen gemeldet werden. Alles, was der Pilot nach der Landung auf anderem Wege weitergibt, fällt durchs Raster. Insofern dürfte die Dunkelziffer noch deutlich höher liegen.

Für Piloten sind solche Attacken ein Alptraum, und auch Passagiere dürften sich bei dem Gedanken überaus unwohl fühlen, dass ihr Kapitän ausgerechnet in den sensiblen Start- und Landephasen sekundenlang nichts mehr sieht. Auch die Tatsache, dass im Notfall der Co-Pilot das Steuer übernehmen kann, wirkt nur mäßig beruhigend. Angesichts der dramatisch steigenden Fallzahlen klingt es fast wie ein Wunder, dass noch keine ernsten Zwischenfälle passiert sind.

Und darauf wollen Sicherheitspolitiker der Regierungsfraktionen auch nicht warten. "Die Bedrohung des Flugverkehrs durch Laserpointer ist ein ernstes Problem", sagt Günter Krings, stellvertretender Vorsitzender der Unionsbundestagsfraktion. Bereits in der "Welt am Sonntag" hatte Krings eine schnelles Handeln der Bundesregierung gefordert, jetzt legt der CDU-Politiker nach: "Die Einfuhr leistungsstarker Laserpointer nach Deutschland sollte verboten werden. Außerdem sollten Privatpersonen solche Geräte nicht mehr ohne Genehmigung mit sich führen dürfen."

Laser bringen Luftballons zum Platzen

Dabei gehe es ihm ausdrücklich nicht um Laserpointer, wie sie im Büro für Vorträge genutzt werden, stellte Krings klar. "Wir reden hier über sehr viel leistungsstärkere Geräte, die so stark sind, dass sie Streichhölzer entzünden oder einen Luftballon zum Platzen bringen können."

Zwar sind solche Laserpointer der Geräteklassen drei und vier schon jetzt in Deutschland nicht frei handelbar, können aber ohne Schwierigkeiten falsch deklariert im Internet erworben werden. Und der reine Besitz ist bislang nicht strafbar. Für Krings ein unhaltbarer Zustand. "Die industrielle Anwendung muss möglich sein, aber Privatleute sollten solche gefährlichen Geräte nicht mehr mit sich führen dürfen." In anderen Staaten fielen Laserpointer ab einer bestimmten Leistungsstärke sogar unter das Waffengesetz.

Bei der Pilotenvereinigung Cockpit rennt der stellvertretende Fraktionschef mit seinem Vorstoß offene Türen ein. "Wir fordern schon lange, den Besitz starker Laserpointer grundsätzlich zu verbieten", sagt Pilotensprecher Jörg Handwerg. Nur in begründeten Ausnahmefällen, etwa wenn jemand beruflich mit Lasern zu tun habe, sollte der Umgang mit den Geräten erlaubt sein", so Handwerg, der auf vergleichbare Regelungen im Waffenrecht verweist.

Im Bundesinnenministerium sieht man die Diskussion mit gemischten Gefühlen. Zwar nehme man das Problem der Attacken auf Flugzeuge ernst, halte aber eine Lösung über das Waffenrecht für schwierig, da nicht jeder potentiell gefährliche Gegenstand verboten werden könne. "Man kann auch ein Brotmesser für einen Mord benutzen, und trotzdem wird niemand die Besteckindustrie reglementieren wollen", heißt es aus dem Ministerium.

Diese Argumentation will Günter Krings nicht gelten lassen. "Mit einem Brotmesser dürfte man vom Boden aus kaum einen Piloten im fliegenden Jet treffen", sagt der CDU-Mann. Wie das Laserpointer-Verbot technisch umgesetzt werde, ist seiner Meinung nach aber auch eher zweitrangig.

Unterstützung von der FDP

Unterstützung bekommt Krings vom Koalitionspartner. "Das ist tatsächlich ein Problem, das wir angehen sollten", sagt der Innen- und Rechtsexperte der FDP-Fraktion, Hartfrid Wolff. Zwar glaubt er nicht, dass das Waffengesetz der richtige Ort für eine Lösung ist, doch hat Wolff schon einen Alternativvorschlag in der Tasche. "Das Luftsicherheitsgesetz muss ohnehin neu geregelt werden. In diesem Zusammenhang könnte man auch auf die Gefahr durch Laserpointer eingehen", sagt der FDP-Politiker. Außerdem müsse man technische Möglichkeiten ausloten, um einen optimalen Schutz der Piloten zu gewährleisten. "Vielleicht müssen Forschungsprogramme in diesem Bereich ausgebaut werden", so Wolff.

Pilotenvertreter halten einen schnellen Schutz durch technische Maßnahmen dagegen für wenig wahrscheinlich. Man könne nicht einfach eine Folie auf die Flugzeugsscheibe kleben, erklärt Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg. Außen würde sie aufgrund der großen Geschwindigkeit abreißen und innen Blasen werfen, da das Glas beheizt sei, "Das einzige, was kurzfristig für mehr Sicherheit sorgen würde, wäre ein Verbot der Laser."



insgesamt 69 Beiträge
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Seite 1
sir.viver 03.03.2011
1. Ah super!
Zitat von sysopEin Alptraum für jeden Piloten: Ausgerechnet im Landeanflug wird er von einem Laser geblendet und kann*nichts mehr sehen - und solche Attacken häufen sich in letzter Zeit. Koalitionspolitiker wollen jetzt aktiv werden und Laser aus dem Verkehr ziehen. Doch das ist nicht so einfach, wie es klingt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,748720,00.html
Das bestrahlen von Flugzeugen ist HEUTE schon eine Straftat, aber was macht man mit den abermillionenvon laserpointern, die es heute schon gibt? Jaja, neue Verbote. Statt dessen sollte man die Stafen für solche Delikte drakonisch erhöhen, anstelle wird wieder die Allgemeinheit mit so einem idiotischen Verbot bestraft. Kollektivstrafe....
PeteLustig, 03.03.2011
2. Verbot?
Wird wahrscheinlich ein ähnlicher Erfolg wie das grundsätzliche Verbot des Führens von Schreckschusswaffen oder Butterflymessern in der Öffentlichkeit. Diese und andere Verstöße werden nämlich mit extrem harten Geldstrafen oder -bußen in dreistelliger Höhe sanktioniert... Wer unfähig ist, den Verkauf grundsätzlich zu verbieten, sollte solch lächerliche Führungsverbote gar nicht erst beschließen, denn tatsächlich erwischt (Eingriff den den Luftfahrzeug/Straßenverkehr mit _theoretisch_ höheren Strafen) werden die wenigsten.
GerwinZwo 03.03.2011
3. Tja
da sind wir doch schon wieder beim Punkt: erst wird der in der Tat furchterregende abstrakte Strafrahmen erwähnt...und dann? Die ernüchternde Praxis: da werden mal 2 in flagranti erwischt, und was ist die Folge ? Kurzer jugendarrest und Verwarnung. Zur Erinnerung: die waren 18 bzw 19, nicht drölf.....solange das so läuft, wird weitergemacht.
pudel_ohne_mütze 03.03.2011
4. Wer wundert sich da noch ?:
Zitat von sysopEin Alptraum für jeden Piloten: Ausgerechnet im Landeanflug wird er von einem Laser geblendet und kann*nichts mehr sehen - und solche Attacken häufen sich in letzter Zeit. Koalitionspolitiker wollen jetzt aktiv werden und Laser aus dem Verkehr ziehen. Doch das ist nicht so einfach, wie es klingt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,748720,00.html
" Das Amtsgericht Hamburg verurteilte die beiden Angreifer am Mittwoch zu Jugendarrest und Arbeitsstunden. " Da lachen ja die Hühner....................
Hador, 03.03.2011
5. Nein, keinen Titel....
Zitat von sysopEin Alptraum für jeden Piloten: Ausgerechnet im Landeanflug wird er von einem Laser geblendet und kann*nichts mehr sehen - und solche Attacken häufen sich in letzter Zeit. Koalitionspolitiker wollen jetzt aktiv werden und Laser aus dem Verkehr ziehen. Doch das ist nicht so einfach, wie es klingt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,748720,00.html
[QUOTE=sysop;7298719]Pilotenvertreter halten einen schnellen Schutz durch technische Maßnahmen dagegen für wenig wahrscheinlich. Man könne nicht einfach eine Folie auf die Flugzeugsscheibe kleben, erklärt Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg. Außen würde sie aufgrund der großen Geschwindigkeit abreißen und innen Blasen werfen, da das Glas beheizt sei, "Das einzige, was kurzfristig für mehr Sicherheit sorgen würde, wäre ein Verbot der Laser."/QUOTE] Natürlich reicht es nicht einfach eine Folie auf die Scheibe zu kleben. Möglich wäre aber (zumindest in der Theorie) schon Flugzeugscheiben aus Spezialglas zu bauen, dass die Stärke von Laserstrahlung einer bestimmten Wellenlänge (z.B. grüne Laserpointer bei 532 nm) um einen bestimmten Faktor abschwächt. Es gibt Laserschutzgläser, die hier Schutzfaktoren von einem Faktor 10 bis zu einem Faktor 10^9 bieten. Und da die meisten Laserpointer nur in einem sehr schmalen Wellenlängenbereich laufen wäre ein entsprechender Filter vermutlich weder besonders teuer noch würde er die Sicht der Piloten stark beeinflussen.
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