Parteitag im Herbst Auch Hennig-Wellsow kandidiert für Linkenvorsitz

Nächste Bewerberin für die Linkenspitze: Nach Janine Wissler greift nun auch die thüringische Landeschefin Susanne Hennig-Wellsow in den Kampf um den Parteivorsitz ein.
Linkenpolitikerin Hennig-Wellsow

Linkenpolitikerin Hennig-Wellsow

Foto: Martin Schutt / picture alliance/dpa

Werden die Linken künftig von einer weiblichen Doppelspitze geführt? Am Freitagmittag hatte die hessische Fraktionschefin Janine Wissler ihre Ambitionen auf den Vorsitz der Bundespartei öffentlich erklärt. Nun folgt ihr die thüringische Landesvorsitzende Susanne Hennig-Wellsow. "Ich werde auf dem kommenden Bundesparteitag der Linken für das Amt der Parteivorsitzenden kandidieren", teilte diese am Abend mit. Die schriftliche Erklärung wurde parallel zu einem Auftritt Hennig-Wellsows vor der Presse in Erfurt versandt.

Hennig-Wellsow gilt in Thüringen als eine der Architektinnen des Erfolgs der Linken in der dortigen rot-rot-grünen Regierung unter Bodo Ramelow. Nach dem angekündigten Rückzug der amtierenden Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger wurden sowohl Wissler als auch Hennig-Wellsow als aussichtsreiche Anwärterinnen für deren Nachfolge gehandelt.

In ihrer Erklärung bezog sich Hennig-Wellsow nun ausdrücklich auf Wissler. Sie werde die Aufgabe als Parteivorsitzende mit "großer Lust" angehen - "gern in einer weiblichen Doppelspitze", teilte die 42-Jährige mit. "Deshalb habe ich mich sehr gefreut, dass Janine Wissler heute erklärt hat, ebenfalls für dieses Amt kandidieren zu wollen."

Während Wissler dem linken Parteiflügel angehört, zählt Hennig-Wellsow zum Lager der Pragmatiker bei den Linken, die für eine Regierungsbeteiligung der Linken auch im Bund werben. "Wir Linke können mitentscheiden, ob es gerechte, solidarische und nachhaltige Lösungen geben wird. Oder ob der alte CDU-Krisenmodus fortgesetzt wird - mit einem anderen Gesicht", heißt es nun in Hennig-Wellsows Mitteilung. Damit spielt sie offensichtlich auf die Option eines von ihr favorisierten rot-rot-grünen Bündnisses an, als Alternative zu einer Jamaikakoalition aus CDU und Grünen.

"Es braucht progressive Mehrheiten, auf der Straße, in den Betrieben und Kommunen und auch in den Parlamenten", fordert Hennig-Wellsow. Sie setze auf eine Linke "mit dem Mut zum Machen".

Wissler, die bereits stellvertretende Vorsitzende der Bundespartei ist, hatte am Mittag in einer kurzen Erklärung noch etwas andere Töne angeschlagen. "Wir brauchen eine starke Linke, die verankert ist in Gewerkschaften und sozialen Bewegungen, die innerhalb und außerhalb der Parlamente für soziale Gerechtigkeit, ökologischen Umbau, Antirassismus, mehr Demokratie und konsequente Friedenspolitik eintritt, die konkrete Kämpfe unterstützt und eine antikapitalistische Perspektive aufzeigt", schrieb Wissler. Aufgrund einer privaten Notsituation verzichtete sie jedoch zunächst auf einen öffentlichen Auftritt.

Nach jetzigem Stand gilt es als wahrscheinlich, dass bis zum Parteitag weitere Genossen ihre Kandidatur für den Parteivorsitz erklären.

kev

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