Aufschwung Wirtschaftsministerium erwartet drei Prozent Wachstum

Ein dickes Plus im Jahresdurchschnitt: Die Konjunkturexperten von Wirtschaftsminister Brüderle haben ihre Prognose für 2010 verdoppelt. Sie halten jetzt ein Wachstum der deutschen Wirtschaft von drei Prozent für möglich. Auch die Steuereinnahmen könnten deutlich steigen.

Wirtschaftsminister Brüderle (FDP): Rechnen mit dem "Aufschwung XL"
REUTERS

Wirtschaftsminister Brüderle (FDP): Rechnen mit dem "Aufschwung XL"


Berlin - "Aufschwung XL" nannte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) die jüngsten Quartalszahlen: Um 2,2 Prozent wuchs die Wirtschaftsleistung in Deutschland im Vergleich zum Vorquartal. So stark, wie seit der Wiedervereinigung nicht.

Der positive Trend dürfte sich auch im Jahresergebnis widerspiegeln. Denn das Bundeswirtschaftsministerium hält ein Wachstum der deutschen Wirtschaft von drei Prozent in diesem Jahr für möglich. Damit verdoppeln die Konjunkturexperten von Minister Brüderle ihre bislang gültige Prognose für 2010.

Der Aufschwung zeige sich sehr robust, heißt es im Ministerium, weil er nicht allein auf den traditionell starken Ausfuhren beruhe. Auch die Investitionen der Unternehmen und der Konsum der Bevölkerung zögen an und trügen erheblich zum Wachstumsplus bei. Diese Entwicklung mache Deutschland auch unabhängiger von konjunkturellen Rückschlägen im Ausland. Offiziell legt die Bundesregierung ihre neue Wachstumsprognose turnusgemäß im Oktober vor.

Das Wirtschaftswachstum dürfte sich auch auf die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden auswirken: Sie könnten deutlich steigen. "Die Steuereinnahmen werden im laufenden Jahr mindestens um elf Milliarden Euro über dem liegen, was die Steuerschätzer bisher erwartet hatten", sagte Alfred Boss vom Kieler Institut für Weltwirtschaft der "Rheinischen Post".

Der Arbeitskreis Steuerschätzung hatte im Mai für Bund, Länder und Kommunen 510 Milliarden Euro Steuereinnahmen prognostiziert. Für das kommende Jahr erwartet Experte Boss sogar 15 Milliarden mehr - wenn die Regierung das Sparpaket unverändert lässt.

Das gilt noch lange nicht als ausgemacht. Denn klar ist:Der Aufschwung weckt bei Union und FDP Begehrlichkeiten. Von Steuersenkungen bis zur Abschaffung des Soli ist plötzlich wieder alles denkbar.

Die ersten Koalitionäre haben bereits Forderungen gestellt. "Wir sollten die Konjunkturdividende über Steuersenkungen an den Bürger weitergeben", sagt Frank Schäffler SPIEGEL ONLINE. Der FDP-Finanzexperte will allerdings gleichzeitig das Sparpaket nicht antasten, den "Spardruck" sogar noch erhöhen.



insgesamt 1871 Beiträge
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Hercules Rockefeller, 22.06.2010
1. Harte Einschnitte müssen kommen
Um dieses erneute zarte Pflänzchen des Aufschwungs nicht zu gefährden, müssen jetzt auch Opfer von den Beschäftigten kommen! Lohnverzicht im Krankheitsfall, unbezahlte Mehrarbeit und Lockerung der Kündigungsfristen müssen kommen, sonst ist die Wirtschaft des Todes!
frubi 22.06.2010
2. .
Zitat von sysopDie Wirtschaft in Deutschland wächst wieder. Auch der monatliche Geschäftsklima-Index des Münchener ifo-Instituts ist erneut gestiegen. Ist die Krise schon überwunden oder droht ein erneuter Rückgang der wirtschaftlichen Leistung?
Wieso sollte auch die Wirtschaft vom Sparpaket betroffen sein? Die Airlines und Stromkonzerne geben ihre Mehrkosten einfach an den Endkunden weiter und dieser bezahlt schön brav. So sieht es aus. Naja. Der H4ler wird durch die Kürzungen nun leider auf seine E-Klasse verzichten müssen aber ansonsten seh ich keine Maßnahme, die der Wirtschaft hätte schaden können. Wieso auch. Die Realwirtschaft ist nicht der Schuldige in Sachen Finanz- und Eurokrise.
gehlhajo, 22.06.2010
3. Soso,,,
". Euro-Krise und das Sparpaket der Merkel-Regierung haben die Konjunktur nicht abgewürgt." Seit wann ist das Sparpaket eigentlich in Kraft ?
Stefanie Bach, 22.06.2010
4. Fakten oder Meinungen?
Zitat von sysopDie Wirtschaft in Deutschland wächst wieder. Auch der monatliche Geschäftsklima-Index des Münchener ifo-Instituts ist erneut gestiegen. Ist die Krise schon überwunden oder droht ein erneuter Rückgang der wirtschaftlichen Leistung?
Wird hier nicht wieder Substanz durch Meinung ersetzt? Der sogenannte Geschäftsklima-Index des ifo-Instituts ist doch nur eine Umfrage. Das sind keine Fakten, das sind Meinungen. Die Politik sollte sich lieber um ihre Aufgaben kümmern: Soziales Konjunkturprogramm statt Not und Realitätsverlust (http://www.plantor.de/2009/soziales-konjunkturprogramm-statt-not-und-realitatsverlust/).
zynik 22.06.2010
5. hurra!
Zitat von sysopDie Wirtschaft in Deutschland wächst wieder. Auch der monatliche Geschäftsklima-Index des Münchener ifo-Instituts ist erneut gestiegen. Ist die Krise schon überwunden oder droht ein erneuter Rückgang der wirtschaftlichen Leistung?
Hurra! Wir maschieren weiter für den Index und singen die Hymne des Wachstums. Was wäre dieses Land nur ohne seine Meldungen vom Wirtschaftswachstum und sinkenden Arbeitslosenzahlen aus dem Ministerium für Wahrheit?
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