Ausländerfeindliche Sprüche Tonaufnahmen sprechen gegen Steffel

CDU-Spitzenkandidat Steffel dementiert, dass er als Schüler ausländerfeindliche Sprüche geklopft hat. Die Illustrierte "Max" stellte daher den Originalton ihres Interviews mit dem CDU-Mann ins Internet. Das Dokument beweist: Steffel schloss nicht aus, dass er gegen gegen Ausländer und Behinderte pöbelte.


Frank Steffel: "Ich würde nicht sagen, so etwas habe ich nicht gesagt"
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Frank Steffel: "Ich würde nicht sagen, so etwas habe ich nicht gesagt"

Berlin - Frank Steffel findet mit seiner Warnung vor der PDS immer weniger Gehör. Neulich, bei der CDU-Gedenkveranstaltung zum 40. Jahrestag des Mauerbaus, fiel sogar für zwei Minuten der Ton aus, als Steffel gerade sagte, eine Koalition mit den Sozialisten würde Berlin "an den linken Rand drücken".

Dafür funktionierte die Mikrofonanlage am Ende seiner Rede umso besser. Weil der Ton noch nicht abgestellt war, hörten die Zuschauer am Checkpoint Charlie, was Steffel den bayrischen Ministerpräsidenten Stoiber fragte. Steffel: "War ich zu lang?" Stoiber: "Nee, war gut."

Der Wahlkampf von Frank Steffel steht unter keinem guten Stern. Stets kommt an die Öffentlichkeit, was Steffel lieber für sich behalten würde. Jüngstes Beispiel: üble Sprüche aus seiner Teenagerzeit über Ausländer und Behinderte, die jetzt die Zeitschrift "Max" veröffentlichte.

Unter Berufung auf ehemalige Schulkameraden von Steffel, schrieb die Illustrierte, der CDU-Politiker habe als Schüler fremdenfeindliches Vokabular benutzt. "Schwarze hat er grundsätzlich als Bimbos bezeichnet, Türken als Kanaken, Behinderte waren Mongos", sagte ein Ex-Schulkamerad, der aber seinen Namen nicht nennen wollte.

Der CDU-Kandidat bestritt laut "Max" diese Sprüche nicht. "Ich würde nicht sagen, so etwas habe ich nicht gesagt", zitierte die Zeitung Steffel in einem Porträt. "Aber mich wundert, was alles im Wahlkampf verzerrt werden kann. Einem Jugendlichen rutscht so was schon mal raus."

Am Mittwoch dann klang das schon ganz anders. Kaum war der "Max"-Bericht raus, dementierte Steffel rundheraus: "Dieses Vokabular entsprach schon damals nicht meinem Wortschatz und natürlich auch heute nicht", ließ er schriftlich mitteilen. "Es ist abwegig und auch leicht durchschaubar, was da heute läuft. Man muss in diesem Wahlkampf auf alles gefasst sein, auf alle Diffamierungsmittel, auch wenn sie sich auf einen damals 15-Jährigen beziehen." Persönlich war Steffel für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

"Max" stellte am Donnerstag den Mitschnitt des Steffel-Interviews vom 15. August ins Internet. Die Illustrierte greife zu diesem "ungewöhnlichen Mittel", um die Kritik der CDU zu entkräften, sie habe Steffel niemals mit den Vorwürfen konfrontiert.

Die Reporter: "Haben sie Schwarze als 'Bimbos', Türken als 'Kanaken' und Behinderte als 'Bongos' bezeichnet?" Steffel antwortete: "Ich würde nicht sagen, ich habe so was nicht gesagt. Das sind, glaube ich, Begriffe, die ein 13-,14-,15-, 16-Jähriger ganz normal benutzt." Desweiteren sagte Steffel: "Ich schließe nicht aus, dass ich mal irgendwann zu irgendeinem Türken in der Disco, wenn er meine Freundin angebaggert hat, gesagt habe, Du Scheiß-Ausländer."

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