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Auslandseinsatz Zahl der traumatisierten Bundeswehr-Soldaten steigt rasant

Der Kampf am Hindukusch hinterlässt Spuren in der Psyche: Zeitungsberichten zufolge ist die Zahl der Bundeswehrsoldaten mit posttraumatischen Störungen sprunghaft angestiegen, Hilfe für die Betroffenen gibt es kaum.

Auslandseinsätze wie in Afghanistan

Koblenz/München - Die Zahl von Bundeswehrsoldaten mit psychischen Problemen und Traumata ist Presseberichten zufolge in den vergangenen Monaten sprunghaft gestiegen. Besonders die führten zu sogenannten posttraumatischen Belastungsstörungen, schreiben die "Rhein-Zeitung" aus Koblenz sowie die "Süddeutsche Zeitung".

Beide Blätter beziehen sich auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsabgeordneten Elke Hoff im Verteidigungsausschuss des Parlaments. Laut "Rhein-Zeitung" stieg die Zahl der Soldaten, bei denen erstmals solche Störungen festgestellt wurden, allein im ersten Halbjahr 2009 um 35 Prozent auf 163 Fälle an. Im gesamten vergangenen Jahr seien 245 Fälle gezählt worden, davon 226 in Afghanistan. Zum Vergleich: Im Jahr 2006 wurden nur 55 Soldaten wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung behandelt.

Bundeswehr

Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, hat die zudem nicht genügend Psychiater, um Betroffene zu betreuen. Nur die Hälfte der insgesamt 40 Facharztstellen für Psychiatrie im Sanitätsdienst der Truppe seien besetzt. Für 4500 Soldaten im Afghanistan-Einsatz gebe es lediglich einen Psychiater. Die "Rhein-Zeitung" schreibt, zwei Betreuer stünden am Hindukusch "für direkte Hilfe zur Verfügung". Sie gehörten nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr aber zu einem Netz aus Seelsorgern und Truppenärzten.

Die FDP-Politikerin Hoff fordert nun mehr stationäre Behandlungsplätze für die betroffenen Soldaten. Zudem dürften die psychischen Probleme nach dem Auslandseinsatz nicht zum Karriereknick führen. Soldaten würden ihre Probleme dann eher verschweigen, sagte Hoff der "Rhein-Zeitung".

anr/dpa/AFP/ddp