Ausschreitungen in Polen Kaczynski hetzt gegen deutsche Linksautonome

Fast die Hälfte der in Polen festgenommenen Deutschen ist wieder auf freiem Fuß. Die Linksautonomen sollen sich an Straßenschlachten beteiligt haben. Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski riskierte nun einen gewagten Vergleich.

Jaroslaw Kaczynski Brother of the late Polish President Lech Kaczynski, Jaroslaw Kaczynski, speaks at a news
REUTERS

Jaroslaw Kaczynski Brother of the late Polish President Lech Kaczynski, Jaroslaw Kaczynski, speaks at a news


Warschau - Deutsche Autonome und polnische Skinheads haben bei zwei Demonstrationen in Warschau eine Spur der Zerstörung hinterlassen. Nachdem die Polizei in der polnischen Hauptstadt Dutzende Demonstranten festgenommen hatte - darunter 92 Deutsche aus der links-autonomen Szene - sind die meisten von ihnen mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Das Warschauer Bezirksgericht ließ am Sonntag 41 von ihnen wegen Mangels an Beweisen wieder frei. Es wird erwartet, dass auch die übrigen Deutschen bis zum Sonntagabend wieder freikommen.

Der nationalkonservative Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski verglich die deutschen Gewalttäter mit "dem Typ Deutscher, die das System schufen, das es Adolf Hitler erlaubte, schreckliche Verbrechen zu begehen". Polen seien dafür attackiert worden, dass sie am Tag der Unabhängigkeit ihres Staates nationale Symbole trugen. Jaroslaw ist der Zwillingsbruder des verstorbenen früheren polnischen Präsidenten Lech Kaczynski. Er war im April 2010 bei einem Flugzeugunglück im russischen Smolensk ums Leben gekommen.

Am polnischen Unabhängigkeitstag waren bei Zusammenstößen von Polizei und rechtsnationalen Demonstranten sowie Teilnehmern einer linken Gegendemonstration am Freitag insgesamt 210 Menschen festgenommen worden. Ministerpräsident Donald Tusk sprach sich als Konsequenz aus den Krawallen für ein Vermummungsverbot aus.

Antifa-Vertreter: Deutsche wurden bereits vor den Krawallen festgenommen

Ein Vertreter deutscher antifaschistischer Organisationen wies am Sonntag die Darstellung zurück, die deutschen Demonstranten seien mitverantwortlich für die Eskalation der Ereignisse. Die deutsche Gruppe sei seit dem Grenzübertritt von den polnischen Sicherheitsbehörden beobachtet worden, zitierte die polnische Nachrichtenagentur PAP einen Sprecher der Gruppe. Die Deutschen seien bereits in den Mittagstunden festgenommen worden. Die Ausschreitungen und Krawalle hätten aber erst am Nachmittag begonnen.

Wegen Angriffen auf Polizisten wurden zwei Polen zu jeweils drei Monaten Haft verurteilt. Bis Sonntagnachmittag erhob die Staatsanwaltschaft in 46 Fällen Anklage. Die meisten von ihnen sollen im Dezember vor Gericht verhandelt werden.

Der Polizei war es gelungen, beide Gruppen auseinanderzuhalten. Damit gerieten die Beamten allerdings ins Visier der Attacken von militanten Demonstranten beider Seiten. 40 Beamte wurden verletzt. Insgesamt 29 Verletzte mussten in Krankenhäusern behandelt werden. Zahlreiche Fahrzeuge wurden angezündet, unter anderem auch 14 Streifenwagen und ein Übertragungswagen des polnischen Fernsehens.

Nach den Krawallen hatte Staatspräsident Bronislaw Komorowski angeregt, über eine Verschärfung des Demonstrationsrechts nachzudenken. Organisatoren müssten unter anderem für Schäden bei Ausschreitungen zur Verantwortung gezogen werden können.

lgr/dpa

insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
Wolf_68, 13.11.2011
1. Auf Thema antworten
Zitat von sysopDie meisten der in Polen festgenommenen Deutschen sollen schnell wieder freikommen: Über 40 der 92 Linksautonomen sind offenbar bereits wegen Mangel an Beweisen auf freiem Fuß. Sie hatten gegen Rechtsnationale demonstriert - Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski riskierte nun einen gewagten Vergleich. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,797526,00.html
Sehr schade. Sie hätten ruhig einmal die Gegebenheiten des polnischen Strafvollzugs zusammen mit ein paar Hooligans in einer Zelle kennenlernen können. Ich hoffe, die polnische Polizei war wenigstens nicht nur verbal deeskalierend, dass uns linksautonomes Krawall machen als Exportschlager erspart geblieben ist.
Wolf_68, 13.11.2011
2. ....
Zitat von sysopDie meisten der in Polen festgenommenen Deutschen sollen schnell wieder freikommen: Über 40 der 92 Linksautonomen sind offenbar bereits wegen Mangel an Beweisen auf freiem Fuß. Sie hatten gegen Rechtsnationale demonstriert - Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski riskierte nun einen gewagten Vergleich. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,797526,00.html
Und überhaupt: was haben deutsche Linksautonome bei einer Veranstaltung zum Unabhängigkeitstag Polens zu suchen?
otto huebner 13.11.2011
3. mir waere es lieber gewesen ............
Zitat von Wolf_68Und überhaupt: was haben deutsche Linksautonome bei einer Veranstaltung zum Unabhängigkeitstag Polens zu suchen?
wenn diese leute schnell und HART bestraft worden waeren. danach einreise-verbot ..........
Annika Hansen, 13.11.2011
4. ...
Zitat von Wolf_68Und überhaupt: was haben deutsche Linksautonome bei einer Veranstaltung zum Unabhängigkeitstag Polens zu suchen?
Sehe ich auch so. Und so gewagt ist der Vergleich von Kaczynski nun auch wieder nicht. Eher zutreffend und ich kann da auch keine Hetze gegen Linksautonome erkennen. Ich nenne es berechtigte Entrüstung. Wie nennt man das wohl, wenn deutsche Linksautonome nach Polen fahren, um dort die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag gewalttätig zu stören und die Innenstadt von Warschau zu demolieren? Es ist ein zutiefst undemokratischer und menschenverachtender Akt, für den es keine Rechtfertigung gibt. Insofern ist der Vergleich zutreffend. Hitlers SA hat sich auch einen Dreck um demokratische Grundrechte und um das Leben und die körperliche Unversehrtheit der politischen Gegner geschert. Den Vergleich werden die deutschen Linksautonomen aushalten müssen.
Meshada 13.11.2011
5. .
Zitat von Wolf_68Sehr schade. Sie hätten ruhig einmal die Gegebenheiten des polnischen Strafvollzugs zusammen mit ein paar Hooligans in einer Zelle kennenlernen können. Ich hoffe, die polnische Polizei war wenigstens nicht nur verbal deeskalierend, dass uns linksautonomes Krawall machen als Exportschlager erspart geblieben ist.
Ohne irgend etwas getan zu haben? Sie haben eine seltsame Vorstellung von Recht und Ordnung. Die 40 sind nicht ohne Grund auf freiem Fuß.
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