Auswärtiges Amt Baerbock wirft SPD-nahen Staatssekretär raus

Überraschender Wechsel im AA: Ministerin Baerbock ersetzt nach SPIEGEL-Informationen den als SPD-nah geltenden Staatssekretär Miguel Berger durch den bisherigen Botschafter in London, Andreas Michaelis.
Miguel Berger (2020)

Miguel Berger (2020)

Foto: Felix Zahn / photothek / IMAGO

Außenministerin Annalena Baerbock ersetzt Miguel Berger, den bisherigen Staatssekretär im Auswärtigen Amt. Das erfuhr der SPIEGEL aus Regierungskreisen. Der 60-Jährige gilt als SPD-nah und war von Baerbocks Vorgänger Heiko Maas auf den Posten berufen worden.

Bergers Nachfolger soll der bisherige deutsche Botschafter in Großbritannien, Andreas Michaelis, werden. Die Personalie an der Spitze des Ministeriums sorgt im Auswärtigen Amt für Aufsehen, schließlich war Michaelis bereits von 2018 bis 2020 Staatssekretär – und Vorgänger von Berger.

Michaelis ist Mitglied der Grünen. Er begann seine Karriere an der Seite des damaligen grünen Außenministers Joschka Fischer, zunächst als stellvertretender Sprecher, dann als Sprecher, später wurde er Botschafter in Tel Aviv und anschließend Politischer Direktor des Auswärtigen Amts.

Andreas Michaelis (2018)

Andreas Michaelis (2018)

Foto: Thomas Koehler / photothek / IMAGO

Baerbocks Personalentscheidung gilt als Signal für die besonders von den Grünen propagierte »wertebasierte« Außenpolitik. Offenbar traute die grüne Ministerin Berger diesen Kurs nicht zu.

Zudem gilt Berger als vorbelastet, da er bei der zögerlich angelaufenen Evakuierung der Deutschen Botschaft in Kabul eine tragende Rolle spielte. Neben anderen Topbeamten wird er sich dazu vor dem von der Ampelkoalition beschlossenen Untersuchungsausschuss verteidigen müssen.

Berger hatte sich beim Regierungswechsel einen Posten im Kanzleramt erhofft. Er wäre gern außenpolitischer Berater von Olaf Scholz geworden – der Kanzler entschied sich aber für Jens Plötner, den bisherigen Politischen Direktor des Auswärtigen Amts.

Im Auswärtigen Amt waren viele davon ausgegangen, dass Berger seinen Posten behält. Bei der Amtsübergabe in der vergangenen Woche saß er in seiner bisherigen Funktion im »Weltsaal« des Auswärtigen Amts, als Baerbock den vakanten Posten der zweiten Staatssekretärin besetzte und dafür die bisherige Abteilungsleiterin Susanne Baumann vorstellte.

Noch ist unklar, was nun aus Berger wird. Da er noch nicht zwei Jahre Staatssekretär war, stünde ihm bei einem vorzeitigen Ruhestand keine Staatssekretärs-Pension zu.

In der Regel fand sich für politische Beamte, die nach einem Regierungswechsel ausgetauscht wurden, immer eine akzeptable Lösung. Im Sommer werden diverse Top-Botschafterposten frei, eventuell käme einer davon für den ehemaligen Staatssekretär in Betracht.

csc/mgb/als
Mehr lesen über