Nach "Entsorgen"-Eklat "Gauland sitzt im Plenum vor mir, aber reden muss ich mit dem nicht"

Auf die Hetze folgte die Solidarität: Nach den Anfeindungen durch AfD-Chef Gauland erhielt Aydan Özoguz Zuspruch von vielen Seiten. Im SPIEGEL berichtet die SPD-Politikerin aber auch von massiven Beleidigungen.
Aydan Özoguz

Aydan Özoguz

Foto: Adam Berry/ Getty Images

Die SPD-Politikerin Aydan Özoguz erfuhr nach eigenen Angaben eine Solidaritätswelle, nachdem der heutige AfD-Chef Alexander Gauland im Sommer dazu aufgerufen hatte, sie zu "entsorgen". "Ich habe damals gleich gemerkt: Jetzt ist irgendwas anders", sagte Özoguz dem SPIEGEL.

"Aus fast allen Parteien habe ich Solidarität erfahren. Die Kanzlerin wies damals gleich auf ihrer Sommerpressekonferenz diese Angriffe zurück, wofür ich mich per SMS bei ihr bedankte. Sie schrieb mir dann sehr nett zurück. Ich bekam auch von der Jungen Union aus dem Eichsfeld einen bemerkenswerten Brief", berichtete die Integrationsbeauftragte. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Auch Begegnungen in der Öffentlichkeit hätten sich seitdem verändert: "Menschen, die ich gar nicht kenne, bezeugen mir ihre Solidarität auf der Straße. Ich denke nicht, dass das von Herrn Gauland beabsichtigt war."

Gleichzeitig gebe es bis heute Anfeindungen gegen sie, vor allem im Internet. "Mein Facebook-Profil quillt immer noch über", so Özoguz. "Wenn es sehr heftig wird, mache ich einen Screenshot und leite das an die Polizei zur Anzeige weiter. Es gab mal jemanden, der schrieb, man müsste mich mit heißem Öl übergießen und mir die Haut abziehen." Folgen habe der Fall nicht gehabt. "Die Polizei meinte, man könne gegen den Nutzer nichts machen, weil er im Konjunktiv geschrieben hatte."

Mit Gauland selbst möchte die Sozialdemokratin nicht über den Fall sprechen. "Der sitzt im Plenum jetzt immer vor mir, aber reden muss ich mit dem nicht. Es ist ja nicht so, dass man über so einen Satz eine sachliche Debatte führen kann. Das war schlicht und einfach Hetze."

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