SPIEGEL-Umfrage vor Landtagswahlen Kretschmanns Grüne klar vorn, Dreyer-SPD im Aufwärtstrend

In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz wird am Sonntag gewählt. Die SPIEGEL-Umfrage zeigt: In beiden Ländern können die Amtsinhaber darauf hoffen, weiterzuregieren. Die CDU schwächelt.
Malu Dreyer, Winfried Kretschmann (im Juni 2017) in Ludwigshafen

Malu Dreyer, Winfried Kretschmann (im Juni 2017) in Ludwigshafen

Foto: Jens Krick / Future Image / imago images

Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz eröffnen am Sonntag das Superwahljahr 2021 – in beiden Bundesländern werden neue Landesparlamente gewählt.

Die CDU hatte sich lange Zeit Chancen ausgerechnet, die Staatskanzleien zu erobern. Doch auf der Zielgeraden schwächelt die Union, und die Maskenaffäre um Georg Nüßlein und Nikolas Löbel (der aus Baden-Württemberg kommt) könnte verbliebene Siegeshoffnungen endgültig zunichtemachen.

CDU verliert in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz in der Wählergunst

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des SPIEGEL sieht die CDU sowohl in Baden-Württemberg wie in Rheinland-Pfalz im Hintertreffen. Umgekehrt zeigen die Zahlen die Stärke der jeweiligen Regierungsparteien.

  • In Baden-Württemberg kommen die Grünen laut Umfrage auf rund 32 Prozent – sie wären damit deutlich stärkste Kraft und lägen sogar leicht besser als bei der Wahl vor fünf Jahren. Die CDU kommt auf rund 24 Prozent – das wäre weniger als 2016.

  • In Rheinland-Pfalz zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD mit rund 31 Prozent und CDU mit rund 30 Prozent ab. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren holten die Sozialdemokraten knapp über 36 Prozent, die CDU knapp unter 32.

Die Zahlen geben die Wahlpräferenz der Wahlberechtigten in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz wieder. Es wurden 2.069 Wahlberechtigte in Baden-Württemberg und 2.020 Wahlberechtigte in Rheinland-Pfalz repräsentativ befragt, der Befragungszeitraum war bei beiden Umfragen der 2. bis 9. März 2021. (Lesen Sie hier Hintergründe zur Civey-Methodik.)

Eine Prognose des Wahlausgangs liefern die Umfragen nicht: Vom Zeitpunkt der letzten Befragung am Dienstag bis zur Schließung der Wahllokale am Sonntag sind es noch fünf Tage. Vor allem taktisch Wählende könnten sich noch umentscheiden. Unter anderem bei den Wahlen in Brandenburg und Sachsen war das in der Vergangenheit der Fall.

In Baden-Württemberg holen die Grünen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann in der Wahlpräferenz stabil ein Drittel der Stimmen, für die CDU sprechen sich nur ein knappes Viertel aus. Die SPD käme auf rund 13 Prozent, die AfD auf rund 12 Prozent, die FDP auf rund 10 Prozent. Die Zahlen liegen eng beieinander – eine Aussage darüber, wer am Ende auf Platz drei landen wird, ist kaum möglich.

Vor fünf Jahren war die AfD mit rund 15 Prozent drittstärkste Kraft, die SPD landete noch dahinter. Ob die Linkspartei diesmal in den Stuttgarter Landtag einziehen kann, lässt sich kaum vorhersagen. Aktuell liegt sie bei rund 4 Prozent.

Was bedeuten die Zahlen für eine mögliche Regierung? Sowohl die Fortsetzung von Grün-Schwarz als auch eine Ampelkoalition unter grüner Führung wäre denkbar, auch Grün-Rot ist in Reichweite.

In Rheinland-Pfalz liegen SPD und CDU dicht beieinander. Der Trend spricht aber für die Sozialdemokraten, die in den letzten Wochen stark aufgeholt haben. Zudem kann SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer im Wahlkampfendspurt auf den Amtsinhaberinnenbonus hoffen.

Die Grünen liegen mit rund 13 Prozent deutlich dahinter auf dem dritten Platz. Dies würde einen deutlichen Zugewinn im Vergleich zur letzten Wahl vor fünf Jahren bedeuten, als die Partei nur knapp über der Fünfprozenthürde landete.

Die AfD müsste dagegen Verluste hinnehme, laut Umfrage kommt sie auf rund 9 Prozent, 2016 war sie mit 12,6 Prozent noch zweistellig. Die FDP könnte von knapp über 6 auf rund 8 Prozent zulegen.

Die Linke liegt bei rund 2 Prozent. Damit wäre sie auch unter Berücksichtigung des Fehlerintervalls nicht im Landtag vertreten.

Was bedeuten die Zahlen für eine mögliche Regierung? Die regierende Ampelkoalition unter SPD-Führung hätte erneut die Mehrheit. Rechnerisch wäre auch ein Jamaikabündnis mit CDU-Ministerpräsident denkbar.

Unklar ist, ob die Wählerinnen und Wähler in Baden-Württemberg wie Rheinland-Pfalz auch dem Pandemie-Management der Landes- und Bundesregierung ein Zeugnis ausstellen wollen. Auf Bundesebene steht vor allem Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wegen der zähen Impfkampagne und einer verstolperten Teststrategie seit Wochen in der Kritik.

Auch die tatsächlichen Auswirkungen der Maskenaffäre sind bisher nur schwer messbar. Sicher aber ist: Auch wenn es um Landtagswahlen geht, helfen wird der Skandal der CDU nicht.