Bärbel Höhn Beerbt sie Andrea Fischer?

"Dass ich gelobt werde, finde ich berechtigt": Die selbstbewusste grüne Umweltministerin Bärbel Höhn aus Nordrhein-Westfalen profilierte sich während der BSE-Krise und wird als Fischer-Nachfolgerin gehandelt.


Vielleicht-Nachfolgerin: Beerbt Bärbel Höhn Andrea Fischer?
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Vielleicht-Nachfolgerin: Beerbt Bärbel Höhn Andrea Fischer?

In der BSE-Krise hat sich vor allem die grüne nordrhein-westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn durch frühzeitige und vehemente Warnungen profiliert. Nachdem der erste BSE-Fall in Deutschland bekannt geworden war, wechselte ihr Image schlagartig. Jahrelang galt sie als "das Biest", das Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) in der rot-grünen Koalition am Rhein hartnäckig das Leben schwer macht. Reizwort: Der Braunkohletagebau Garzweiler II.

Als Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke (SPD) noch vom "BSE-freien Deutschland" sprach, warnte Höhn bereits nachdrücklich vor "unverantwortlichen" Rindfleisch-Exportlockerungen für Großbritannien, laxen Kontrollen und forderte umfassende Lebensmittel-Etikettierungen mit lückenlosen Herkunftsangaben.

Die richtige Nase und feines politisches Gespür hatte Höhn vor allem im Frühjahr 1999 bewiesen: In einem europaweit einmaligen Pilotprojekt ließ sie über 5000 Schlachtrinder in NRW auf BSE untersuchen und verhalf so einem damals noch umstrittenen Schweizer Schnelltest zur EU-Anerkennung.

In den vergangenen Monaten setzte sich die NRW-Ministerin national und europaweit an die Spitze der Kritiker, die konsequentere Maßnahmen für den Verbraucherschutz forderten und eine wirtschaftsorientierte Agrarpolitik anprangerten. Auf ihren Alleingängen ließ sie auch die grüne Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer hinter sich.

Unnachgiebig setzte sie die rot-grüne Bundesregierung mit ihrer Forderung unter Druck, mindestens alle Rinder ab dem 20. Lebensmonat, am besten aber alle, die in die Nahrungskette gehen, auf BSE zu testen.

Im Konflikt um eine Neuorientierung der Agrarpolitik präsentierte Höhn am Dienstag unter starkem Medienandrang "Eckpunkte für eine zukunftsweisende Landwirtschafts- und Verbraucherpolitik auf Landes- , Bundes- und EU-Ebene".

Einige Medien handeln die "ministrable Grüne" sogar bereits als Mitglied für das Kabinett von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). "Erste Wahl, wenn Funke oder Fischer kippen", ist selbst in Zeitungen zu lesen, die nicht verdächtig sind, den Grünen nahe zu stehen.

Während Funke in Hessen eigene Versäumnisse in der BSE-Krise einräumte, attackierte Höhn in Düsseldorf die Langsamkeit des Ministers ("Er war nicht immer der Schnellste.") und schloss einen Wechsel in Schröders Kabinett nicht aus. Die Politikerin aus dem linken grünen Spektrum bezeichnete den Kanzler als "großen Verbündeten" im Kampf um einen besseren Verbraucherschutz.

Auch Clement, dem während der bald sechsjährigen rot-grünen Verbindung auf Landesebene ein eher schlechtes Verhältnis zu Höhn nachgesagt wurde, zollte seiner Ministerin, die in NRW Landwirtschaft, Verbraucher- und Umweltschutz verantwortlich bündelt, öffentlich Respekt.

"Sie sehen ja, dass ich mich momentan sehr gut mit Herrn Clement verstehe", wiegelte die 48-jährige Diplom-Mathematikerin am Dienstag grinsend die Personalspekulationen ab. Die Früchte ihrer Arbeit könne sie nun am besten in NRW ernten, sagte sie mit Blick auf die Organisation des Berliner Landwirtschaftsministeriums.

Ausschließen wollte sie einen Sprung nach Berlin jedoch nicht. Angst vor der großen Aufgabe ließ die Mutter zweier Kinder jedenfalls nicht erkennen: "Dass ich gelobt werde, finde ich berechtigt."

Von Bettina Grönewald, dpa



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