SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

23. März 2012, 21:35 Uhr

Kostenexplosion

Stuttgart 21 wird teurer und ein Jahr später fertig

Das umstrittene Milliardenprojekt Stuttgart 21 geht erst Ende 2020 in Betrieb. Die Bahn erklärt die Verspätung mit einem verzögerten Beginn des Grundwassermanagements. Die Kosten für den Bahnhofsumbau steigen auf 4,3 Milliarden Euro.  

Stuttgart - Kritiker des Großprojekts hatten es vorausgesagt: Der Bahnhofsumbau Stuttgart 21 wird teurer - und später fertig als geplant. Dies kündigten der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und Bahn-Infrastrukturvorstand Volker Kefer am Freitag in Stuttgart nach einer Sitzung des sogenannten Lenkungskreises der Projektpartner an.

Kefer erläuterte, nachdem nun mehr 50 Prozent der Bauaufträge vergeben worden seien, lägen die Kosten gemäß der Prognose der Bahn nun bei 4,3 Milliarden Euro. Bisher war das Projekt immer auf 4,1 Milliarden Euro kalkuliert worden. "Wir betrachten das mit Sorgen", sagte Verkehrsminister Hermann. Er werde alles dafür tun, dass der Kostendeckel von 4,5 Milliarden Euro gehalten werde.

Laut Bahn-Vorstand Kefer kann das Projekt zudem erst Ende 2020, ein Jahr später als geplant, fertiggestellt werden. Dies liege daran, dass sich das Grundwassermanagement verzögere und erst im Januar 2013 begonnen werden könne. Der eigentliche Tiefbau könne folglich nicht, wie geplant, schon in der zweiten Jahreshälfte 2012 beginnen.

An der Finanzierung des Milliardenprojekts wird immer wieder Kritik laut. Zuletzt zeigten unbekannte Dokumente nach SPIEGEL-Informationen, dass die damalige Landesregierung schon 2009 mit höheren Kosten rechnete - und auf Grundlage von Bahn-Unterlagen eine Gesamtsumme von mindestens 4,9 Milliarden Euro kalkuliert hatten.

Bereits Ende September vergangenen Jahres hatten Meldungen über einen Kostenschub in Höhe von 370 Millionen Euro die Stimmung im Lenkungskreis angeheizt. Darin waren zudem auch nur Risiken aus der Planung und bisherigen Auftragsvergabe enthalten. Baden-Württembergs Landesregierung hatte daraufhin neue Zweifel an den Berechnungen der Bahn geäußert.

Streit über Kosten infolge der Schlichtung

Umstritten zwischen Bahn und Projektpartnern sind zudem die Mehrkosten aus der Schlichtung des Projekts von 80 Millionen Euro. Diese sind aus Sicht der Bahn in die 4,3 Milliarden Euro noch nicht mit eingerechnet. Die Bahn verlangt eine zusätzliche Finanzierungsvereinbarung. Die Projektpartner betrachten die Verbesserungsvorschläge aus der Schlichtung, darunter ein zusätzliches Gleis am Flughafenbahnhof und eine doppelte Signalisierungstechnik, "selbstverständlich als Teil des Gesamtprojektes", wie Hermann sagte. Weitere Kosten wollten sie nicht übernehmen.

Um diesen Streitpunkt zu klären, soll nun zunächst der sogenannte Filder-Dialog beendet werden: Bei dem Abschnitt auf den Fildern in Richtung Flughafen sehen Bürgerinitiativen sowie die grün-rote Landesregierung noch Verbesserungsbedarf. Diese sollen in einem Bürgerdialog im Frühjahr diskutiert werden.

bos/dapd/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung