"Balkan-Syndrom" Erster deutscher Soldat erkrankt?

Die Bundesregierung hat bisher betont, dass kein deutscher Soldat in Bosnien oder im Kosovo mit Uran-Munition verseucht worden sei. Nun gibt es Berichte, dass ein Bundeswehrsoldat nach seinem Bosnien-Einsatz an Leukämie erkrankte. Das Verteidigungsministerium prüft den Fall.


Deutsche Kfor-Soldaten 1999 im Kososvo
AP

Deutsche Kfor-Soldaten 1999 im Kososvo

Berlin - Die ARD-Tagesschau und die "Bild"-Zeitung berichteten von einem ehemaligen Soldaten, der im zweiten Halbjahr 1997 im bosnischen Mostar stationiert war. Dieser Soldat erkrankte im Januar 1998 an Leukämie. Nach einer längeren Behandlung gilt er nach Darstellung der Zeitung heute als geheilt. Das Blatt zitiert den Mann mit den Worten: "Ich war sehr traurig, als die Bundeswehr bekannt gab, dass es keinen deutschen Soldaten gibt, der erkrankt ist. Denn sie wissen von mir." Er sei am 31. März vorigen Jahres aus der Bundeswehr ausgeschieden.

Der jetzt in den Medien genannte konkrete Fall werde überprüft, betonte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. In der Region Mostar sei die von den US- Streitkräften verwendete Uran-Munition nicht eingesetzt worden, doch könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Soldat sich auch in anderen Gebieten aufgehalten habe.

Ein Sprecher wies darauf hin, dass auf dem Balkan bislang etwa 50.000 deutsche Soldaten eingesetzt worden sind. Selbstverständlich sei eine Leukämie-Erkrankung immer zu bedauern. Schon statistisch sei es aber wahrscheinlich, dass es auch in dieser großen Zahl von Soldaten solche Fälle gebe. Betroffene Soldaten, die den Verdacht hätten, ihre Erkrankung könne etwas mit der uranhaltigen Munition zu tun haben, würden selbstverständlich daraufhin untersucht, wenn sie es wünschten.

Uran-Geschosse wurden von der Nato in Bosnien und im Frühjahr 1999 im Kosovo gegen Panzer und Befestigungen eingesetzt. Medienberichten zufolge wurden von der Nato 31.000 Geschosse mit abgereichertem Uran im Kosovo-Krieg eingesetzt. Abgereichertes Uran hat ein hohes spezifisches Gewicht und wird deswegen in den Spitzen von Raketen, Granaten und Kugeln eingesetzt, um deren Durchschlagskraft insbesondere gegen gepanzerte Ziele zu erhöhen. Beim Aufprall kann das Uran zu einem radioaktiven Staub pulverisiert werden.



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