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09. Oktober 2018, 21:52 Uhr

Belgien

Deutschland liefert terrorverdächtigen Iraner aus

Deutschland hat einen terrorverdächtigen Iraner an Belgien ausgeliefert. Er soll für einen geplanten Anschlag auf 25 000 Menschen in Frankreich verantwortlich sein und für Iran oppositionelle Gruppen bekämpfen.

Deutschland hat den unter Anschlagsverdacht stehenden Diplomaten Assadollah A. an Belgien ausgeliefert. Der Iraner komme dort zunächst vor Gericht, sagte die Staatsanwaltschaft in Brüssel.

Polizisten nahmen den seit 2014 in Wien akkreditierten Diplomaten Anfang Juli in Unterfranken fest, weil der Diplomatenstatus ihn nur in Österreich vor Strafverfolgung schützte. Die belgische Justiz hatte einen europäischen Haftbefehl beantragt. Vor einigen Tagen hatte das Oberlandesgericht Bamberg der Auslieferung zugestimmt.

Die für Terrorismus zuständige belgische Staatsanwaltschaft verdächtigt A., an der Planung eines Anschlags auf iranische Oppositionelle in Frankreich beteiligt gewesen zu sein. Auch deutsche Ermittler vermuten A.s Mitschuld.

Den Ermittlungserkenntnissen zufolge sollte am 30. Juni ein Bombenattentat auf 25.000 Teilnehmer eines Jahrestreffens des Nationalen Widerstandsrats Iran (NWRI)verübt werden. Der NWRI ist ein in Paris ansässiger Zusammenschluss iranischer Oppositionsgruppen.

Assadollah A. soll der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe zufolge ein in Belgien lebendes Ehepaar mit dem Anschlag beauftragt und ihm dafür auch eine Vorrichtung mit 500 Gramm Sprengstoff übergeben haben.

Nach den Ermittlungen ist A. vermutlich ein Mitarbeiter des iranischen Geheimdienst- und Sicherheitsministeriums MOIS, das für die Beobachtung und Bekämpfung oppositioneller Gruppen zuständig sei.

Bereits im Juli demonstrierten zahlreiche Iraner für die Auslieferung des Diplomaten in Berlin.

mje/AFP

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