Bamf 56.127 Asyl-Erstanträge zwischen Januar und April

Die Bamf-Chefin wird gefeuert - der Leiter des operativen Bereichs darf indes bleiben. Die Behörde steht unter Druck, aber wie viele Fälle hat sie eigentlich zu bearbeiten? Hier sind die Zahlen.
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Foto: Daniel Karmann/ dpa

Innenminister Horst Seehofer (CSU) hat diese Woche Jutta Cordt, die Chefin des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf), aus dem Amt geworfen. Sie hatte den Posten erst Anfang 2017 angetreten. Bamf-Vizepräsidentin Uta Dauke hatte die Behörde schon zuvor verlassen. Sie habe einen neuen, gut dotierten Posten im Bundesinnenministerium übernommen, hieß es aus der Nürnberger Zentrale.

Der Arbeitsvertrag von Rudolf Knorr, der den operativen Bereich des Bamf leitet, wurde hingegen bis Ende des Jahres verlängert. Knorr habe den Außenstellen strenge Vorgaben gemacht, wie viele Fälle sie in einer bestimmten Zeit zu bearbeiten hätten, hieß es aus dem Amt. Durch diesen Druck sei es zu Qualitätsmängeln und etlichen falschen Asyl-Bewilligungen gekommen.

Das Bamf hat zwischen Januar und April 2018 insgesamt 56.127 Asyl-Erstanträge entgegengenommen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres wurden 69.605 Erstanträge gestellt. Dies bedeutet einen Rückgang der Antragszahlen um 19,4 Prozent. Im Gesamtjahr 2017 wurden 198.317 Asyl-Erstanträge gestellt.

Berlin stellte bis April bereits 21.523 Übernahmeersuchen

Der Nachrichtenagentur Reuters und dem Bayerischen Rundfunk zufolge stellte Deutschland im Rahmen des Dublin-Verfahrens von Januar bis einschließlich April 2018 insgesamt 21.523 Übernahmeersuchen an andere EU-Staaten. In 14.652 Fällen stimmten die Mitgliedstaaten der Übernahme zu. 3178 Personen wurden in diese Länder zurückgesandt.

Zum Vergleich: Im Vorjahr hatte Deutschland 64.267 Ersuchen an andere EU-Mitgliedstaaten im Rahmen des Dublin-Verfahrens gestellt. In 46.873 Fällen stimmten die Mitgliedstaaten der Übernahme zu. 7102 Menschen wurden dann auch tatsächlich in diese Länder überstellt. Insgesamt wies Deutschland im Vorjahr 12.370 Menschen an seinen Grenzen zurück. Der Hauptgrund: das Fehlen eines gültigen Reisedokuments.

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In der Union tobt der Streit zwischen CDU und CSU über die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) derweil weiter heftig. Grund des massiven Konflikts ist ein Vorstoß von Seehofer. Er will Migranten an der Grenze zurückweisen lassen, die schon in einem anderen EU-Land Asyl beantragt haben. Das lehnt Merkel strikt ab. Sie fordert eine europäische Lösung. Kritiker werfen Seehofer vor, aus parteitaktischen Motiven zu handeln: Am 14. Oktober wird in Bayern gewählt.

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dop/dpa/Reuters
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