Niedersachsens Ex-Minister Bartling "Edathy hatte einen Informanten"

Wurde Sebastian Edathy vor möglichen Ermittlungen gewarnt? Er selbst hat dies im SPIEGEL bestritten, doch jetzt behauptet der frühere niedersächsische Innenminister Bartling: Es gab sehr wohl einen Informanten. Dies habe ihm Edathy persönlich gesagt.
SPD-Politiker Bartling (Archivbild): "Da läuft etwas gegen dich"

SPD-Politiker Bartling (Archivbild): "Da läuft etwas gegen dich"

Foto: Holger Hollemann/ picture alliance / dpa

Berlin/Hannover - Der unter Kinderporno-Verdacht stehende SPD-Politiker Sebastian Edathy hat nach Angaben des ehemaligen niedersächsischen Innenministers Heiner Bartling einen Tippgeber zu den Verdächtigungen gegen sich gehabt.

Bartling sagte im NDR , Edathy selbst habe ihm darüber berichtet. Der Informant habe demnach sinngemäß erklärt: "Da läuft etwas gegen dich, was zu einem Ermittlungsverfahren führen kann." Konkreter sei der Hinweisgeber nicht geworden, sagte der SPD-Politiker Bartling in dem Interview vom Montag.

Edathy habe ihm gegenüber auch "nicht spezifiziert", wer der Informant gewesen sei, sagte Bartling. Er habe aber den Eindruck aus dem Gespräch mit Edathy in der vergangenen Woche gewonnen, dass es sich nicht um einen Hinweisgeber aus dem politischen Bereich gehandelt habe.

"Riesiger Personenkreis" habe Bescheid gewusst

Dass die streng vertraulichen Informationen an Edathy herangetragen worden seien, sei angesichts des "riesigen Personenkreises" kaum verwunderlich, der über den Verdacht gegen Edathy Bescheid gewusst habe. Neben dem Bundeskriminalamt sollen auch die 16 Landeskriminalämter und lokale Polizeistellen informiert gewesen sein.

Edathy selbst hatte im SPIEGEL bestritten, dass ihn jemand gewarnt habe. Er gab an, erst vergangene Woche von den Ermittlungen erfahren, diese aber schon seit November befürchtet zu haben - weil er in den Medien von Ermittlungen gegen die kanadische Firma gelesen hatte, deren Kunde er gewesen war. Die Strafverfolgungsbehörden gehen allerdings Hinweisen nach, dass der SPD-Politiker gewarnt worden sein könnte.

Am Freitag war Landwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich zurückgetreten, weil er als damaliger Innenminister SPD-Chef Sigmar Gabriel im vergangenen Jahr informiert hatte, dass Edathys Name im Zuge internationaler Ermittlungen aufgetaucht sei. Im Zentrum der Kritik seitens der Union steht SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann, weil dieser die Informationsweitergabe durch Friedrich bekanntgemacht hatte.

Gegen Edathy wird ermittelt, weil er kinderpornografisches Material besessen haben soll. Er soll Filme und Bilder von unbekleideten Jungen bei einem kanadischen Porno-Versand bestellt haben. Strittig ist aber, ob das Material auch strafrechtlich relevant ist. Edathy bestreitet illegales Handeln.

fab/Reuters
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