Bayerische Landtagswahlen Pauli fordert Beckstein heraus

Politisches Comeback für Gabriele Pauli: Die einstige CSU-Rebellin hat bei den Freien Wählern angeheuert - und tritt bei den Landtagswahlen als direkte Gegenkandidatin von Ministerpräsident Beckstein an. Ihre neue Partei ist darüber allerdings gar nicht so glücklich.


München/Nürnberg - Die frühere CSU-Rebellin Gabriele Pauli kehrt auf die politische Bühne zurück. Bei der Landtagswahl im September will sie als Direktkandidatin der Freien Wähler (FW) im Stimmkreis Nürnberg Nord antreten - und damit gegen Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU).

Engel Pauli und Ritter Beckstein (bei einer Fastnachtssitzung in Veitshöchheim im Februar 2007): Konkurrenten bei der Landtagswahl
DPA

Engel Pauli und Ritter Beckstein (bei einer Fastnachtssitzung in Veitshöchheim im Februar 2007): Konkurrenten bei der Landtagswahl

Die Nürnberger Stimmkreisverwaltung der FW nominierte sie als Direktkandidatin für den Stimmbezirk Nürnberg-Nord, in dem auch Beckstein kandidiert, wie der FW-Landesvorstand am Sonntag in München erklärte. Pauli sei inzwischen auch Mitglied der FW.

Die langjährige Fürther Landrätin hatte mit Vorwürfen, wonach aus der bayerischen Staatskanzlei heraus versucht worden sei, sie privat zu kompromittieren, den Sturz von Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) eingeleitet. Ihre Kritik an dessen Führungsstil wurde von weiten Teilen der CSU mitgetragen und führte schließlich zum Rückzug Stoibers aus seinen Spitzenämtern.

Nach monatelangem Zwist trat die einstige CSU-Rebellin im vergangenen November schließlich aus der Partei aus. Ende April schied sie nach 18 Jahren auch als Fürther Landrätin aus. Ihre beruflichen Zukunftspläne hatte Pauli zunächst offen gelassen.

"Nicht glücklich"

Wirklich froh ist man bei den Freien Wählern nicht über das Engagement Paulis. Der Landesvorsitzende Hubert Aiwanger sagte der Nachrichtenagentur AP dazu: "Wir sind nicht glücklich darüber, aber wir können und werden nicht dagegen einschreiten." Er fügte hinzu: "Wir erwarten von Frau Pauli, dass sie sich bei den Freien Wählern einfügt, und denken, dass das auch funktionieren wird."

Aiwanger kritisierte, Pauli habe sich zu spät von der CSU gelöst und zudem Positionen vertreten, wie zum Beispiel die Befristung der Ehe auf sieben Jahre, die indiskutabel seien. Allerdings wollte er auch nicht ausschließen, sie über Nürnberg hinaus in die Kampagne für die Wahlen am 28. September einzubinden. "Da müssen wir jetzt mal sehen, wie die Nominierung aufgenommen wird und sich das entwickelt."

Gespräche Paulis über eine mögliche Spitzenkandidatur für die FW waren ergebnislos abgebrochen worden. Ob sie neben der Direktkandidatur auch einen aussichtsreichen Listenplatz bekommt, wird sich laut Aiwanger am Mittwoch entscheiden, wenn die Liste des Bezirks aufgestellt wird.

Die FW machen sich nach eigenen Angaben große Hoffnungen auf einen Einzug in den Landtag: "Wir gehen fest davon aus, dass wir über fünf Prozent kommen."

phw/AP/AFP/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.