Sebastian Fischer

Seehofer bei Putin Das falsche Signal

Horst Seehofer hat den russischen Präsidenten besucht. Keine einfache Nummer. Jetzt zeigt sich: Der CSU-Chef hat sich überschätzt.
Ministerpräsident Seehofer auf dem Roten Platz: Kritik an den Sanktionen

Ministerpräsident Seehofer auf dem Roten Platz: Kritik an den Sanktionen

Foto: Sven Hoppe/ dpa

Eines gleich mal vorweg, damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Dialog ist wichtig. Auch mit Putin, vor allem mit Putin. Wer nicht miteinander redet, der kann auch keine Konflikte lösen.

Dennoch: Die Reise des bayerischen Ministerpräsidenten und seines Vor-Vorgängers Edmund Stoiber zu Wladimir Putin nach Moskau, das zeigt sich jetzt, war ein Fehler. Nicht, weil Seehofer dort einen Dialog mit dem russischen Präsidenten führen wollte. Die Reise war formal völlig in Ordnung, Seehofer hat sie abgestimmt mit Kanzleramt und Außenministerium.

Der Punkt aber ist: Bei dieser Reise ging es gar nicht ums Formale, sie hatte keinen wirklichen Anlass. Mit einer Wirtschaftsdelegation etwa will Seehofer ja erst später im Jahr noch einmal nach Moskau. Und er wurde auch nicht als Merkels Mittler losgeschickt.

Der Besuch bei Putin spielte deshalb vornehmlich auf einer Meta-Ebene. Da sind Bilder wichtig, einzelne Sätze, die vor einem bestimmten Hintergrund stattfinden. Der Hintergrund in diesem Fall: Putins Konflikt mit Merkel in der Ukraine-Krise, Seehofers Konflikt mit Merkel in der Flüchtlingskrise.

Putin wusste um diesen Kontext, Seehofer natürlich auch. Aber Putin hatte in dieser Konstellation mehr zu gewinnen, Seehofer mehr zu verlieren. Es bleibt das Bild von der Umarmung Stoibers mit Putin. Es bleibt Seehofers Kritik an den Sanktionen des Westens gegen Russland. Und es bleibt der Eindruck eines Schulterschlusses mit dem Mann im Kreml.

Seehofer, Stoiber, Putin in Moskau

Seehofer, Stoiber, Putin in Moskau

Foto: Sven Hoppe/ dpa

Prima für Putin, der seit Monaten mit seinen Medien, mit seinen rechtspopulistischen Verbündeten vor Ort Zwietracht in Europa zu säen sucht. Die Flüchtlingskrise möchte er zu einer Krise des Westens machen. Dass Seehofer seinerseits Putin auch öffentlich aufgefordert hat, seine "Hausaufgaben" in Sachen Ukraine zu machen? Geschenkt.

Und egal, was der Bayer im privaten Gespräch mit dem russischen Präsidenten kritisch und im Einklang mit der Kanzlerin angemerkt haben mag - ob zur Ukraine-Krise oder zur Rolle Russlands in Syrien - entscheidend für Putin waren doch die Bilder, die ihm die beiden Merkel-Kritiker aus München geliefert haben. Als Zeichen von "Aufruhr in Deutschland" wertete Russlands Staatsfernsehen den Besuch Seehofers.

Horst Seehofer hat Wladimir Putin in dieser Woche einen Dienst erwiesen.

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