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30. September 2008, 07:44 Uhr

Bayern

CSU-Chef Huber tritt zurück

CSU-Chef Erwin Huber zieht die Konsequenzen aus dem Wahldebakel: Der Parteichef wird nach Informationen der Nachrichtenagenturen seinen Rücktritt erklären. Sein Nachfolger wird voraussichtlich Verbraucherminister Seehofer.

München - Die Nachrichtenagenturen berufen sich auf CSU-Kreise. Huber wird seine Entscheidung um 10 Uhr in der Parteizentrale in München bekanntgeben. Generalsekretärin Christine Haderthauer werde ebenfalls ihr Amt verlieren, meldet dpa.

Die CSU war bei der Landtagswahl am Sonntag von 60,7 auf 43,4 Prozent abgestürzt. Sie büßte ihre Alleinherrschaft ein und ist künftig auf einen Koalitionspartner angewiesen.

Erwin Huber: Rücktritt am Vormittag
DDP

Erwin Huber: Rücktritt am Vormittag

Am Montagabend hatten sich der Parteichef, Beckstein, Seehofer und mehrere andere Teilnehmer in München im Franz-Josef-Strauß-Haus zu einem geheimen Krisengespräch getroffen. Endgültig soll über die künftige Aufstellung der Partei ein Sonderparteitag am 25. Oktober in München entscheiden. Das hatte die Partei am Montag mitgeteilt. Bis dahin sollen sowohl Huber als auch Haderthauer im Amt bleiben. Seehofer solle nicht nur neuer CSU-Chef, sondern auch Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl 2009 werden, hieß es.

Unklar ist das Schicksal von Ministerpräsident Günther Beckstein. Die "Abendzeitung" meldete bereits, auch der Regierungschef werde zurücktreten und seinen Rückzug offiziell auf dem Sonderparteitag bekanntgeben. Doch das Dementi der Staatskanzlei kam prompt: Entsprechende Informationen seien "absolut falsch".

Huber hatte vor einem Jahr als Nachfolger des langjährigen Partei- und Regierungschefs Edmund Stoiber den CSU-Vorsitz übernommen. Er wurde im Wahlkampf als farblos und führungsschwach kritisiert.

"Ich bin froh, dass wir in der Lage sind, in dieser schwierigen Situation Beschlüsse zu fassen und sie auch für uns zu behalten", hatte Seehofer nach dem etwa zweieinhalbstündigen Treffen gesagt. Es falle ihm zwar schwer, aber er könne nichts sagen: "Ich habe ein bestimmtes Verfahren angekündigt - und das halten wir ein." Ähnlich verklausuliert hatte sich Günther Beckstein geäußert: Es seien "heute Abend von uns keine förmlichen Beschlüsse zu fassen", denn das Gremium sei eben kein förmliches.

Neben Beckstein und Seehofer nahmen Huber, Haderthauer, CSU-Fraktionschef Georg Schmid, Landesgruppenchef Peter Ramsauer, der Europagruppen-Vorsitzende Markus Ferber, die CSU-Vizes Beate Merk, Ingo Friedrich, Barbara Stamm sowie Bundeswirtschaftsminister Michael Glos und CSU-Vordenker Alois Glück an dem Krisengespräch teil.

als/AFP/dpa/AP/Reuters

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