Bayern CSU hat keinen Plan B bei Wahldesaster

Die Umfragen sagen der CSU einen Sturz unter die 50 Prozent voraus, der Verlust der absoluten Mehrheit im Landtag droht - aber Parteichef Huber weigert sich, überhaupt darüber nachzudenken. Personelle Konsequenzen schließt er aus.


Hamburg/Berlin - Die bayerischen Christsozialen stehen vor einem Wahldesaster - doch Parteichef Erwin Huber macht weiter auf Optimismus. "Wir haben den Sommer gut überbrückt und gehen jetzt in den Endspurt. Jetzt legen wir noch einen drauf und mobilisieren alle Kräfte", sagte Huber der "Welt am Sonntag". Das Ziel der CSU "ist und bleibt 50 plus x." Mit einem Verlust der absoluten Mehrheit seiner Partei rechnet Huber nicht: "Ich bewege mich in der Realität und denke deswegen nur an 50 plus x." Personelle Pläne für den Fall eines Misserfolgs gebe es nicht, sagte der CSU-Chef. "Was wäre wenn, ist kein Thema in der CSU."

Ministerpräsident Beckstein, Parteichef Huber: Die CSU wankt - aber fällt sie auch?
AP

Ministerpräsident Beckstein, Parteichef Huber: Die CSU wankt - aber fällt sie auch?

In den vergangenen beiden Umfragen von ARD und ZDF kam die Partei nur auf 47 Prozent der Stimmen. Möglicherweise könnte die CSU dennoch die absolute Mehrheit behalten - dafür müsste allerdings die Linke am Einzug in den bayerischen Landtag scheitern. Sie kommt den Umfragen zufolge auf vier Prozent.

Die SPD liegt laut den Umfragen weiter bei etwa 20 Prozent, Grüne und Freie Wähler bei jeweils acht Prozent. Die FDP kann mit neun Prozent rechnen.

Die Wahl sei eine Richtungswahl, sagte Huber. "Deswegen ist die Mobilisierung unserer Anhänger unsere Hauptaufgabe. Wir werden dafür jede Stunde bis Samstag 24 Uhr nutzen. Und wir werden gewinnen." In der letzten Woche vor der Wahl ein neues Thema "künstlich hochzuziehen wäre falsch".

Huber bekräftigte seine Absicht, 2009 für den Bundestag zu kandidieren und nicht früher nach Berlin zu wechseln: "Der Weg nach Berlin dauert nur eine Stunde. Wann immer es nötig ist, kann ich dort sein. Und die CSU hat zwei Bundesminister, Michael Glos und Horst Seehofer, die beide sehr gute Arbeit leisten. Ich sehe deswegen überhaupt keinen Anlass für personelle Änderungen.

Auch CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer hatte gegenüber SPIEGEL ONLINE vor Panik angesichts der Umfragen gewarnt. Ähnlich äußerten sich weitere CSU-Spitzenpolitiker wie Bundesverbraucherminister Horst Seehofer.

Außer den schlechten Umfragen macht der CSU neuer Ärger um die bayerische Landesbank zu schaffen. Wegen der von den USA ausgehenden Finanzkrise drohen der BayernLB Ausfälle in dreistelliger Millionenhöhe. Deswegen steht vor allem CSU-Chef Huber in seiner Funktion als Finanzminister in der Kritik. Bayerns FDP-Spitzenkandidat Martin Zeil hat Huber einen "Abgrund finanzpolitischer Inkompetenz" vorgeworfen.

flo/ddp/AP

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