Bayern Linksbündnis auf der Kippe

Was viele vorhergesagt haben, scheint in Bayern einzutreten: Das Linksbündnis zerlegt sich selbst. Die WASG fordert verärgert eine "Denkpause", nachdem die Linkspartei, ehemals PDS, zwei ihrer Kandidaten hat durchfallen lassen.


WASG-Gründer Klaus Ernst: Eklat in Ingolstadt
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WASG-Gründer Klaus Ernst: Eklat in Ingolstadt

Ingolstadt/Nürnberg - Die Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) sagte ihren Landesparteitag in Bayern am Sonntag ab. "Das Absagen ist ein Symbol für eine Denkpause", sagte WASG-Sprecher Hans Schwarz.

Auslöser für den Eklat war die Abstimmungsniederlage zweier WASG-Kandidaten bei der Delegiertenversammlung der Linkspartei, ehemals PDS, am Samstagabend in Ingolstadt. Den beiden WASGlern wurden die angestrebten Plätze drei und vier auf der offenen Liste der Linkspartei verweigert. Aus Sicht der WASG ist dies ein klarer Bruch der Linksbündnis-Absprachen.

Die WASG hatte mit Anni Heike und ihrem Landesvorsitzenden Fritz Schmalzbauer eigene Bewerber für die Plätze drei und vier vorgeschlagen. Gewählt wurden stattdessen zwei Kandidaten der Linkspartei, Kornelia Moeller und Markus Bansemir.

Nach dem Zwischenfall wurde die Konferenz unterbrochen. "Es ist ein Affront, einer von beiden hätte durchgehen müssen", sagte Schwarz. "Es geht um die entscheidenden vorderen Plätze." Zwar habe die WASG kein Mitspracherecht bei der Kandidatenkür. "Gleich zwei Kandidaten von uns hintereinander durchfallen zu lassen, ist aber nicht fair." Der Wahlkampfmanager der Linkspartei, Florian Obermeier, warf der WASG hingegen ein "Demokratiedefizit" vor.

WASG-Mitbegründer Klaus Ernst wurde mit großer Mehrheit auf Platz eins der Liste gewählt. Auf Platz zwei setzten die Delegierten die frühere PDS-Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schröter.

Die Spitze der WASG in Bayern beriet am Sonntagnachmittag in München über ihr weiteres Vorgehen. Danach hieß es, man wolle eine Einigung suchen. Ernst lud die Landesvorstände von WASG und Linkspartei zu einem Treffen in Nürnberg am Donnerstag ein. Eine Zusage von der Linkspartei für das Gespräch gab es laut Schwarz aber noch nicht.

Zuvor hatte Ernst mit seinem Rückzug von der Liste gedroht. Der Verzicht des einzigen prominenten WASG-Vertreters neben Oskar Lafontaine hätte weitreichende Folgen für das junge Bündnis.

Die Linkspartei unterbrach am Sonntag die Aufstellung der gemeinsamen Liste und beriet das weitere Vorgehen. Erst am Samstag hatte sich die bayerische PDS in "Die Linkspartei.PDS Landesverband Bayern" umbenannt. Auf dem Stimmzettel für die Bundestagswahl tritt man in Bayern nur unter dem Namen "Linkspartei" an.



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