Söder und sein Stellvertreter »Vielleicht sagst du selber was dazu, warum du dich nicht impfen lassen willst«

Ministerpräsident Markus Söder will das Impftempo in Bayern erhöhen, doch sein Vize Hubert Aiwanger verweigert bislang selbst die erste Spritze und spricht von einer »persönlichen Entscheidung«. Söder fordert Aufklärung.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bei einer Pressekonferenz mit seinem Stellvertreter Hubert Aiwanger (l.)

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bei einer Pressekonferenz mit seinem Stellvertreter Hubert Aiwanger (l.)

Foto: Sammy Minkoff / imago images/Sammy Minkoff

Es ist gerade ein paar Wochen her, dass CSU und Freie Wähler in Bayern über die Coronapolitik aneinandergerieten. Damals stellte sich der Freie-Wähler-Chef und Vizeministerpräsident Hubert Aiwanger gegen das neue Infektionsschutzgesetz, weil damit »ohne Not« Kompetenzen an den Bund gingen. Nun hakelt es in der Münchner Koalition erneut. Grund ist das Zögern Aiwangers, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erhöht laut der Nachrichtenagentur AFP nun öffentlich den Druck auf seinen Stellvertreter. »Vielleicht sagst du selber was dazu, warum du einfach dich nicht impfen lassen willst«, sagte Söder im Anschluss an eine Kabinettssitzung zu seinem Koalitionspartner in München zu dem an seiner Seite stehenden Aiwanger.

Aiwanger ist laut »Süddeutscher Zeitung« offenbar das einzige Kabinettsmitglied, das bislang noch keine Impfdosis erhalten hat. Zudem hat Aiwanger offenbar auch noch keinen Impftermin. Söder fordert nun eine Rechtfertigung für das Zögern. Sich jetzt impfen zu lassen, sei kein Vordrängeln mehr, sagte Söder.

»Wir sollten keinen öffentlichen Druck aufbauen.«

Hubert Aiwanger

Der Chef der Freien Wähler ließ sich allerdings vom Druck des CSU-Vorsitzenden nicht beeindrucken. »Die Entscheidung, ob sich jemand impfen lässt oder nicht, ist eine persönliche Entscheidung – die nehme ich auch für mich in Anspruch«, sagte Aiwanger. Er wolle sich die Entwicklung »in den nächsten Wochen und Monaten« anschauen. Er sage nicht grundsätzlich Nein zum Impfen, wolle dies aber jetzt nicht. »Wir sollten keinen öffentlichen Druck aufbauen«, forderte Aiwanger.

Bayern liegt bei den Erstimpfungen derzeit hinter zahlreichen anderen Bundesländern, bislang sind erst 51,3 Prozent der Bevölkerung einfach immunisiert. Bei den Zweitimpfungen liegt das Bundesland mit 35,7 Prozent im Mittelfeld.

Söder hatte daher am Montag ein Ende der Impfpriorisierung in Bayern noch in dieser Woche verkündet und auf ein höheres Impftempo gedrängt. Nach Plänen des Landeschefs sollen bis Ende Juli 70 Prozent der Menschen mindestens eine Dosis erhalten. Söder kündigte in dem Zusammenhang auch an, die Impfbereitschaft seiner Minister und Staatssekretäre im Kabinett zu besprechen.

fek/AFP
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