Bayern Niedrige Wahlbeteiligung lässt CSU zittern

Die Zeit der Bierzeltreden ist vorbei - jetzt wird es ernst für die CSU: Die Beteiligung an der Landtagswahl in Bayern war bis zum Mittag in vielen Regionen so niedrig wie nie. Regierungschef Beckstein hofft trotzdem, das ehrgeizige Ziel "50 Prozent plus X" irgendwie zu erreichen.

München/Nürnberg - Der Tag hatte für die CSU gar nicht so schlecht begonnen. Vor allem Kirchgänger und ältere Bürger - also die klassische CSU-Klientel - nutzten den Vormittag bei meist noch neblig-trübem Wetter zur persönlichen Stimmabgabe.

Ministerpräsident Beckstein: Hoffen auf einen "klaren Regierungsauftrag"

Ministerpräsident Beckstein: Hoffen auf einen "klaren Regierungsauftrag"

Foto: AP

Der Wähleransturm an den Urnen blieb danach allerdings aus. In größeren Städten des Freistaats erreichte die Beteiligung in den ersten Stunden noch nicht einmal die Vergleichsquoten von 2003, wie Wahlleiter mitteilten. Damals hatte die Wahlbeteiligung am Ende mit nur 57,1 Prozent den bisher niedrigsten Stand überhaupt erreicht.

Eine niedrige Wahlbeteiligung aber könnte der CSU den Wahlsieg noch schwerer machen. Denn nach etablierter Lehrmeinung der Wahlforscher bleiben in solchen Fällen in erster Linie die Wähler der Favoriten zu Hause.

Gleichwohl demonstrierte Günther Beckstein bei seiner Stimmabgabe in Nürnberg Optimismus. Er sei guter Dinge, dass die CSU den "klaren Regierungsauftrag" bekomme, sagte er. Sein Wahlziel bleibe 50 plus X.

Sein Parteifreund, CSU-Chef Erwin Huber sekundierte vom niederbayerischen Reisbach aus, wo er seine Stimme abgab. Für den Fall, dass die CSU unter die 50-Prozent-Marke rutschen sollte, würden zwar Diskussionen in der Sache folgen. Er erwarte aber keine personellen Konsequenzen.

Auf der gegnerischen Seite mühte sich SPD-Spitzenkandidat Franz Maget, trotz schlechter Umfragewerte zuversichtlich zu wirken. Nach der Stimmabgabe in München sagte er, er hoffe, dass die SPD das schlechte Ergebnis von 2003, als seine Partei auf nur 19,6 Prozent kam, verbessern könne. Er gehe von "deutlich mehr als 20 Prozent aus".

In der abgelaufenen Legislaturperiode saßen nur CSU, SPD und Grüne im bayerischen Landtag. Mit einer Zweidrittelmehrheit von 124 der insgesamt 180 Sitze konnten die Christsozialen dabei die parlamentarische Arbeit nach Belieben dominieren. Allerdings stürzte die CSU im vergangenen Jahr ihren Parteichef Stoiber, in der Folge verschlechterten sich die Umfragewerte deutlich.

Besonders die FDP konnte davon profitieren, die nach 14 Jahren gute Chancen auf eine Rückkehr in den Landtag hat. In den Umfragen wandten sich bisherige CSU-Anhänger aber auch den Freien Wählern zu, die damit bundesweit zum ersten Mal den Einzug in einen Landtag schaffen könnten.

Auch die Linken, deren Bekämpfung die CSU zu einem Schwerpunkt ihres Wahlkampfs gemacht hatte, können nach ihren Erfolgen in Hessen und Niedersachsen auf einen Einzug in den bayerischen Landtag hoffen. In den meisten Umfragen lagen sie zuletzt aber nur bei vier Prozent.

Bei der Landtagswahl 2003 lag die Wahlbeteiligung auf dem bislang niedrigsten Stand einer Landtagswahl nach dem Zweiten Weltkrieg bei 57,1 Prozent. Die CSU erhielt 60,7 Prozent der Stimmen und erlangte damit das zweitbeste Ergebnis nach dem Zweiten Weltkrieg. Die SPD bekam 19,6 Prozent, die Grünen 7,7 Prozent und die FDP 2,6 Prozent. Die Freien Wähler verpassten mit 4,0 Prozent den Einzug ins Landesparlament.

Um die 180 Sitze im Landtag bewerben sich mehr als 1700 Kandidaten aus 14 Parteien. Erste Hochrechnungen werden nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr erwartet.

mik/dpa/ddp/Reuters

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