Bayern NPD will Tennishalle als "nationales Zentrum" nutzen

Die NPD hat eine Tennishalle im bayerischen Grafenwöhr gekauft und will dort ein "nationales Zentrum" für Großveranstaltungen einrichten. Der Bürgermeister ist entsetzt und fürchtet vor allem die Reaktionen der Amerikaner: Nebenan liegt einer der größten Truppenübungsplätze der US-Armee.

Tag: Berlin - Endlich, jubiliert die NPD in einer Pressemitteilung, habe die Partei ein "großes Objekt", in der sie Parteitage, Konzerte und sonstige Veranstaltungen abhalten könne. Die Halle soll auch der DVU und den Republikanern zur Verfügung gestellt werden.

Helmut Wächter, der Bürgermeister des 7000-Einwohner-Ortes bei Regensburg, zeigte sich "schockiert". Er bestätigte gegenüber SPIEGEL ONLINE den Kauf der Halle, den man leider nicht habe verhindern können. Verkauft wurde die Halle vom Dresdner Immobilienentwickler Wolfgang Jürgens.

Erst hatte die Stadt selbst versucht, die Halle zu kaufen. Der Eigentümer hatte über das Angebot von 100.000 Euro jedoch nur gelacht. Dann zeigte laut Wächter ein anderer Privatinvestor Interesse, dessen Finanzierung am Ende jedoch nicht zustande kam. Schließlich verkaufte Jürgens die leer stehende Halle an die NPD.

Die plant nun zur Einweihung ein antiamerikanisches Fest am 2. Juli, zwei Tage vor dem amerikanischen Nationalfeiertag. Das ist eine besondere Provokation, weil bei Grafenwöhr ein großer US-Truppenübungsplatz liegt. Die Amerikaner planen die Verlegung einer ganzen Brigade an den Standort, es sollen Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe getätigt werden. 8500 Soldaten und Familienangehörige sollen hinzuziehen.

Wächter ist besorgt über das Image seiner Gemeinde. Noch habe er vom US-Kommando nichts gehört, aber "man weiß ja nie, wie sensibel der Amerikaner da reagiert", sagte er. Bis zum Pentagon würde die Nachricht von den neuen Nachbarn vordringen, fürchtet er. Bereits vor einigen Jahren waren Neonazis in Grafenwöhr in Erscheinung getreten und hatten sie gegen den Truppenübungsplatz protestiert. "Das verlief sich aber schnell", sagte Wächter.

Das Zentrum birgt eine ganz neue Gefahr. Der Sozialdemokrat, der seit über 20 Jahren Bürgermeister ist, ist jedoch zuversichtlich, den Plan der NPD noch durchkreuzen zu können. "Wir werden alle juristischen Mittel ausschöpfen", kündigte er an. Zunächst werde die Stadt das Vorkaufsrecht prüfen und eventuell die Halle selbst kaufen.

Falls das nicht klappen sollte, will die Stadt auf Einhaltung des Flächennutzungsplans pochen. Der sieht als Nutzungszweck der Halle ausdrücklich "Sport, Freizeit und Erholung" vor. Die NPD, so Wächter, müsse eine Nutzungsänderung beantragen, und die werde man verweigern - unter anderem mit dem Hinweis auf fehlende Parkplätze. Ein Veranstaltungszentrum, wie es der NPD vorschwebt, braucht laut Vorschriften eine gewisse Anzahl an Parkplätzen. Die Plätze aber gehörten der Stadt, so Wächter.

Carsten Volkery

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