Klimafreundliche Windenergie Habeck ruft Bayern zu »ökologischem Patriotismus« auf

Niedersachsen baute 2021 mehr als hundert neue Windräder, Bayern gerade mal ein Dutzend. Klimaminister Habeck will, dass das Bundesland die Abstandsregeln aufweicht. Er wirft dem Land »Verhinderungsplanung« vor.
Ministerpräsident Markus Söder und Klimaminister Robert Habeck: »Verhinderungsplanung« eines Bundeslandes

Ministerpräsident Markus Söder und Klimaminister Robert Habeck: »Verhinderungsplanung« eines Bundeslandes

Foto: Tobias Hase / dpa

Klimaminister Robert Habeck hat von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Zugeständnisse beim stockenden Ausbau der Windenergie in seinem Land gefordert. »Wir brauchen eben auch einen ökologischen Patriotismus zum Ausbau von schwierigen Techniken wie der Windkraft«, sagte der Grünenpolitiker in München nach einem Treffen mit Söder. Eine »Verhinderungsplanung« eines Bundeslandes in der Frage sei »nicht akzeptabel«.

Wind nur »ein Baustein«

Es sei zwar richtig, in Solar- oder Geothermie zu investieren. Die Zubauraten beim Wind müssten aber auch steigen. Habeck sieht ein Hauptproblem in den bayerischen Abstandsregeln zu Wohngebäuden, wonach der Abstand zum nächsten Haus die zehnfache Höhe der Windanlage betragen müsse. Söder machte deutlich, er wolle an der Regel festhalten. Man könne aber über Ausnahmen reden. Geprüft werden solle auch, was im bayerischen Staatsforst möglich sei. Habeck und Söder vereinbarten, dass bis spätestens März Bayern dazu einen Bericht vorlegen werde.

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In Bayern wurden im vergangenen Jahr nur etwa ein Dutzend neue Windräder gebaut. Das entspricht etwa zwei Prozent des gesamten Zubaus. Zum Vergleich: In Niedersachsen wurden über hundert Anlagen errichtet, was fast einem Viertel der neuen Leistung bundesweit entspricht.

Für Bayern sei Wind »ein Baustein« bei der Energiewende, »aber nicht die Hauptmöglichkeit« beim Ausbau erneuerbarer Energien, sagte Söder. Bayern wolle hier auf seine »Stärken« setzen. Dies sei insbesondere die Fotovoltaik, und auch bei Wasserkraft, Biomasse und Geothermie gebe es Potenzial.

Bei Wind verwies Söder auf die »Topografie« im Vergleich zu anderen Bundesländern im Norden, die den Bau von Windanlagen erschwere. Mit Blick auf das Ziel der Bundesregierung, zwei Prozent der Fläche in Deutschland für Windkraft zu nutzen, betonte der Regierungschef, hier sei er für sein Bundesland »skeptisch«: »Weil zwei Prozent bedeuten 200.000 Fußballfelder, die wir dann mit Wind ausweisen müssten«.

Die neue Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 rund 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Windenergie an Land kommt dabei die zentrale Rolle zu. Dafür sollen zwei Prozent der Fläche Deutschlands reserviert werden. In den vergangenen Jahren war der Ausbau wegen fehlender Flächen fast vollständig zum Erliegen gekommen.

muk/AFP/Reuters