TV-Duell Seehofer vs. Ude Ich hätt' so gern das letzte Wort

Der Landtagswahlkampf in Bayern nimmt Fahrt auf: Ministerpräsident Seehofer und SPD-Herausforderer Ude treffen sich am Mittwochabend zum TV-Duell. Vor dem Schlagabtausch hatten die Sozialdemokraten noch gegen den geplanten Sendeablauf protestiert.

DPA

Von , München


Es gibt jetzt also mindestens zwei denkwürdige Anrufe von CSU-Leuten beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Der erste war ein Fiasko für die Partei, die plötzlich im Ruf stand, die Pressefreiheit zu missachten: Hans Michael Strepp, damaliger Sprecher von Parteichef Horst Seehofer, hatte sich beim ZDF gemeldet, weil er offenbar einen Bericht des Senders über den Landesparteitag der SPD verhindern wollte.

Den zweiten Anruf, der sich zuletzt abspielte und über den der "Münchner Merkur" jetzt berichtete, kann man dagegen nur als Ausdruck humorvoller Gelassenheit werten. Die beteiligten Personen: Horst Seehofer und Sigmund Gottlieb, Chefredakteur beim Bayerischen Rundfunk (BR). "Machen'S alles genau, wie die SPD das will. Ich verzichte auf das erste Wort und auf das Schlusswort", sagte demnach der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident zu Gottlieb. Die Partei und der Sender wollen sich dazu auf Nachfrage nicht weiter äußern.

Es ging bei dem Telefonat um das TV-Duell zur Landtagswahl am 15. September zwischen Seehofer und SPD-Herausforderer Christian Ude an diesem Mittwochabend beim BR. Die SPD hatte bei einem Treffen von Vertrauten Udes und Seehofers mit BR-Vertretern protestiert, dass der Herausforderer - wie beim letzten Spitzenduell 2008 auch - das erste und der Amtsinhaber das letzte Wort haben sollte. Damals hatten beide Parteien dem Verfahren zugestimmt, jetzt nicht mehr. Er habe den Ablauf "als unfair" empfunden, sagte ein Ude-Sprecher SPIEGEL ONLINE. Also bat man um eine Entscheidung per Losverfahren.

Beim BR wurde schließlich vor den Augen der Parteiunterhändler eine Münze geworfen. Geändert hat sich dadurch nichts: Ude macht den Auftakt. Seehofer hat das Schlusswort, das der Herausforderer offenbar sehr gern an Stelle des Amtsinhabers gesprochen hätte.

Bleibt die Frage, was sich das Ude-Lager davon versprochen hätte? Den jüngsten Umfragezahlen zufolge, die der Fernsehsender Sat.1 am Dienstag verbreitete, kann die CSU auf eine absolute Mehrheit hoffen. Laut den Daten des Instituts GMS Dr. Jung liegen die Christsozialen mit 47 Prozent klar vorn, es folgen mit großem Abstand SPD (18), Grüne (13), Freie Wähler (8) und die FDP (5).

"Mutter aller Schlachten"

"Das Rennen ist noch nicht gelaufen", sagt Ude unverdrossen landauf, landab bei Wahlveranstaltungen. Der Münchner Oberbürgermeister muss vor allem auf die Gruppe der Unentschlossenen setzen. Sie wurde zuletzt auf rund 40 Prozent beziffert. Nur wenn er dort stark mobilisieren kann, dürfte Ude überhaupt eine Chance habe, dass das von ihm angestrebte Bündnis mit Grünen und Freien Wählern stärker ist als die CSU. Gelingt jedoch der FDP, dem derzeitigen Koalitionspartner der CSU, der Wiedereinzug in den Landtag, wäre Udes Traum vom Machtwechsel bereits ganz schnell beendet.

Ab 20.15 Uhr werden sich Seehofer und Ude beim BR gegenüberstehen, die Sendung dauert eine Stunde. Anders als beim TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Herausforderer Peer Steinbrück (SPD) wird es nur einen Moderator geben: BR-Chefredakteur Gottlieb.

Seehofer hatte die Landtagswahl in der Vergangenheit zur "Mutter aller Schlachten" erklärt. Das ist reichlich dick aufgetragen, aber tatsächlich steht für die CSU einiges auf dem Spiel. Sie will nach der Wahlschlappe vor fünf Jahren zurück zu alter Stärke. Unter dem damaligen Ministerpräsidenten Günther Beckstein waren die Christsozialen 2008 von 60,7 auf 43,4 Prozent abgestürzt und brauchten fortan die FDP als Partner zum Machterhalt. Dabei gehören absolute Mehrheiten ungefähr so sehr zum Selbstverständnis der CSU wie Meistertitel zum FC Bayern München. Seehofer kam damals als Retter zur kriselnden Partei, jetzt muss der 64-Jährige liefern.

Grundverschiedene Kontrahenten

Auch für Ude geht es am 15. September um alles. Aus Altersgründen darf der 65-Jährige nicht ein weiteres Mal als Münchner Oberbürgermeister kandidieren. Verliert der Jurist die Wahl, neigt sich seine politische Karriere dem Ende. Die beiden Kontrahenten könnten kaum unterschiedlicher sein: Seehofer kommt aus einfachen Verhältnissen, gilt als Instinktpolitiker mit Hang zu schlagzeilenträchtigen Botschaften. Ude, im Münchner Bildungsbürgertum groß geworden, ist eher ein Freund des wohlüberlegten Arguments.

Beide haben am Mittwoch bis zu ihrem Aufeinandertreffen keine weiteren Termine, das TV-Duell wird also in beiden Lagern durchaus ernst genommen. "Ein Ministerpräsident, der Wort hält" - so wirbt Ude für sich auf Plakaten. Das letzte Wort liegt zumindest am Mittwochabend im Fernsehstudio in den Händen Seehofers.



insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kritischer-spiegelleser 04.09.2013
1. CSU regiert schon zu lange
Ganz egal wie sich Seehofer schlägt. Die CSU ist schon zu lange an der Regierung. Nur so kann es zu Demokratieverletzungen wie zur Zeit im Landtag kommen. Die Parteien heben ab, wenn sie zu lange an der Macht sind. Und aus der CSU kommt ja auch nichts Vernünftiges mehr. Nur noch Sachen wie die Herdprämie oder die Maut. Wenn ich nur an den schändlichen Kleinkrieg Seehofer und FDP im Parlament denke. Geschweige denn die Leistungen von Ramsauer, Aigner, Friedrich - kann man alle ruhig vergessen!
grimmberg 04.09.2013
2. unwählbare CSU
er hat es geschafft! dieser unsägliche kandidat Seehofer hat durch sein mautspektabel die medien derart von der AMIGOaffäre ablenken können...
Kalaschnikowa 04.09.2013
3. Ist doch egal.....
Zitat von sysopDPADer Landtagswahlkampf in Bayern nimmt Fahrt auf: Ministerpräsident Seehofer und SPD-Herausforderer Ude treffen sich am Mittwochabend zum TV-Duell. Vor dem Schlagabtausch protestierten die Sozialdemokraten gegen den geplanten Sendeablauf. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bayern-seehofer-und-ude-treffen-sich-zu-tv-duell-a-920376.html
Den Sozialdemokraten kann es doch eh egal sein....Bei rd. 18% brauchen die sich doch keinen Kopp zu machen...
1969heiner 04.09.2013
4. Die CSU wirds wieder machen
weil die Alternativen einfach noch gruseliger sind.
moeter1976 04.09.2013
5. Hat er gut gemacht
Zitat von grimmberger hat es geschafft! dieser unsägliche kandidat Seehofer hat durch sein mautspektabel die medien derart von der AMIGOaffäre ablenken können...
....scheint in Bayern aber eh keinen zu stören. Als nicht Bayer denk ich einfach nur, wie kann ein normal denkender Mensch so nen Typen wählen. Genauso wie alle Deutschen sich über die Italiener und deren Treue zu Berlusconi wundern, wunder ich mich über die Bayern.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.