Neue CSU-Fraktionsspitze Seehofer installiert seine Allzweckwaffe

Horst Seehofer dominiert die CSU und gibt als Ministerpräsident in Bayern den Takt vor. Jetzt hat er mit Thomas Kreuzer einen engen Vertrauten als Fraktionsspitze durchgesetzt. Die möglichen Seehofer-Nachfolger Söder und Aigner dürfen sich als Minister abstrampeln.

Ministerpräsident Seehofer: Basteln am Personaltableau
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Ministerpräsident Seehofer: Basteln am Personaltableau

Von und , München


Wie sich Horst Seehofer eine reibungslos funktionierende CSU-Fraktion vorstellt, war an diesem Mittwoch im bayerischen Landtag zu beobachten. Die Abgeordneten wählten mit 98 Prozent Thomas Kreuzer zu ihrem neuen Fraktionschef. Die Wahl Kreuzers war der ausdrückliche Wunsch Seehofers, einen Gegenkandidaten gab es nicht. Wen der bayerische Ministerpräsident, CSU-Chef und einfache Abgeordnete an der Spitze der Fraktion sehen wollte, hatte er den Parlamentariern allerdings erst in der Sitzung mitgeteilt. Das musste reichen.

Die Personalie sei - wie auch die künftigen Besetzungen im Kabinett - selbstverständlich nicht von oben verordnet, sondern "im Dialog entwickelt" worden, sagte Seehofer am Mittwoch. Trotzdem besteht kein Zweifel daran, dass es bei der Entscheidung nicht in erster Linie um den Willen der Fraktion ging, sondern vor allem um den Seehofers. Der "große Meister", wie ihn manche in der CSU nennen, hat seine Vorstellungen - und dann folgen ihm eben Partei oder wahlweise die Fraktion.

Die Kür Kreuzers war in den vergangenen Tagen bereits erwartet worden. Der 54-jährige Jurist leitete bislang die Staatskanzlei, war zuvor stellvertretender Fraktionschef und Parlamentarischer Geschäftsführer und gilt als enger und zutiefst loyaler Vertrauter des Ministerpräsidenten. Seehofer erklärte den außerhalb Bayerns weitgehend unbekannten Schwaben am Mittwoch zur "Allzweckwaffe".

Seehofers Lage nach seinem Erfolg bei der Landtagwahl am 15. September ist damit äußerst komfortabel: In der Partei gilt er nach der Rückkehr der CSU zur absoluten Mehrheit als unumstrittene Führungsfigur, für seine Wahl zum Ministerpräsidenten im Landtag kann er in der kommenden Woche mit einem glänzenden Ergebnis rechnen - und von der Fraktion droht ihm künftig kein Ärger.

Rätselraten um Aigner damit beendet

Beendet sind mit der Wahl Kreuzers auch die wochenlangen Spekulationen, die gerade aus ihrem Amt als Bundeslandwirtschaftsministerin geschiedene Ilse Aigner könnte nach dem Schlüsselposten an der Fraktionsspitze greifen. In CSU-Kreisen hatte es zuletzt mehrfach geheißen, Aigner strebe den Fraktionschefposten an. Später erst kursierte die Variante, sie wolle Ministerin werden. Seehofer hatte die 48-Jährige vor der Landtagswahl von Berlin zurück in den Freistaat geholt.

Welches Ministerium Aigner künftig leiten wird, wollte Seehofer am Mittwoch nicht sagen. Er betonte jedoch, dass sowohl die künftigen Ressorts von Aigner und Finanzminister Markus Söder "spürbar in ihrer Bedeutung aufgewertet" würden. Sowohl Aigner als auch der Franke Söder gelten als mögliche Nachfolger Seehofers, der 2018 nicht mehr für das Amt des Ministerpräsidenten kandidieren will.

Im Fall von Söder wird mit einem gestärkten Finanzressort gerechnet, bei Aigner könnte es auf das Wirtschaftsressort hinauslaufen, das um Kompetenzen für die Energiewende erweitert wird.

Keine vorzeitige Debatte um Nachfolge

Aigner und Söder bewegen sich damit künftig auf Augenhöhe. Diese Balance sei Seehofer wichtig gewesen, heißt es in München. Eine Wahl Aigners an die Fraktionsspitze wäre von vielen als Vorentscheidung im Kampf um die Nachfolge gewertet worden - der Job bietet grundsätzlich mehr Freiraum und Unabhängigkeit vom Regierungschef als ein Ministerposten. Seehofer hatte zuletzt stets betont, dass die Personalien keine Weichenstellungen für die Nachfolgefrage seien. Der Ingolstädter will eine solche vorzeitige Debatte unbedingt vermeiden. Entsprechend hatte er zuletzt angekündigt, die fünfjährige Legislaturperiode "bis zum letzten Tag" ausfüllen zu wollen.

Am Mittwoch signalisierten die beiden Kontrahenten demonstrative Geschlossenheit: Aigner und Söder ließen sich gemeinsam lächelnd von Pressefotografen ablichten. Söders Kommentar: "Viel enger geht's nimmer."



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Seite 1
Stabhalter 02.10.2013
1. nöööö
Zitat von sysopDPAHorst Seehofer dominiert die CSU und gibt als Ministerpräsident in Bayern den Takt vor. Jetzt hat er mit Thomas Kreuzer einen engen Vertrauten als Fraktionsspitze bestimmt. Die möglichen Seehofer-Nachfolger Söder und Aigner dürfen sich als Minister abstrampeln. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bayern-seehofer-vertrauter-kreuzer-fuehrt-csu-fraktion-a-925838.html
Seehofer ist auch eine Allzweckwaffe die nur Rohrkrepierer kennt.
manni.baum 02.10.2013
2. abstrameln
wenn sich Frau Aigner als Ministerin so abstrampelt wie in Berlin wird es für sie sehr "energiesparend".
dani216 02.10.2013
3. Ich als Nichtbayer bin Herrn Seehofer
Zitat von sysopDPAHorst Seehofer dominiert die CSU und gibt als Ministerpräsident in Bayern den Takt vor. Jetzt hat er mit Thomas Kreuzer einen engen Vertrauten als Fraktionsspitze bestimmt. Die möglichen Seehofer-Nachfolger Söder und Aigner dürfen sich als Minister abstrampeln. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bayern-seehofer-vertrauter-kreuzer-fuehrt-csu-fraktion-a-925838.html
sehr dankbar, dass er uns auf Bundesebene von Frau Aigner befreit hat, die ausser Ankündigungen ja nichts zustande gebracht hat (oder ist jemanden hier was bekannt?). Die Bayern habe ich für ihre Rückkehr bedauert, es scheint aber, dass die Nachbarn da offensichtlich gerade nochmal so die Kurve kriegen.
Ralf1412 02.10.2013
4. König Horst I. hat zugeschlagen...ich bin gespannt wie weit sein Einfluss bei
hat zugeschlagen...ich bin gespannt wie weit sein Einfluss bei "Mutti" in den Koalitionsverhandlungen reicht. Eine rot-rot-grüne Regierung wäre sowieso besser.
seppfrieder 02.10.2013
5. Stimm-Vieh
Zitat von sysopDPAHorst Seehofer dominiert die CSU und gibt als Ministerpräsident in Bayern den Takt vor. Jetzt hat er mit Thomas Kreuzer einen engen Vertrauten als Fraktionsspitze bestimmt. Die möglichen Seehofer-Nachfolger Söder und Aigner dürfen sich als Minister abstrampeln. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bayern-seehofer-vertrauter-kreuzer-fuehrt-csu-fraktion-a-925838.html
Seehofer hat sich sein Stimm-Vieh gut erzogen. Die Bayern machen brav und artig ihr Kreuz an der vorgeschriebenen Stelle des Wahlzettels und die Abgeordneten heben ebenso brav und artig die Hand wenn es König Horst I befiehlt.
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