CSU-Politikerin Haderthauer Die Dritte im Ring

Ilse Aigner oder Markus Söder? Ging es um die Nachfolge von CSU-Chef Seehofer, fielen zuletzt nur zwei Namen. Dabei schiebt sich längst eine weitere Kandidatin in den Vordergrund. Christina Haderthauer läuft als Leiterin der Staatskanzlei zu neuer Form auf.

DPA

Von , München


Sie ist jetzt die Beauftragte für gute Nachrichten in Bayern. Woche für Woche steht neuerdings Christine Haderthauer nach Kabinettssitzungen vor einer blauen Wand im ersten Stock der Staatskanzlei und berichtet Journalisten, was in der Runde um Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) besprochen wurde. Von einem Konzept für mehr Datenschutz ist dann die Rede, von Reparaturen an Hochwasserschutzeinrichtungen, die natürlich "auf Hochtouren" laufen, oder vom gestiegenen Frauenanteil an den Bediensteten des Freistaats.

Haderthauers neuer Titel ist lang, er dürfte kaum in eine einzelne Zeile ihrer Visitenkarte passen, und er hat dazu beigetragen, dass die 51-Jährige mit neuem Schwung auftritt: Leiterin Staatskanzlei, Staatsministerin für Bundesangelegenheiten und Sonderaufgaben. Nach dem Erfolg der CSU bei der Landtagswahl im September überraschte diese Personalie selbst manchen Parteifreund. Dass Haderthauer selbst intern als unglückliche Besetzung für das Sozialministerium galt, war spätestens im vergangenen Frühjahr und Sommer kein Geheimnis mehr, als sie bei Protesten von Asylbewerbern nur wenig Empathie für die Flüchtlinge zeigte und öffentlich unter Druck geriet. Aber dass sie dann nach der Wahl in die Staatskanzlei wechselt, so nah an Seehofer?

Mal oben, mal unten

Die Rochade berührt eine sensible Frage in der CSU: Wer folgt auf Seehofer? Der 64-Jährige hat mehrfach betont, volle fünf Jahre regieren zu wollen. Und trotzdem wird im Freistaat genau beobachtet, wer in der Gunst des Ministerpräsidenten gerade oben steht und wer eher unten. Die größte Freude am kontinuierlichen Auf und Ab einzelner Kabinettsmitglieder scheint Seehofer selbst zu haben. Über Haderthauer und Markus Söder sagte er vor zwei Jahren: "Schaut her, meine Nachfolger im Jahr 2011. Im vergangenen Jahr waren es andere, 2012 werden es wieder andere sein. Das geht jetzt noch zehn Jahre so."

Zuletzt schien es zumindest eine Vorentscheidung zu geben: Seehofer hatte die langjährige Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner zurück in die bayerische Politik geholt. Ein Wettkampf zwischen Aigner und Finanzminister Söder galt als ausgemachte Sache.

Aber dann verzichtete Aigner auf den einflussreichen Posten der Fraktionschefin und leistete sich gleich mehrere Patzer. So wollte sie als Wirtschaftsministerin für einen Vertrauten einen neuen Posten schaffen und ihn zum Außenwirtschaftsbeauftragten machen, verabschiedete sich nach Kritik aber von dem Plan. Zudem verpasste ihr Seehofer einen Dämpfer, als er sich kritisch über einen möglichen Bau eines umstrittenen Pumpspeicherkraftwerks äußerte. Ein Projekt, für das Aigner zuvor Sympathien gezeigt hatte.

Auch bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin läuft es nicht sonderlich gut für die Oberbayerin. "So können wir nicht weitermachen", sagte Seehofer über ein Eckpunkte-Papier der Arbeitsgruppe Wirtschaft mit milliardenschweren Vorhaben. Mitverantwortlich für das Papier war ausgerechnet Aigner, die die Arbeitsgruppe für die Unionsseite leitet.

"Seehofer schätzt es, wenn man selbst Ideen hat"

Söder steht deutlich besser da, sein Ministerium wurde aufgewertet: Er ist jetzt nicht nur Finanzminister, sondern außerdem mit einem Zweitsitz in Nürnberg zuständig für Landesentwicklung und Heimat. Bei den Koalitionsverhandlungen von Union und SPD in Berlin verteidigt Söder entschieden die Unionslinie, keine Steuererhöhungen zuzulassen. Sein wohl größtes Problem ist das Verhältnis zu Seehofer, das allgemein als schwierig gilt. Ende vergangenen Jahres hatte der CSU-Chef dem Franken "charakterliche Schwächen" attestiert und ihm vorgeworfen, sich "zu viele Schmutzeleien" zu leisten.

Für Haderthauer ist die Lage gerade so komfortabel wie lange nicht. Noch vor ein paar Wochen galt sie als abgemeldet. Tauchte sie in den Schlagzeilen auf, ging es entweder um die Asylpolitik oder die Modellbau-Affäre ihres Mannes. Alles wie weggeblasen. "Sie hat den Platz gefunden, von dem sie glaubt, daraus etwas machen zu können", sagt einer aus der CSU.

Wer ihr jetzt bei Terminen begegnet, erlebt eine ausgesprochen gutgelaunte Ministerin. Die Zusammenarbeit mit Seehofer, so betont es Haderthauer, laufe bestens: "Wir kennen uns schon sehr lang und sehr gut, vieles regelt sich intuitiv." Seehofer delegiere in der "neuen Konstellation mehr als früher. Er schätzt es sehr, wenn man selbst Ideen hat und Entscheidungen trifft".

Um schnelle Antworten ist Haderthauer selten verlegen. Sie sitzt am Besprechungstisch ihres noch kargen Büros, das sie vor ein paar Wochen bezogen hat, und spricht über ihre neue Aufgabe. Nur einmal stockt die gebürtige Schleswig-Holsteinerin: Muss man gebürtiger Bayer sein, um bayerischer Ministerpräsident zu werden? Erster Teil der Antwort: "Ich strebe dieses Amt nicht an." Zweiter Teil: "Unabhängig davon kommen in Zeiten, in denen immer mehr Menschen nach Bayern ziehen, auch Politiker für dieses Amt in Frage, die zwar nicht qua Geburt, dafür aber im Herzen Bayern sind."

Haderthauer steht jetzt vor der breiten Fensterfront ihres Büros mit Blick auf den Hofgarten, sie schwärmt ein bisschen: Es gebe in München kaum einen schöneren Blick als aus dem vierten Stock der Staatskanzlei.

Sieht ganz so aus, als wollte sie dort länger bleiben.

insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
curti 20.11.2013
1. Ihre gut-bürgerliche und....
Zitat von sysopDPAIlse Aigner oder Markus Söder? Ging es um die Nachfolge von CSU-Chef Seehofer, fielen zuletzt nur zwei Namen. Dabei schiebt sich längst eine weitere Kandidatin in den Vordergrund. Christina Haderthauer läuft als Leiterin der Staatskanzlei zu neuer Form auf. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bayern-staatskanzleichefin-haderthauer-laeuft-zu-neuer-form-auf-a-933553.html
......damit auch CSU-christlich gereifte Qualifikation dürfte sie sich insbesondere in der Modellauto-Affäre erworben haben. Ein wahres Meisterstück das sie da gemeinsam mit dem Anvertrauten zelebriert hat!
Spr. 20.11.2013
2. Ausgerechnet diese Skandalnudel!
Zitat von sysopDPAIlse Aigner oder Markus Söder? Ging es um die Nachfolge von CSU-Chef Seehofer, fielen zuletzt nur zwei Namen. Dabei schiebt sich längst eine weitere Kandidatin in den Vordergrund. Christina Haderthauer läuft als Leiterin der Staatskanzlei zu neuer Form auf. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bayern-staatskanzleichefin-haderthauer-laeuft-zu-neuer-form-auf-a-933553.html
Vor ein paar Monaten fiel Frau Haderthauer noch dadurch auf, dass sie in die Firma involviert war, mit der ihr Ehemann die Arbeiten von psychisch kranken Patienten seiner Klinik einen Haufen Geld verdient hat. Er hat von einem Patienten Modellautos bauen lassen und diese für Preise von bis zu 20.000 Euro verkauft. Der Patient, der diese Modellautos gebaut hat, bekam dafür gerade mal 200 Euro im Monat. Natürlich hat Frau Haderthauer immer wieder beteuert, nichts davon gewusst zu haben und schon gar nicht daran beteiligt gewesen zu sein. Bis ihr (nicht nur) nachgewiesen wurde, dass sie Mitgesellschafterin der Firma war. Die Dame scheint wohl zu glauben, dass auch dieser Skandal von den Wählern zumindest in Bayern schon längst wieder vergessen wurde. Vielleicht geht sie auch davon aus, dass sie von den Bayern eher für ihre Skandale bewundert wird. So war es bei ihrem Vater ja auch. Oder sie verlässt sich einfach darauf, dass es reicht, die Tochter von FJS zu sein, um Nachfolgerin von Seehofer zu werden.
richardheinen 20.11.2013
3. optional
Kürzlich wurde noch Dobrindt als neuer Favorit und Spezi Seehofers ins Spiel gebracht. Heute Hadertshauer. Ich halte es für besser zu warten, bis nicht nur weißer Rauch aufgestiegen ist, sondern auch sein Grund verkündet wurde. König Horst ist einfach zu erratisch, um Prognosen wagen zu können.
kleinzack 20.11.2013
4. Rechtsanwältin gegen Elektrotechnikerin
Ilse Aigner Ilse ist intelektuell bestimmt nicht höher angesiedelt als die nach Bayern eingeheiratete Haderthauer. In Sachen Familie und Kinder ist die Aignerin defizitär; da ist ihr mittlereweile die Zeit davongelaufen. Haderthauer dagegen hat Ehemann und zwei Kinder. Was bestimmt die bessere Ausgangspoition ist, wenn es für die Frauen als Wähler der Vorbilder für die Vereinbarkeit von Beruf und Karriere bedarf.
braman 20.11.2013
5. Tochter von FJS?
Zitat von Spr.Vor ein paar Monaten fiel Frau Haderthauer noch dadurch auf, dass sie in die Firma involviert war, mit der ihr Ehemann die Arbeiten von psychisch kranken Patienten seiner Klinik einen Haufen Geld verdient hat. Er hat von einem Patienten Modellautos bauen lassen und diese für Preise von bis zu 20.000 Euro verkauft. Der Patient, der diese Modellautos gebaut hat, bekam dafür gerade mal 200 Euro im Monat. Natürlich hat Frau Haderthauer immer wieder beteuert, nichts davon gewusst zu haben und schon gar nicht daran beteiligt gewesen zu sein. Bis ihr (nicht nur) nachgewiesen wurde, dass sie Mitgesellschafterin der Firma war. Die Dame scheint wohl zu glauben, dass auch dieser Skandal von den Wählern zumindest in Bayern schon längst wieder vergessen wurde. Vielleicht geht sie auch davon aus, dass sie von den Bayern eher für ihre Skandale bewundert wird. So war es bei ihrem Vater ja auch. Oder sie verlässt sich einfach darauf, dass es reicht, die Tochter von FJS zu sein, um Nachfolgerin von Seehofer zu werden.
Frau Monika Hohlmeier ist die Tochter von FJS. MfG: M.B.
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