Beck-Krise Jeder dritte SPD-Wähler traut Nahles Kanzlerkandidatur zu

Sie ist die mächtige Wortführerin der SPD-Linken - viele Anhänger der Partei trauen ihr noch mehr zu. Jeder dritte SPD-Wähler hält Andrea Nahles für eine denkbare Kanzlerkandidatin. Einer Umfrage zufolge hat sie auch bei den Grünen viele Fans.


Berlin - Die K-Frage ist in der SPD noch längst nicht entschieden, auch wenn in der Partei derzeit nicht mehr viele auf den angeschlagenen Parteichef Kurt Beck setzen. Sowohl in der Öffentlichkeit als auch parteiintern genießt Beck derzeit kein hohes Ansehen. Spekulationen darüber, Außenminister Frank-Walter Steinmeier könnte anstelle Becks die Genossen als Spitzenkandidat in die kommende Bundestagswahl führen, halten sich hartnäckig.

SPD-Vize Andrea Nahles: Bei sozialdemokratischen Wählern beliebt
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SPD-Vize Andrea Nahles: Bei sozialdemokratischen Wählern beliebt

Einer Umfrage zufolge wird aber auch der SPD-Parteilinken Andrea Nahles viel zugetraut - zumindest von Seiten der SPD-Anhänger: Jeder dritte SPD-Wähler kann sich die stellvertretende Parteivorsitzende Andrea Nahles als Kanzlerkandidatin der Sozialdemokraten vorstellen. Das ergab eine Forsa-Umfrage für das Politikmagazin "Cicero". Demnach halten 31 Prozent Nahles als Kanzlerkandidatin für denkbar.

Auch 43 Prozent der Grünen-Wähler, aber nur 16 Prozent der FDP-Anhänger können sich Nahles in dieser Position vorstellen. Bei der Union waren es 18 und bei der Linkspartei 21 Prozent. Insgesamt bezeichneten 25 Prozent der 1001 befragten Bürger eine Kanzlerkandidatur Nahles als vorstellbar. Entsprechende Werte für Beck und Steinmeier wurden in der Umfrage nicht erhoben.

Mit kritischen Äußerungen über den Zustand der SPD hat Nahles zuletzt führende Genossen vergrätzt. Am Wochenende hatte die Parteilinke gesagt, die SPD sei "versetzungsgefährdet". Laut "Süddeutscher Zeitung" reagierte Beck darauf am Montag im SPD-Präsidium verärgert. Beck habe sich ohne Angabe von Namen beklagt, dass am Wochenende immer wieder öffentliche Äußerungen aus der SPD dazu führten, die Ruhe der Partei zu stören. "Und wir müssen dann die Scherben am Montag aufsammeln", wurde Beck zitiert.

SPD-Vorstandsmitglied und -Fraktionsvize Elke Ferner sagte am Dienstag im Deutschlandfunk über ihre Partei: "Ich glaube schon, dass sie versetzungsfähig ist." Die SPD müsse sich "allerdings noch ein bisschen anstrengen" und ihre Konzepte besser vermitteln bei der eigenen Parteibasis und der Bevölkerung. Die Situation der Partei sei "nicht einfach". Ferner gab sich aber überzeugt: "Das wird auch wieder besser werden."

In Umfragen liegt die SPD seit Monaten weit abgeschlagen hinter der Union.

hen/ddp



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