Beckstein im TV "Türke in München sicherer als in Ankara"

Reisewarnungen an Ausländer in Deutschland sind nach Worten des bayerischen Innenministers Günther Beckstein nicht angebracht. "Ein Türke lebt in München im Zweifel sicherer als in Ankara oder Istanbul", sagte Beckstein in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen".


Berlin – Warnungen für dunkelhäutige Menschen wertete Beckstein als "nicht vernünftig". Beckstein fügte hinzu: "Ich bestreite überhaupt nicht, dass es fremdenfeindliche Gewalt gibt. Trotzdem, schlichtweg von den objektiven Zahlen her, halte ich es einfach für überzogen, wenn man sagt: Leute geht nicht nach Deutschland".

Kritik an den Reisewarnungen, die der ehemalige Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye ausgesprochen hatte, äußerte auch der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck. Seiner Ansicht nach wird der Kampf gegen den Rechtsextremismus noch Jahre dauern. "Es wird nicht schnell gehen. Wir müssen akzeptieren, dass das ein Problem ist, was nicht an einem Tag oder in einem Jahr gelöst werden kann", sagte der Regierungschef und Ex-SPD-Chef.

Eine der Ursachen für Rechtsextremismus in den neuen Bundesländern liegt laut Platzeck auch in der DDR-Vergangenheit: "Da kommt in Ostdeutschland speziell wenig Erfahrung mit anderen Kulturen rein, weil das in den Jahren vorher nicht geübt worden ist." Der SPD-Politiker räumte Versäumnisse im Umgang mit Fremdenfeindlichkeit nach der Wende ein: "Wir haben auch die Phase gehabt der Verniedlichung und der Verdrängung, wo wir gesagt haben, um Gottes Willen, das schadet dem Standort und wenn wir das öffentlich sagen, kommt keiner mehr." Darüber sei man aber hinweg.

Unterdessen hat die Polizei die Fahndung nach den mutmaßlichen Tätern fortgesetzt, die am Freitag den türkischstämmigen Berliner Linkspartei-Politiker Giyasettin Sayan überfallen und mit einer Flasche krankenhausreif geschlagen hatten. Eine konkrete Spur gebe es bisher noch nicht, sagte ein Sprecher der Behörde am Sonntag laut Nachrichtenagentur dpa. Die Ermittler vermuten einen extremistischen Hintergrund für den Anschlag. Für Hinweise zur Ergreifung der Täter wurde eine Belohnung von 3000 Euro ausgesetzt.

reh/AP/dpa



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