Begnadigung von Ex-RAF-Mann Grashof "Aus heutiger Sicht unglücklich und schmerzlich"

Die Witwe des 1972 von der RAF ermordeten Polizeibeamten Hans Eckhardt, Annemarie Eckhardt, fühlte sich von der Politik allein gelassen. Bernhard Vogel wirft sie vor, er habe sie nicht über die Begnadigung des RAF-Täters informiert. Jetzt will Vogel Kontakt mit der Frau aufnehmen.

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Hamburg - Bernhard Vogel ist 74, er war CDU-Ministerpräsident zweier deutscher Bundesländer - Rheinland-Pfalz und Thüringen - beinahe hätte er es zum Bundespräsidenten gebracht, inzwischen ist er Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Jetzt werden gegen ihn moralische Vorwürfe erhoben: Annemarie Eckhardt, Witwe des 1972 von der RAF getöteten Polizeibeamten Hans Eckhardt, wirft insbesondere Vogel in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE mangelnde Sensibilität vor. Der CDU-Politiker hatte am 30.11.1988 den Mörder ihres Mannes Manfred Grashof begnadigt.

Vogel hätte zwar zuvor Kontakt mit dem Ex-RAF-Mann aufgenommen, aber - anders als von ihm behauptet - niemals mit ihr, sagt Eckhardt. Zudem sei sie sie nicht persönlich von der Begnadigung informiert worden, sondern durch einen bei ihren Nachbarn abgegebenen Zettel. Eckhardt erklärt, "die mangelnde Sensibität mir gegenüber hat mich sehr verletzt".

"Ich habe Respekt vor Frau Eckhardts Gefühlen", sagt nun Bernhard Vogel gegenüber SPIEGEL ONLINE. Doch der CDU-Mann stellt auch klar, dass er die Vorwürfe so nicht stehen lassen könne - gleichzeitig seien ihm nicht mehr alle Details im Fall Grashof geläufig, "das ist beinahe 20 Jahre her". Von manchem erfahre er auch erst heute. Zudem: "Man kann einen Ministerpräsidenten nicht für alles verantwortlich machen."

"Ich bleibe bei meiner Feststellung, dass ich mit den Angehörigen der Opfer Kontakt aufgenommen habe", sagt Vogel. Es könne aber durchaus sein, dass er mit Eckhardt damals nicht persönlich gesprochen habe.

"Datum der Haftentlassung war schmerzlich und unglücklich"

Das Datum der Haftentlassung Grashofs am 2. März 1989 - genau 17 Jahre nach dessen Schüssen auf Hans Eckhardt - hält Vogel aus heutiger Sicht für "unglücklich und schmerzlich". Aber einerseits habe sich damals offenbar niemand mit dem Kalender befasst, glaubt er, "und andererseits ist die Entlassung erfolgt, nachdem ich das Amt als Ministerpräsident verlassen hatte". Vogels letzter Tag in der Mainzer Staatskanzlei war der 2. Dezember 1988.

Dass Annemarie Eckhardt nicht persönlich von der Begnadigung erfuhr, bedauert Vogel. Seine Erklärung: "Offenbar hatte niemand eine genaue Adresse von ihr, deshalb ist das so geschehen." Dies habe jedenfalls außerhalb seines Handlungsbereichs gehört. Genau wie die Entscheidungen zum Freigang des Ex-RAF-Manns. "So etwas ist Sache der Justizbehörden", sagt der CDU-Politiker.

Bernhard Vogel sagt aber auch: "Ich werde versuchen, mit Frau Eckhardt in Kontakt zu treten."



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