Beleidigung SPD-Rebellin Everts stellt Strafantrag gegen Genossin

Ihr müssten "die Beine abfaulen": Nach dieser Äußerung der Frankfurter SPD-Politikerin Ulli Nissen stellt Partei-Abweichlerin Carmen Everts Strafantrag wegen Beleidigung. Zwar hatte sich Nissen entschuldigt, doch wollte sie nicht von ihrer Bundestagskandidatur abrücken.


Frankfurt - Sie weigerten sich, dem rot-grün-roten Projekt von Andrea Ypsilanti ihre Stimmen zu geben: Carmen Everts, Silke Tesch, Dagmar Metzger und Jürgen Walter waren fortan die hessischen SPD-Rebellen - damit konnten nicht alle Parteifreunde umgehen. Dies wird jetzt ein juristisches Nachspiel haben.

SPD-Rebellen Tesch, Walter, Everts, Metzger: "Ich habe gleich an eine Anzeige gedacht, aber auch gehofft, sie käme selbst zur Einsicht"
REUTERS

SPD-Rebellen Tesch, Walter, Everts, Metzger: "Ich habe gleich an eine Anzeige gedacht, aber auch gehofft, sie käme selbst zur Einsicht"

Es betrifft die SPD-Politikerin Ulli Nissen. Auf einem Frankfurter SPD-Unterbezirksparteitag Anfang Dezember sagte sie, Everts müssten "die Beine abfaulen". Die Delegierten applaudierten stark, keiner schritt ein. Nissen erfuhr danach aus den Medien, dass Silke Tesch im Kindesalter ein Bein amputiert worden war.

Daraufhin veröffentlichte Nissen auf "faz.net" einen Offenen Brief an die Rebellen: "Die Aussage 'Beine abfaulen' ist widerlich! Ich bedaure meine Wortwahl ausdrücklich. Der Ärger/Enttäuschung darüber, dass Ihr 24 Stunden vor der Abstimmung Euer Gewissen entdeckt habt, mag noch so groß gewesen sein, es rechtfertigt so eine Aussage in keinem Fall!!! Das Wort 'abfaulen' in der Verbindung mit einem Menschen (ob gesund oder nicht) gebraucht zu haben, beschämt mich selbst außerordentlich und ich kann mich dafür nur entschuldigen. Ich schäme mich für diese Aussage und bedaure sie zutiefst!"

Rund zwei Monate nach dem Vorfall stellt nun Carmen Everts Strafantrag wegen Beleidigung gegen die Bundestagskandidatin Nissen: "Ich habe gleich an eine Anzeige gedacht, aber auch gehofft, sie käme selbst zur Einsicht und würde von einer Kandidatur Abstand nehmen", sagte Everts der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Nachdem die Frankfurter SPD Nissen vergangene Woche trotz ihrer Äußerung als Kandidatin für den Bundestag nominierte, habe sie sich zur Anzeige entschlossen.

Nissen habe sich niemals direkt bei ihr entschuldigt, so Everts: "Es geht mir nicht um meine Person, sondern um einen Rest menschlichen Anstands und Umgangsformen in Politik und Gesellschaft." Nissens Aussage zeige eine "unsägliche Geisteshaltung" und sei besonders für eine Bundestagskandidatin "unentschuldbar".

Die als emotional geltende Nissen, gelernte Bankkauffrau und Mutter von zwei Söhnen, hatte nach früheren Medienberichten bereits Anfang November nach der gescheiterten Wahl Ypsilantis vor einer SPD-Sitzung die Abweichler scharf attackiert und gesagt: "Im Mittelalter hat man solche Leute geteert, gefedert und gevierteilt." Dies, so Nissen, sei ein wunderschöner Gedanke.

sef/dpa/AP



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