Beraterkosten im ersten Halbjahr 2019 IBM kassierte 115,2 Millionen Euro vom Bund

Für keinen externen Berater hat die Bundesregierung in diesem Jahr bisher mehr Geld ausgegeben als für IBM. In den Top Ten finden sich auch zwei Firmen, die unter besonderer Beobachtung stehen.

IBM-Logo (Symbolbild): Lukrative Verträge mit dem Staat
Sergio Perez/ REUTERS

IBM-Logo (Symbolbild): Lukrative Verträge mit dem Staat


Ein guter Rat von außen kann manchmal weiterhelfen. Im Fall der Bundesregierung allerdings ist guter Rat auch alles andere als billig. Der Technologieriese IBM war im ersten Halbjahr die Nummer eins unter den Beraterfirmen der Bundesregierung.

Die Verträge mit der deutschen Tochter des US-Konzerns über Beratungs- und Unterstützungsleistungen beliefen sich von Januar bis Juni auf ein Auftragsvolumen von 115,2 Millionen Euro.

Dahinter folgen das mittelständische IT-Beratungshaus Conet aus dem nordrhein-westfälischen Hennef mit 79,5 Millionen Euro und die Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers mit 55,9 Millionen Euro. Das geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Matthias Höhn hervor.

Die Parlamentarische Staatssekretärin Bettina Hagedorn weist darin allerdings darauf hin, dass es in den Ministerien keine einheitliche Definition für Beratungs- und Unterstützungsleistungen gebe und deshalb "Unsicherheiten bzw. Unschärfen" entstehen könnten.

Nach einer früheren Antwort des Finanzministeriums haben die 14 Bundesministerien und die ihnen nachgeordneten Behörden im ersten Halbjahr zusammen 333 Millionen Euro für externe Berater ausgegeben. Fast die Hälfte davon entfiel mit 155 Millionen auf das Verteidigungsministerium, dessen Beratereinsatz derzeit von einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss geprüft wird.

Besonderer Blick auf zwei Unternehmen

Zwei Firmen, deren Tätigkeit von dem Gremium unter die Lupe genommen wird, waren im ersten Halbjahr unter den Top Ten der Regierungsberater: Die auf digitale Transformation spezialisierte McKinsey-Tochter Orphoz mit 31 Millionen Euro auf Platz sechs und das irische Beratungsunternehmen Accenture mit 18,7 Millionen Euro auf Platz zehn.

Höhn sagte, die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit diesen Firmen hinterlasse, "gelinde gesagt, ein bitteres Geschmäckle". Er könne der Bundesregierung nur zu mehr Transparenz raten. "Sie muss den Bürgerinnen und Bürgern erklären, wieso Abermillionen an Steuergeldern auf den Konten dieser externen Berater landen."

jok/dpa



insgesamt 129 Beiträge
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Seite 1
fblars 03.09.2019
1. Ibm
Enorm viele Fachverfahren in Behörden laufen auf IBM Großrechnern und das seit Jahrzehnten. Dort ist selbstverständlich permanenter Unterstützungsbedarf.
eunegin 03.09.2019
2. in einer hochkomplexen Welt braucht man Experten
"Beratertätigkeit" kann irreführend sein. Oft geht es auch um hochkomplexe IT-Sachverhalte, bei denen eben nicht nur "beraten" wird. Externe IT-Experten werden für die Bundesministerien tätig und entwicklen IT-Systeme, die man eben nicht bei Media Markt kaufen kann. Versuchen Sie mal zuhause die BSI-Vorgaben zu VS-IT umzusetzen. Viel Glück! Das schafft auch ein Feld-Wald-Wiesen-IT'ler nicht. Von der Systembetreuung und Wartung ganz abgesehen. So etwas läuft auch im Definitionsgraubereich "Beraterfirmen". Das können die nach Tarifbeschäftigten des Bundes nicht leisten. IT-Experten gehen selten für den vergleichsweise kargen Lohn zum Staat.
der_rookie 03.09.2019
3. Hm
Wieso stehen gerade diese zwei Firmen unter besonderer Beobachtung?
f_bauer 03.09.2019
4. Nie wird irgendwo beschrieben, was die externen Berater machen
Ich bin selber für so eine böse externe Beraterfirma bei einer Regierungsbehörde eingesetzt und finde die Diskussion bizarr, da sie praktisch ahnungs- und faktenlos geführt wird, was auch der schlechten Recherche der Presse geschuldet ist. Anscheinend glaubt man, ich als "Berater" würde da neben einem Regierungsvertreter sitzen und ihn den ganzen Tag nutzlos belabern. Das sieht man schon daran, das z.B. PWC als "Wirtschaftsprüfer" benannt wird, wenn wahrscheinlich nur ein sehr kleiner Teil der Leistungen von PWC in den Bereich "Wirtschaftsprüfung" fallen. Der Spiegel sollte mal die Berater fragen, was sie eigentlich so machen. Dann wird auch ganz schnell klar, warum die Berater mit den Leistungen so viel Geld verdienen. Aber Recherche ist im Journalismus ein Ding der Vergangenheit.
sp0nl3s3r 03.09.2019
5. Na und?
Na und ? Wenn IBM und co. Geleistet haben, dann müssen sie auch dafür entlohnt werden. Im übrigen Kann man mit der Zahl mehr anfangen, wenn die Gesamtausgaben für die betroffenen resorts in relation gestellt werden.
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