Beratervertrag Joschka Fischer heuert bei Gas-Projekt an

Neue Aufgabe für Joschka Fischer: Deutschlands ehemaliger Top-Diplomat soll laut Informationen des manager magazins Berater des europäischen Pipeline-Projekts Nabucco werden - und eine sechsstellige Summe kassieren.


Hamburg - Der frühere Außenminister und Spitzenpolitiker der Grünen, Joschka Fischer, nimmt eine Tätigkeit in der Wirtschaft auf. Fischer soll das europäische Pipeline-Projekt Nabucco politisch voranbringen und auch als PR-Berater tätig werden.

Ex-Außenminister Fischer: Als Berater die Türkei bei Laune halten
AP

Ex-Außenminister Fischer: Als Berater die Türkei bei Laune halten

Er habe dazu einen Vertrag mit einer Vergütung in sechsstelliger Größenordnung ausgehandelt, erfuhr das manager magazin von Insidern.

Damit geht Fischer ein ähnliches Engagement in der Gasbranche ein wie zuvor bereits Alt-Kanzler Gerhard Schröder (SPD). Schröder ist Aufsichtsratschef der Betreibergesellschaft der im Bau befindlichen Ostsee-Pipeline zwischen Russland und Deutschland. An dem sogenannten Nord-Stream-Projekt sind neben dem Versorger E.ON auch die niederländische Gasunie und der russische Gasförderer Gazprom beteiligt. Der Name Nabucco steht für ein zentrales Zukunftsprojekt der

europäischen Energieversorgung. Vom Kaspischen Meer aus soll eine 3300 Kilometer lange Pipeline Erdgas nach Westeuropa transportieren, durch die Transitstaaten Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn.

Das Vorhaben ist politisch hochbrisant, weil es auf eine vom Hauptlieferanten Russland unabhängige Gasversorgung abzielt und von den Russen entsprechend torpediert wird. Russland treibt gleichzeitig ein eigenes Projekt namens "Southstream" voran, dass ebenfalls den Bau einer Pipeline an Europas Südflanke vorsieht.

Zudem verfolgen die an Nabucco beteiligten Staaten auch eigene Interessen, die das Projekt immer mal wieder verzögern. Die endgültige Investitionsentscheidung soll nun 2010 fallen.

Fischer soll in seiner neuen Rolle nach Informationen des manager magazins vor allem die Türkei bei Laune halten. Die betrachte Nabucco als eine Art Faustpfand, um die EU-Beitrittsverhandlungen zu beschleunigen. Fischer genießt in der Türkei ein hohes Ansehen, nicht zuletzt, weil er einem EU-Beitritt stets aufgeschlossen gegenübergestanden hat.

beb/ddp



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